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20. Februar 2018   Unternehmen

Wie nachhaltig ist die Wende bei Twitter?

twitter

Von April 2015 bis Juli 2017 bescherte die Twitter-Aktie den Anlegern herbe Verluste. Und viele Analysten setzten das Unternehmen auf die Verkaufsliste.  Doch im Sommer 2017 konnte die Aktie den negativen Trend beenden und hat sich seitdem im Wert wieder verdoppelt. Nun hat das Unternehmen erstmals in seiner Historie einen Quartalsgewinn vermeldet. Die Trendwende auch im Geschäftsverlauf?

Zahlt sich nun doch der „Trump-Effekt" aus? Der vom US-Präsidenten stark genutzte Kurznachrichtendienst Twitter hat im vierten Quartal 2017 erstmals in seiner zwölfjährigen Firmengeschichte schwarze Zahlen geschrieben und einen Gewinn von 91 Millionen US-Dollar ausgewiesen. Im Vorjahreszeitraum war noch ein Verlust von 167 Millionen Dollar angefallen.

Damit soll nun Schluss sein. Twitter habe begonnen, die Früchte seines Umbaus zu ernten, versicherte Firmenchef Jack Dorsey bei der Vorlage der Jahresbilanz. Er peilt auch für 2018 schwarze Zahlen an.

Die Anleger reagierten begeistert. Am Tag nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen legte die Twitter-Aktie um 12,15 % auf 30,18 US-Dollar zu. Zum Börsenstart am Tag der Vorlage der Zahlen war sie sogar bis auf 35 US-Dollar hochgesprungen und kosteten so viel, wie zuletzt im August 2015.

Anstieg der Werbeeinnahmen

Der Erfolg im vierten Quartal 2017 war vor allem auf den Anstieg der Werbeerlöse zurückzuführen: Sie stiegen allein im Vergleich zum Vorquartal von 503 auf 644 Millionen US-Dollar an. Allerdings hängt das Twitter-Geschäft extrem vom Heimatmarkt USA ab: Dort leben zwar nur 68 Millionen Nutzer – sie brachten aber mit 342 Millionen US-Dollar mehr als die Hälfte der Umsätze ein. Dies erklärt warum die Gesamterlöse nur um 2 % auf 732 Millionen US-Dollar gestiegen sind.

Dorsey versucht den Dienst einfacher nutzbar zu machen und damit das Wachstum anzukurbeln. Eine seiner Maßnahmen war, im vergangenen Herbst die Längeneinschränkung für einen Tweet von 140 auf 280 Zeichen anzuheben. Außerdem will Dorsey künftig künstliche Intelligenz und lernende Maschinen einsetzen, um die Wünsche der User schneller erfüllen zu können.

Langfristig möchte Twitter weg von ausschließlichen Text-Posts. „Wir sind im Zeitalter des Tippens stecken geblieben", gibt Dorsey unverblümt zu. Dies soll sich in Zukunft ändern. „Video ist unser am schnellsten wachsener Inhalt", so der Twitter-Chef. Daher wolle Twitter diesen Bereich technologisch weiter ausbauen – für die User, aber nicht zuletzt auch für die Werbetreibenden.

Zudem geht der Dienst mit dem Markenzeichen des zwitschernden Vögelchens im Nachgang der aus Russland gesteuerten Propaganda während der US-Präsidentenwahl verstärkt gegen böswillige Roboter-Accounts vor,. Insgesamt kommt Twitter inzwischen auf über 50 000 solcher Bot-Profile, die gelöscht werden mussten.

Zahl der Nutzer stagniert

In der Folge stagnierte die Zahl der aktiven Nutzer von Oktober bis Dezember 2016 bei 330 Millionen. An dieser Marke hängt Twitter bereits seit Ende März 2017 fest. Die Zahl täglich aktiver Nutzer legt allerdings zu: im Jahresvergleich um 12 %. Konkrete Zahlen nennt die Firma allerdings nicht.

Trotzdem kommen die Pläne von Dorsey, neue Einnahmequellen zu erschließen, gut an. JPMorgan-Analyst Analyst Douglas Anmuth lobt vor allem die Ausweitung der Produktpalette mit Videos und dem Live-Streaming von Inhalten. Die Zahl der täglich aktiven Nutzer dieser Angebote dürfte dadurch prozentual zweistellig wachsen. Dies werde auch die Umsätze mit Werbung ankurbeln. Twitter ist deshalb eine seiner Top-Empfehlungen 2018. Allerdings rät der Analyst auch zur Vorsicht: Die Aktie sei in den letzten Wochen zu schnell, zu hoch gestiegen. Deshalb müssen vorübergehend auch Rücksetzer einkalkuliert werden.Marktexperten weisen zudem daraufhin, dass die Zahl der Nutzer zwar beachtlich sei. Aber gegenüber Konkurrenten wie Facebook mit seinen mittlerweile 2,2 Milliarden Mitgliedern könne Twitter nicht mithalten. Und das, obwohl der Firmenname dank des aktuellen US-Präsidenten omnipräsent in den Nachrichten sei.

                                                                              Quelle: investing.com / Stand: 20.2.2018

Stefan Siebert, Redaktion AnlegerPlus



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