16. April 2019   Interview

„Wir verzeichnen in allen Bereichen Steigerungsraten“

Merkur Bank

Viele deutsche Banken leiden unter niedrigen Zinsen und disruptiven Geschäftsmodellen neuer Anbieter. Kein Wunder also, dass sich der DAX-Bankenindex in den letzten eineinhalb Jahren etwa halbiert hat. Unbeeindruckt davon zeigt sich die Aktie der MERKUR BANK KGaA (aktueller Kurs: 8,85 Euro), die wir erstmals bei einem Kurs von 3,50 Euro besprochen haben.

Die MEKRUR BANK hat ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2018 hinter sich. Dieses war gekennzeichnet von Wachstum in allen Bereichen. Das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit lag 2018 bei 9,6 Mio. Euro (+13,7 % ggü. Vj.). Damit steigerte die Bank das Ergebnis je Aktie um 0,04 Euro auf 0,64 Euro.

Wir gehen davon aus, dass sich die Dividende gegenüber den im Vorjahr ausgeschütteten 0,30 Euro je Aktie erhöht. Unser mittelfristiges Kursziel belassen wir bei 10,50 Euro, das Stop-Loss-Limit bei 7 Euro.      

Im Bereich der Bauträgerzwischenfinanzierung stieg das Kreditvolumen 2018 um 38,2 % auf 600,9 Mio. Euro, in der Leasingrefinanzierung stand zum Jahresabschluss eine Steigerung des Kreditvolumens um 31 % auf 314,4 Mio. Euro und in der Finanzierung mittelständischer Unternehmen betrug der Zuwachs 11,4 % auf 216,7 Mio. Euro.

Für das laufende Geschäftsjahr erwartet die Geschäftsführung der MERKUR BANK zwar eine leichte Eintrübung des konjunkturellen Umfelds in Deutschland. Für die Geschäftsfelder, in denen sie tätig ist, sieht die Bank jedoch unverändert gute Chancen für Wachstum, das sie für weitere Investitionen nutzen will, wie Dr. Marcus Lingel, der persönlich haftende Gesellschafter der MERKUR BANK KGaA, im nachfolgenden Interview mit AnlegerPlus erläutert.

 

Herr Dr. Lingel, wie ist das abgelaufene Geschäftsjahr 2018 für die MERKUR BANK gelaufen?

Ein außerordentlich gutes Jahr 2018 liegt hinter uns. Wir verzeichnen in allen Bereichen Steigerungsraten. Jetzt zahlt es sich aus, dass wir trotz eines herausfordernden Wettbewerbsumfelds stets unserer Devise treu geblieben sind, keine Zinsspekulationen zu betreiben und auf Eigenhandel zu verzichten. Wir können unabhängig agieren und sehen uns als Unternehmerbank unserem Wort verpflichtet. Das schätzen unsere Kunden und bleiben uns treu.

 

Im Bereich der Vermögensanlage sind Sie weiter gewachsen. Das Depotvolumen liegt mittlerweile bei 336,5 Mio. Euro. Wie sehen Sie sich hier aufgestellt?

2018 konnten wir netto (ohne Kurskorrekturen) neue Kundendepots von über 70 Mio. Euro einsammeln. Aktuell liegen wir beim Depotvolumen sogar noch höher als zum Jahresende, nämlich bei rund 360 Mio. Euro. Dies zeigt, dass unsere Marketingkampagnen und Produktangebote zur Neukundengewinnung erfolgreich und zielgerichtet verlaufen. Zudem honorieren unsere Kunden die Unabhängigkeit unseres Hauses. Wir emittieren nämlich keine eigenen Produkte, haben keine Abnahmeverpflichtungen und sind somit bei der Beratung unserer Kunden vollkommen frei.

 

Ein wichtiges Thema im abgelaufenen Geschäftsjahr war die Umstellung auf MiFID II. Hat das Ihr Geschäft beeinflusst?

Hintergrund der Neuregelung unter MiFID II ist es ja, Interessenskonflikte zwischen Kunde und Bank zu minimieren. Wir hatten derartige Interessenskonflikte jedoch nie. Die Umstellung funktionierte bei uns reibungslos, negative Einflüsse – mit Ausnahme einer erhöhten Bürokratie – sehen wir nicht.

 

Einen enormen Schub erlebte 2018 das Bauträgergeschäft in Ihrem Haus. Wie sehen Sie die weitere Marktentwicklung?

Vorweg möchte ich anmerken, dass die MERKUR BANK auf den Bereich der Bauträgerzwischenfinanzierung spezialisiert ist und sich auf Wohnimmobilien im Großraum München und Stuttgart konzentriert. Gerade in München erlebten wir 2018 einen starken Aufwärtstrend. In unserem Finanzierungsportfolio lag der durchschnittliche Verkaufspreis von Neubauten bei 10.580 Euro je qm, etwa 1.300 Euro mehr als im Jahr zuvor. Dennoch können wir keine wesentliche Verlangsamung des Trends erkennen, sodass ich glaube, dass die Nachfrage nicht abnimmt.

 

Werden denn die Preise weiter steigen?

Für unseren Kernmarkt München dürfte es auch im laufenden Jahr zu Preissteigerungen kommen. Neben steigenden Grundstückspreisen treiben ständig höhere Anforderungen wie z. B. Brandschutz oder Dämmung den Preis nach oben. Nicht zuletzt spüren auch die Bauträger mittlerweile den Handwerkermangel, der über höhere Preise abgefedert werden muss.

 

Die MERKUR BANK konnte im Bauträgergeschäft ein Neugeschäftsvolumen von 972 Mio. Euro verzeichnen, 15,6 % mehr als im Vorjahr. Werden Sie das Geschäft 2019 weiter ausbauen?

Das Wachstum stammt zu 90 % aus bestehenden Kundenbeziehungen. Wir werden natürlich mit diesen Kunden auch 2019 mitgehen, wenn diese weiter expandieren. Fest eingeplant ist auf jeden Fall, dass wir das 2018er-Niveau im laufenden Geschäftsjahr mindestens halten.

 

Etwas anders sieht es im Leasingbereich aus. Die MERKUR BANK refinanziert Leasinggesellschaften und konnte trotz konjunktureller Bedenken um 42 % auf 196 Mio. Euro wachsen. Wie geht es hier weiter?

Es ist richtig, dass wir 2018 überproportional gegenüber dem Markt gewachsen sind. Dieses Wachstum wird durch eine besicherte Kreditvergabe getragen, sodass wir die Ausfallrisiken minimieren können. Zudem haben wir ein granulares Portfolio mit durchschnittlichen Finanzierungswerten von weniger als 30.000 Euro. Dementsprechend fühlen wir uns in diesem Markt sehr wohl und gehen davon aus, dass wir 2019 weiter zulegen können.

 

Bleibt der Bereich Firmenkunden. Hier konnten Sie im Neugeschäftsvolumen um rund 15 % auf 63,9 Mio. Euro zulegen. Wie schätzen Sie hier die Situation ein?

Im Bereich der Mittelstandsfinanzierung sehen wir uns einem ausgeprägten Wettbewerb gegenüber. Zudem trübt sich die konjunkturelle Lage ein, sodass wir unser Wachstum zwar fortsetzen wollen, aber nur dann, wenn das Risiko zur Marge passt.

 

Alles in allem steht die MERKUR BANK also glänzend da. Das sieht man u. a. am Vorsteuerergebnis von 9,6 Mio. Euro, das um 13,5 % gesteigert werden konnte. Wie sollen die Aktionäre von dieser Entwicklung profitieren?

Ich bin stolz darauf, dass uns die Ergebnissteigerung trotz höherer Investitionen gelungen ist. Das Ergebnis je Akte liegt bei 0,64 Euro, der Substanzwert der Aktie liegt sogar deutlich über dem aktuellen Kurs. Auch wenn die Entscheidung über die genaue Dividendenhöhe noch nicht getroffen wurde, können Sie davon ausgehen, dass neben einer Basisdividende von 0,20 Euro je Aktie ein ansprechender Betrag dazukommt.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

Redaktion AnlegerPlus



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