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8. November 2018   Gastbeitrag

Wenn das Fundament für steigende Aktienkurse wegbricht

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An den Börsen ist wieder Nervosität eingekehrt. Ist es nur eine Korrektur oder steht ein Bärenmarkt bevor? Die lang anhaltende Abnahme des Risikoappetits der Anleger sendet ein deutliches Warnsignal aus.

Viele Investoren nutzen fundamentale Faktoren wie Konjunkturentwicklung, Bewertung oder technische Indikatoren, um die aktuellen Risiken am Aktienmarkt zu beurteilen. Die Schwierigkeit bei dieser Herangehensweise ist, dass die Aktienmärkte völlig unterschiedlich auf ähnliche Situationen reagieren können.

Intuitiv würde man beispielsweise erwarten, dass steigende Unternehmensgewinne auch zu steigenden Aktienkursen führen. Die frühen 1970er-Jahre zeigten, dass dies nicht immer so sein muss. Damals sind die Aktienmärkte um rund 50 % gefallen, obwohl die Gewinne in diesem Zeitraum um gut 50 % gestiegen sind. Ebenso gab es Phasen sinkender Zinsen, in denen die Aktienkurse stiegen, aber auch fielen wie 2007 bis 2009.

Der dominante Faktor

Es sieht so aus, dass allein mit fundamentalen und technischen Faktoren solche Entwicklungen nicht zufriedenstellend erklärt werden können. Es scheint einen Faktor zu geben, der kurz- bis mittelfristig alle anderen Faktoren dominieren kann. In den obigen Beispielen könnte der dominante Faktor die Angst vor der Inflation in den 70ern oder die Angst vor einem Zusammenbruch des Finanzsystems nach 2007 gewesen sein.

Was letztlich der dominante Faktor ist, spielt keine Rolle. Entscheidend ist, dass er die Risikobereitschaft der Anleger bestimmt. Der Risikoappetit ist nichts anderes als das Endprodukt aller Ereignisse am Markt und deren Einschätzung durch die Marktteilnehmer.

Quelle: Rhy Advisors AG

Schlüsselfaktor Risikoappetit

Unsere Analysen haben gezeigt, dass eine hohe Risikobereitschaft tendenziell zu steigenden Märkten führt. Wenn die Anleger weniger risikotolerant oder gar risikoavers sind, ist eher mit fallenden Aktienmärkten zu rechnen.

Es vergeht kein Tag an der Börse, an dem alle Nachrichten über Konjunktur, Aktien oder Politik nur positiv sind. Entscheidend ist immer, wie sich durch all diese Ereignisse der Risikoappetit der Anleger verändert. Je nach Umfeld bewerten die Anleger die einzelnen Ereignisse anders. Deshalb ist es so schwierig, allein anhand von fundamentalen und technischen Faktoren eine zuverlässige Risikoeinschätzung vorzunehmen.

Wir haben festgestellt, dass sich die Märkte relativ stabil verhalten, solange sich der Risikoappetit in einem normalen Bereich bewegt. Nur bei Extremwerten oder starken Veränderungen der Risikobereitschaft muss man mit einer Zunahme der Volatilität rechnen.

Zum Beispiel war während des starken Anstiegs der Aktienkurse zu Zeiten des „New-Economy-Booms“ der Risikoappetit zwar hoch, aber immer noch in einem normalen Bereich. Dies war vermutlich der Hauptgrund, warum die Aktienmärkte trotz extremer Überbewertung weiter gestiegen sind.

Im Jahre 1999 begann dann der Risikoappetit langsam abzunehmen, bis die Internetblase schließlich platzte. Die Anleger wurden so risikoavers, dass auch massive Zinssenkungen der Zentralbanken den Bärenmarkt nicht stoppen konnten.

Rhy Risk Indicator am MSCI World Index

 

Aktuelle Situation

Vor jedem Bärenmarkt seit 1970 wurde ein langanhaltender Rückgang der Risikobereitschaft beobachtet. Das ist genau das, was unser Rhy Risk Indicator im Moment misst.

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass sich ein langanhaltender Abwärtstrend nur schwer stoppen lässt. Mit dem abnehmenden Risikoappetit verlieren die Aktienmärkte das Fundament für nachhaltige Kursgewinne. Jetzt ist die Zeit gekommen, das eigene Aktien-Exposure nochmals zu überdenken.

 

Autor

Ivan Disch hat an der Universität St. Gallen (HSG) Wirtschaft studiert. Er ist Geschäftsführer und Partner der Rhy Advisors AG mit Sitz in Pfäffikon, Schweiz. Das Unternehmen ist spezialisiert auf die Entwicklung von systematischen Indikatoren und Aktienmodellen sowie Herausgeber des Rhy Reports.

 

Ivan Disch



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