728x90leaderboard2

1. August 2018   WISSEN

Vollgeld – was ist das?

iStock 520980572

Ein vollgültiges gesetzliches Zahlungsmittel, das sogenannte Vollgeld, ist ein alternativer Ansatz, ein Währungssystem zu steuern. Was hat man sich aber darunter vorzustellen und wo liegt der Unterschied zum bestehenden Geldsystem? Ein Überblick.

 

Goldgeld, Fiat-Geld, Vollgeld. Drei Begriffe, drei unterschiedliche Systeme. Während man zu den ersten beiden in den vergangenen Jahren immer wieder in den Medien lesen konnte, gewann das Vollgeld erst im Zusammenhang mit einem kürzlich in der Schweiz durchgeführten Volksentscheid größere mediale Aufmerksamkeit.

 

Die neue Popularität hat das Vollgeld seinen erst genannten „Brüdern“ zu verdanken. Da wäre das Gold, das als die bessere Währung bezeichnet wird. In den 1870er Jahren hatten die Währungen der Industriestaaten noch eine Golddeckung. D. h. jede Münze oder Banknote konnte bei der eigenen Zentralbank gegen Gold eingetauscht werden bzw. zumindest bestand dieses Versprechen. Nach und nach wurde dieser Goldstandard jedoch aufgeweicht und mit Beginn des ersten Weltkriegs von vielen Staaten ausgesetzt.

1944 trat dann das Bretton-Woods-System in Kraft, das im Jahr 1973 offiziell wieder aufgegeben wurde. Die an diesem System teilnehmenden Länder banden die Wechselkurse ihrer Währungen fix an den US-Dollar. Für den US-Dollar wiederum wurde gegenüber einer Unze Gold ein festes Tauschverhältnis festgelegt (35 Dollar je Unze Feingold/31,104 Gramm). Und die amerikanische Notenbank Fed verpflichtete sich gegenüber den Zentralbanken der Teilnehmerländer, deren Dollarbestände jederzeit gegen Gold zu eben diesem Tauschverhältnis zu erwerben. Dadurch waren alle Währungen zumindest indirekt an Gold gebunden, wenn auch nicht gedeckt.

 

Mit dem Ende des Bretton-Woods-Systems war „Gold“ als Währungsanker schließlich komplett aus dem Spiel. Dies war gleichsam die Geburtsstunde des sogenannten Fiat-Geldes, einer Währung, die aus dem Nichts geschaffen wird (hierzu sei dieser Beitrag vom Mises-Institut empfohlen). Schöpfer dieses Geldes sind zunächst die staatlichen Zentralbanken, die hierfür ein Monopol besitzen, damit wären wir noch beim Vollgeld. Fiat-Geld ist aber beliebig vermehr bar, es entsteht vor allem über die Kreditvergabe, die nicht über „echtes“ Geld gedeckt ist. Fiat-Geld ist somit nicht mal das Papier wert, auf dem des – nicht einmal mehr – gedruckt wird. Fiat-Geld ist, wenn man so will, die erste digitale Währung, denn es existiert überwiegend als Buchgeld auf Konten. Das Zahlungsmittel, das im Euroraum am meisten verwendet wird (90-95 %), ist das Giralgeld der Banken. Dieses Buchgeld ist nichts als ein Zahlungsversprechen der Banken. Und wer möchte sich darauf in diesen Zeiten schon verlassen?

 

Sollen auch private Banken Geld schaffen...

Aber nochmal im Detail. In entwickelten Volkswirtschaften schaffen die Notenbanken Zentralbankgeld, welches sie den Banken durch Kredit oder Ankauf von Wertpapieren und anderer Aktiva zur Verfügung stellen. Dieses Geld können die Banken jederzeit in Bargeld umtauschen lassen. Das umlaufende Bargeld und die Sichtguthaben der Geschäftsbanken bei der Zentralbank ist letztendlich die Geldbasis des Währungsraumes (= aktuelles Vollgeld).

Die Menge des als allgemein im Umlauf befindlichen Geldes ist allerdings um ein Vielfaches größer. Denn die Geschäftsbanken schaffen Giralgeld, auch Buchgeld genannt. Dies geschieht immer dann, wenn sie an ihre Kunden Kredite vergeben oder von diesen Aktiva, z. B. Immobilien oder Wertpapiere, abkaufen. Der Kunde bekommt dann den Betrag X auf sein Konto gebucht, es entsteht eine Verbindlichkeit der Bank (Zahlungsversprechen) gegenüber dem Kunden und schon ist Geld aus dem Nichts geschaffen. Landet dieses Buchgeld als Einlage bei einer anderen Bank, kann diese ebenfalls wieder Kredite vergeben, usw. (=multiple Geldschöpfung).

 

Nun könnte man meinen, dieses Geld ist real vorhanden, der Bankkunde kann es doch abheben. Da kommt die sogenannte Mindestreserve bei den Zentralbanken ins Spiel. Für jeden Euro Kundenguthaben muss die Bank ein Prozent Zentralbankgeld bei selbiger als Mindestreserve halten. Das reicht in der Praxis unter normalen Umständen aus, um die bei einer Abhebung eingeforderten Zahlungsversprechungen auch einhalten zu können. Denn in der Praxis stehen bei einer Bank Auszahlungen i. d. R. gleich hohe Einzahlungen gegenüber. Die Folge der niedrigen Mindestreserve ist aber, dass das Buchgeld der Banken das tatsächliche Zentralbankgeld deutlich übersteigt (siehe oben). Dies bedeutet wiederum, dass das Geld auf den Bankkonten kein bestandssicheres gesetzliches Zahlungsmittel, sondern lediglich ein Anspruch des Kunden gegenüber der Bank ist. Das Geldmonopol der Zentralbanken wird dadurch unterlaufen.

 

... oder lieber nur die Zentralbank?

In einem Vollgeldsystem gilt als alleiniges gesetzliches Zahlungsmittel nur das Geld, welches als Bargeld oder Buchgeld einzig von der Zentralbank ausgegeben und in Umlauf gebracht werden kann. Die Geldschöpfung ist in diesem System ausschließlich der Zentralbank vorbehalten, die Geschäftsbanken haben keinen Einfluss darauf. Ein echtes Monopol wäre gegeben.

Die umlaufende Geldmenge wird in diesem Fall von der Zentralbank limitiert. Das von Kunden bei der Bank auf Girokonten gehaltene Geld muss von der Bank selbst in gleichem Umfang bei der Zentralbank voll hinterlegt sein. Stellt der Kunde der Bank auf einem verzinsten Sparbuch Geld zur Verfügung, kann diese das Geld für Kreditvergabe nutzen. Alternativ kann sich die Bank am Kapitalmarkt oder von der Zentralbank Geld für Kreditvergaben leihen. Unterm Strich ist das Geld aber zuvor durch die Zentralbank ausgegeben worden und in diesem System tatsächlich vorhanden und nicht durch Geldschöpfung der Banken geschaffen worden.

 

Der Vorteil des Vollgeldes wäre laut den Befürwortern u. a., dass das Geld auf den Konten so sicher sei. Nun gut, so sicher zumindest, wie das Zahlungsversprechen der Zentralbank und damit sicherer als das der einzelnen Geschäftsbank. Allerdings wären dieser Vorteile dadurch erkauft, dass sich die Macht hin zum öffentlichen Sektor, also Notenbank und Staat, hin verlagert. Die Vor- und Nachteile eines Vollgeldsystems wollen wir ausführlicher in einem weiteren Beitrag zu diesem Thema zusammentragen.

 

Wie soll ein Wechsel gelingen?

Um vom bisherigen System in die Vollgeldwelt zu gelangen, könnte z. B. das vorhandene Buchgeld der Geschäftsbanken einmalig in Vollgeld getauscht werden. Somit würden Ansprüche der Kunden gegenüber den Banken in Ansprüche gegenüber der Zentralbank gewandelt. Kreditrückzahlungen würden an die Zentralbank weitergeleitet werden. Dadurch würde sich die umlaufende Geldmenge entsprechend reduzieren, könnte aber bei Bedarf durch Ausgabe von neuem Vollgeld wieder erhöht werden.

Christoph Richter / Redaktion AnlegerPlus



Diese Website verwendet Cookies. Mit der weiteren Nutzung dieser Website, akzeptieren Sie unsere Datenschutzerklärung und die Verwendung von Cookies und um Ihnen spezielle Services und personalisierte Inhalte bereitzustellen. Weiteres erfahren Sie unter der Rubrik Datenschutz.

X schließen