21. Juni 2019   Anleiheserie

Verschiedene Arten von Anleihen

Anleihen gross

Im Zuge der Niedrigzinsphase haben viele Privatanleger Anleihen als Investmentobjekt aus den Augen verloren. Dazu haben spektakuläre Ausfälle dafür gesorgt, dass Anleihen als weniger attraktiv angesehen werden. Wir widmen der Anlageklasse in AnlegerPlus eine kleine Beitragsserie.

Anleihen dienen Staaten, Ländern oder Unternehmen zur Finanzierung. Der Käufer einer Anleihe wird zum Gläubiger des Emittenten der Anleihe, also zum Fremdkapitalgeber. Dafür erhält der Käufer in der Regel einen vorher festgelegten Zins. Die (üblicherweise) jährlichen Zinszahlungen erfolgen meist über die komplette Laufzeit.

In einer Anleihe ist das Recht auf Verzinsung und das Recht auf Rückzahlung des Nennwerts verbrieft. Im Konkursfall des Emittenten werden Anleihegläubiger, wenn sie gemäß den Anleihebedingungen nicht nachrangig behandelt werden, zusammen mit den restlichen Gläubigeren bedient. Dabei gehen Fremdkapitalgeber den Aktionären vor, daher werden Anleihen sicherer als Aktien eingestuft.

 

Staatsanleihen

Auch die Gläubiger einer Staatsanleihe gehen beim Erwerb ein Kreditrisiko ein. Denn fällt der Staat, der die Anleihe ausgegeben hat, aus, geht der Gläubiger zunächst leer aus. Der letzte große Ausfall von Staatsanleihen im europäischen Währungsraum ereignete sich beim Schuldenerlass gegenüber Griechenland im Jahr 2012. Hier mussten die Anleihegläubiger auf 53,5 % ihrer Forderungen verzichten.

Damit Anleger es bei der Risikobeurteilung einfacher haben, werden die meisten Staatsanleihen von Ratingagenturen nach ihrer Ausfallwahrscheinlichkeit kategorisiert. Der jährliche Zinscoupon ist ein weiteres wichtiges und leicht nachvollziehbares Indiz für das Risiko einer Anleihe: Je höher der Coupon, umso größer ist auch das Ausfallrisiko.

Deutsche Staatsanleihen gelten weltweit als sicherer Hafen. Daher ist ihre Rendite bei den kurzlaufenden Anleihen verschwindend gering, teilweise sogar negativ. Die niedrigen Renditen zahlreicher Staatsanleihen sind aber auch den großvolumigen Anleiheaufkaufprogrammen der EZB geschuldet.

 

Unternehmensanleihen

Jedoch nutzen nicht nur Staaten Anleihen als Finanzierungsvehikel. Unternehmen greifen ebenfalls darauf zurück und verschaffen sich so eine Alternative zur klassischen Finanzierung über einen Bankkredit. Durch die festen Zinszusagen sind zudem die jährlichen Zinskosten planbar.

Allerdings können Ratingherabstufungen während der Laufzeit zu einem Kursrutsch der Corporate Bonds führen. Das betrifft dann wieder die Anlegerseite. Für Neuinvestoren eröffnen sich damit häufig attraktive Gelegenheiten, die natürlich mit einem höheren Risiko einhergehen.

Neben der isolierten Betrachtung des Zinscoupons ist also die Endfälligkeitsrendite eine wichtige Kennzahl für den Anleger. Hier spielt u. a. die Laufzeit der Anleihe eine wichtige Rolle. Der wohl größte Einflussfaktor auf die Anleiherenditen, das gilt für Staats- wie für Unternehmensanleihen, ist der Marktzins bzw. der von der Zentralbank festgelegte Leitzins. Schwankungen des Leitzinses verändern die Effektivverzinsung der Anleihen durch eine Reduzierung oder einen Anstieg des Kurses der Anleihe. Es gilt normalerweise die Relation: Steigt das Zinsniveau an, dann sinkt die Notierung der Anleihen am Markt und umgekehrt. Um das Risiko eines Einzelinvestments zu reduzieren, kann man in Anleihefonds oder Anleihe-ETFs investieren.

 

Inflationsgeschützte Anleihen

In Europa haben wir es nun schon sehr lange mit einem niedrigen Zinsniveau zu tun. Folglich rentieren sich viele „sichere“ Anleihen nur noch in sehr geringem Maße. Mit steigenden Inflationsraten könnte jedoch das Zinsniveau früher oder später wieder steigen, so wie man dies zuletzt in den USA beobachten konnte. Auch hierfür gibt es eine Anlagemöglichkeit: inflationsindexierte Anleihen.

Die wohl bekannteste Variante sind inflationsgeschützte Anleihen. Über diese Anlagevehikel können sich Anleger gegen einen Preisanstieg und damit gegen die Inflation absichern. Der Rückzahlungswert und die Zinszahlungen dieser Anleihen sind an den Verbraucherpreisindex gekoppelt. Da die Inflation im Euroraum derzeit noch recht niedrig ausfällt, gelten europäische Inflationsanleihen noch als günstig bewertet. Seit 2006 emittiert übrigens auch der Deutsche Staat inflationsgeschützten Anleihen. Beim Kauf sollte vor allem auf die Effektivrendite geachtet werden.

 

Ramsch-Anleihen

Handeln kann man Anleihen wie Aktien über die Börse. Allerdings ist eine Börsennotiz nicht in allen Ländern Pflicht. Besonders Mittelstandsanleihen haben in den letzten Jahren von sich Reden gemacht. Hier kam es in der Vergangenheit häufig zu Ausfällen und zum Teil auch zu Unternehmensinsolvenzen. Mittelstandsanleihen können grob in den Sektor der High-Yield-Anleihen (Hochzinsanleihen) eingegliedert werden. Diese werden von den Ratingagenturen meist schlechter als BB+ (Investmentgrade) eingestuft und weisen damit ein größeres Risiko auf. Die oft schlechte Bonität der Unternehmen zeigt sich am zu zahlenden Zins für Anleiheemissionen, die auch als Junk-Bonds (Ramsch-Anleihen) bezeichnet werden.

 

Johannes Weber

Geschäftsführer der 4vestor GmbH

www.4vestor.de




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