Wertpapier Banner2

2. Mai 2018   STEUERN

Was ändert sich 2018 für Publikumsfonds?

Fotolia154583859S

Mit der Investmentsteuerreform 2018 sehen sich Publikumsfonds mit einem Systemwechsel konfrontiert. Für Anleger gibt es zahlreiche Neuerungen zu beachten; wir sagen, welche.

Mit der Investmentsteuerreform sollen künftig in- und ausländische Fonds steuerlich gleichbehandelt werden, um nicht gegen EU-Recht zu verstoßen. Der Gesetzgeber nahm dies zum Anlass, den großen Wurf zu landen. Herausgekommen ist eine „echte“ Steuerreform, die vieles verkompliziert und aufseiten der Anleger einige „Steuerverlierer“ hinterlässt.

Besteuerung auf Fondsebene

Künftig wird bereits auf Fondsebene eine Körperschaftssteuer von 15 % auf inländische Erträge, also inländische Dividenden sowie inländische Immobilienerträge (z. B. Mieten, Gewinne aus Veräußerung) erhoben. Die Folge: Beim Anleger kommt weniger aus diesen Erträgen an.

Keine Regel ohne Ausnahme: Für zertifizierte Altersvorsorge- und Basisrentenverträge wie Riester- bzw. Rüruprente sowie fondsgebundene Lebensversicherungen, die vor 2005 abgeschlossen wurden, ändert sich nichts. Auf Fondsebene steuerfrei sind gleichfalls Zinsen und Veräußerungsgewinne von Wertpapieren.

Teilfreistellungen und fiktive Steuern

Für einen Ausgleich der vorgelagerten Besteuerung sollen auf Anlegerebene anschließend pauschale Teilfreistellungen sorgen und zwar sowohl für Ausschüttungen als auch für Veräußerungsgewinne beim späteren Verkauf der Anteile. Die Höhe der Teilfreistellung wiederum orientiert sich an der Fondsart (siehe Tabelle Teilfreistellungen). Die Entlastung durch die Teilfreistellung greift nicht, wenn der Anleger im Rahmen seines Freibetrags oder einer Nichtveranlagungsbescheinigung keine Steuern zahlt.

Neu ist künftig auch die jährliche Vorabpauschale, eine Art fiktive Steuer, die für alle thesaurierenden und teilausschüttenden Fonds eingeführt wird (siehe Beispielrechnung Vorabpauschale). Die Pauschale orientiert sich an der Wertentwicklung des Fonds und dem aktuellen Zinsniveau und soll nicht ausgeschüttete Erträge im Fonds zeitnah besteuern.

Erhoben wird sie zu Beginn eines Jahres. Bei einer Veräußerung der Fondsanteile wird die Pauschale mit der fälligen Abgeltungssteuer verrechnet. Immerhin entfällt für Anleger in ausländische Fonds durch die Pauschale künftig die aufwendige Deklarierung der ausschüttungsgleichen Erträge in der Einkommenssteuererklärung. Die Vorabpauschale kann niemals negativ werden und sie kann maximal so hoch sein wie die tatsächliche Wertsteigerung eines Fonds. Und Achtung: Die Bank zieht die Vorabpauschale zum ersten Werktag des Folgejahres direkt vom Konto ein, der Anleger muss auf eine ausreichende Deckung achten.

Neue Zeitrechnung

Der Systemwechsel bei den Publikumsfonds beginnt damit, dass per 31.12.2017 grundsätzlich alle Fondsanteile als fiktiv veräußert gelten. Eine Besteuerung erfolgt aber erst später beim tatsächlichen Verkauf. Die Daten aus dem fiktiven Verkauf werden für die Systemumstellung benötigt und von der depotführenden Stelle gespeichert.

Einschneidend ist dieses Datum auch für Fondsanleger mit Fondsanteilen, die vor 2009 erworben wurden und eigentlich „steuerfrei“ sind. Dieser Bestandsschutz endet nämlich mit dem fiktiven Verkauf. D. h., Wertsteigerungen ab dem 1.1.2018 sind auch für diese Altanteile steuerpflichtig. Um den „Wortbruch“ zu kaschieren, gewährt der Gesetzgeber jedoch einen Freibetrag in Höhe von 100.000 Euro pro Anleger für Gewinne ab Januar 2018 bis zu seinem kompletten Verbrauch – Verluste aus dem Verkauf von Altanteilen füllen ihn wieder auf. Ein Verkauf der Altanteile noch 2017 lohnt sich daher nicht, denn damit wäre auch der Freibetrag verloren.

Was sonst noch wichtig ist

Spürbaren Einfluss auf die Steuerhöhe hat künftig über die typisierten Teilfreistellungen, die ja auch für Veräußerungsgewinne gelten, die Fondsart. Mischfonds mit zulässigen Aktienquoten von 0 bis 100 % kommen nicht in den Genuss einer Teilfreistellung. Synthetischen ETFs droht dasselbe Schicksal. Sparer müssen daher künftig verstärkt die Anlagebedingungen der Fonds in die Anlageentscheidungen miteinbeziehen.

Für thesaurierende Fonds spielt die Vorabpauschale wiederum eine wichtige Rolle, die über das Zinsniveau (siehe Beispielrechnung Vorabpauschale) nicht zuletzt von der Geldpolitik der EZB beeinflusst wird. Noch belastet das niedrige Zinsniveau thesaurierende Fonds geringfügig. Doch das kann sich ändern. Und da die Pauschale stichtagsbezogen ermittelt wird, kann es bei einem darauffolgenden Börsencrash eine gefühlte Ewigkeit dauern, bis die Vorabpauschalen vollständig mit späteren Gewinnen verrechnet sind.

Immobilienfonds zählen zunächst zu den Gewinnern der Reform. Allerdings berücksichtigt die rein steuerliche Einschätzung auf Basis der Teilfreistellungen nicht, dass für offene Immobilienfonds die bisher nach Ablauf der 10-Jahresfrist gewährte Steuerfreiheit der Veräußerungsgewinne für Immobilien künftig entfällt.

Ausführliche Informationen und Erläuterungen zur anstehenden Investmentsteuerreform gibt es übrigens auf den Internetseiten des deutschen Fondsverbandes BVI unter www.bvi.de/regulierung/investmentsteuern/investmentsteuerreform/. Dort findet sich auch ein FAQ-Bereich speziell für Privatanleger. Weitere Infos erhält man auch unter www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Monatsberichte/2016/03/Inhalte/Kapitel-3-Analysen/3-5-reform-investmentbesteuerung.html.

 

Teilfreistellungen – Ebene Privatanleger

Aktienfonds*

Mischfonds**

Immofonds Schwerpunkt Inland***

Immofonds Schwerpunkt Ausland***

30 %

15 %

60 %

80 %

* min. 51 % Aktienanteil │ ** min. 25 % Aktienanteil │ *** min. 51 % Immobilienanlagen

Quelle: Bundesgesetzblatt Jahrgang 2016 Teil I Nr. 36, § 20 InvStRefG

 

-------------------------------------------------------------------------------------------------------------

 

Beispielrechnung: Vorabpauschale

Die Vorabpauschale kommt bei nicht oder teilweise ausschüttenden Fonds zum Tragen. Wichtig sind hierfür die Begriffe Basiszins und Basisertrag. Der Basiszins wird von der Bundesbank festgelegt.

 

A) Basisertrag = Basiszins x 70 % x Rücknahmepreis der Fondsanteile (zum Jahresbeginn des vorangegangenen Kalenderjahrs)

B) Obergrenze Vorabpauschale = Wertsteigerung des Fondsanteils

C) Vorabpauschale = Basisertrag/Obergrenze – Ausschüttung des letzten Kalenderjahres

D) Vorabpauschale immer > 0 Euro

Quelle: bvi.de

 

Fiktives Beispiel für eine Vorabpauschale per 1.1.2019:

Rücknahmepreis des Fondsanteils per 1.1.2018:          100,00 Euro

Rücknahmepreis des Fondsanteils per 31.12.2018:      100,50 Euro

Wertsteigerung des Fondsanteils 2018:                             0,50 Euro

Ausschüttung je Fondsanteil 2018:                                    0,10 Euro

Basiszinssatz 2018:                                                           1,10 %

 

Schritt 1: Basisertrag = 1,1 % x 70 % x 100 Euro = 0,77 Euro

Schritt 2: Vorabpauschale maximal = 0,77 Euro

Schritt 3: Vorabpauschale Obergrenze = Wertsteigerung = 0,50 Euro

Schritt 4: Vorabpauschale – Ausschüttungen = 0,50 Euro – 0,10 Euro = 0,40 Euro

Birgit Groschwitz-Fiebig



Diese Website verwendet Cookies. Mit der weiteren Nutzung dieser Website, akzeptieren Sie unsere Datenschutzerklärung und die Verwendung von Cookies und um Ihnen spezielle Services und personalisierte Inhalte bereitzustellen. Weiteres erfahren Sie unter der Rubrik Datenschutz.

X schließen