10. Juli 2019   HV-Bericht

Versteckte Risiken oder nur heiße Luft?

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Das erinnert doch stark an Entenhausen? Ein auf die Dividende bezogen geizigig erscheinender Vorstand, ein riesiger Bestand an liquiden Mitteln und mögliche versteckte Risiken in großen Umfang – die diesjährige Hauptversammlung der PATRIZIA AG glich verblüffend echt einer der Comic-Geschichten von Dagobert Duck und der Angst um seinen geliebten Geldspeicher.

 

Die Geschäfte beim europäischen Immobilien-Investmentmanager laufen gut. Im Zuge von vier getätigten Akquisitionen erhöhten sich im vergangenen Geschäftsjahr die Umsatzerlöse bei PATRIZIA um 40,5 % und das EBITDA um 26,1 %. Nach der ereignisreichen Integrationszeit hätte der Vorstand daher vermutlich nichts gegen eine schnelle und ruhige Hauptversammlung zum Geschäftsjahr 2018 gehabt. Es sollte dann aber doch ganz anders kommen am 22. Mai im Kongresszentrum Augsburg.

 

Prall gefüllter Geldspeicher

Neben vielen Lob für die überwiegend gute Geschäftsentwicklung sorgte bei fast allen HV-Rednern von Beginn an die geringe Dividendenausschüttung für Unmut. Durch die in den letzten Jahren vorangetriebene Fokussierung auf das Asset-Management haben sich durch den Abverkauf der Eigeninvestments liquide Mittel von stolzen 507 Mio. Euro, rund 30 % der Bilanzsumme, angestaut. Der weitere Abverkauf der noch bestehenden Eigeninvestments von 80 Mio. Euro wird in den zwei Folgejahren vollzogen und den Geldspeicher weiter füllen. Auch aufgrund der im Jahr 2018 gezahlten Negativ-Zinsen von 300.000 Euro stieß die restriktive Dividendenpolitik bei den meisten Aktionären auf Unverständnis.

 

CEO Wolfgang Egger verwies, sollte es mit den Immobilienpreisen wie in der Finanzkrise 2008 wieder bergab gehen, auf die Flexibilität für die Gesellschaft, die sich durch die Liquidität ergäbe. Angeblich, so war aus Aktionärskreisen auf der HV zu hören, soll sich der CEO in der Finanzkrise von den Banken im Stich gelassen gefühlt haben und daher immer noch nicht gut auf diese zu sprechen sein. Das sei ein möglicher Grund, warum er präventiv einen Geldspeicher à la Dagobert Duck angelegt habe. Ob dies der Gesellschaft langfristig mehr schadet als hilft, muss sich zeigen.

 

Mögliche versteckte Risiken

Doch Gefahr könnte derzeit von ganz anderer Seite Gefahr drohen. Für größeres Aufsehen sorgte nämlich der Vortrag eines Aktionärs auf der HV zu einem Sachverhalt, der auf den Verkauf des Harald-Portfolios von PATRIZIA an die Deutsche Wohnen AG im Jahr 2016 zurückgeht. Laut dem Aktionär hatte PATRIZIA nach Eingang des Kaufpreises für die das Portfolio tragende Konzerngesellschaften keine Verwendung mehr und verkaufte diese an eine Ein-Dollar-Gesellschaft in den USA.

Da bei den verkauften Firmenmänteln anscheinend Insolvenzen aufgrund hoher Steuernachforderungen eingetreten sind, könnte nun das Risiko darin bestehen, dass ein möglicher Insolvenzverwalter Ersatzansprüche aufgrund der Nichtigkeit der Schuldübernahmeerklärung gegen PATRIZIA erhebt. Das durch die Steuernachforderungen potenzielle Risiko bezifferte der Aktionär auf bis zu 250 Mio. Euro.

 

Laut Vorstand unbegründet

Auch wenn der Vorstand in der Generaldebatte immer wieder betonte, dass die mit dem Sachverhalt in Zusammenhang stehenden Ansprüche unbegründet seien, so blieb doch vielschichtig ein bitterer Beigeschmack. Zum einen, da der Vorstand das Bestehen eines solchen Sachverhalts an sich nicht zurückwies. Zum anderen, da der Vorstand mehrfach erklärte, weder den Abschlussprüfer noch den Aufsichtsrat über mögliche Haftungsansprüche informiert zu haben.

 

Ob durch den Sachverhalt tatsächlich potenzielle Risiken bestehen oder es sich nur um heiße Luft handelt, wird für Außenstehende derzeit ungewiss bleiben. Die Aktionäre können darum nur hoffen, dass mögliche Steuernachforderungen im Zusammenhang mit Firmenmänteln des Harald-Portfolios tatsächlich unbegründet wären, wie der Vorstand es behauptet. Sonst könnte der Geldspeicher noch vor einer möglichen Finanzkrise entleert werden.

Paul Petzelberger, Redaktion AnlegerPlus



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