1. Januar 2020   Wirtschaft

Wird Deutschland für Unternehmen zum Hochsteuerland?

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Die Globalisierung hat den internationalen Steuerwettbewerb forciert. So sind insbesondere in den Industriestaaten in den vergangenen zwei Jahrzehnten die Körperschaftsteuersätze deutlich reduziert worden. Zudem dürften angesichts der schwächelnden Konjunktur die Steuereinnahmen künftig geringer ausfallen. Daher sind Steuersenkungen aktuell kein Thema für die deutsche Politik. Vor diesem Hintergrund wird die Abgabenlast aber immer mehr zum Nachteil für den Wirtschaftsstandort.

 

Die Globalisierung hat die Mobilität der Produktionsfaktoren spürbar erhöht. Die Staaten sehen sich immer mehr dem Handlungsdruck im internationalen Wettbewerb um günstige Rahmenbedingungen für Produktion und Beschäftigung ausgesetzt. Dazu zählt auch die Unternehmensbesteuerung. Hier hat sich in den vergangenen Jahren einiges bewegt. Innerhalb der Gruppe der OECD-Länder sind die Körperschaftsteuersätze seit dem Jahr 2000 deutlich reduziert worden. Der ungewichtete Mittelwert der Unternehmenssteuersätze der betrachteten Länder sank zwischen 2000 und 2019 von 32,2 auf 23,5 %.

 

Gerade in Deutschland gab es im Bereich der Unternehmensbesteuerung in den vergangenen Jahren keine großen Veränderungen. Mit einem Steuersatz von knapp 30 % (als Kombination aus Bundessteuern und Steuern der Gebietskörperschaften) liegt Deutschland damit inzwischen unter den Industrieländern im Spitzenfeld der Hochsteuerländer.

Höhere Steuersätze weisen aktuell nur noch Frankreich, Portugal oder Australien auf. Ähnlich hoch – oder nur etwas niedriger – sind die Steuersätze in Japan und Belgien. Der Abstand Deutschlands zu den anderen Ländern und zum Durchschnitt der OECD droht sich sogar weiter zu vergrößern, denn einige Länder haben kürzlich ihre Steuern gesenkt oder planen, dies in Kürze zu tun.

 

Internationaler Steuersenkungswettbewerb

Die USA haben ab 2018 eine umfassende Steuerreform umgesetzt. Dort wurde der Körperschaftsteuersatz auf Bundesebene von 35 auf 21 % gesenkt. Schweden hat 2019 seinen Körperschaftsteuersatz von 22 auf 21,4 % gesenkt und wird ihn 2021 weiter auf 20,6 % senken. Frankreich hat eine Senkung des gesetzlichen Körperschaftsteuersatzes von 33,3 % auf 25 % beschlossen, die zwischen 2018 und 2022 schrittweise eingeführt werden soll.

 

Weitere Steuersenkungen sind zum Beispiel in Großbritannien und Australien geplant. Im Vereinigten Königreich soll der Körperschaftsteuersatz bis 2020 auf 17 % reduziert werden. Australien hat eine schrittweise Absenkung auf 25 % bis zum Geschäftsjahr 2026–27 angekündigt. Die Bespiele verdeutlichen den internationalen Steuersenkungswettbewerb.

 

Entlastung deutscher Unternehmen nicht auf Prioritätenliste

Unabhängig davon, ob es auf europäischer Ebene gelingen kann, den Steuerwettbewerb zwischen den einzelnen Volkswirtschaften zu reduzieren, könnte Deutschland aufgrund von Passivität in absehbarer Zeit immer mehr zu einem Hochsteuerland für Unternehmen werden. Die jüngsten Steuerreformen in zahlreichen Industrieländern und die Pläne für die kommenden Jahre zeigen in eine Richtung: Reduktion der Körperschaftsteuersätze, eben nur nicht in Deutschland.

 

Das Thema Entlastung deutscher Unternehmen steht bislang nicht oben auf der Prioritätenliste der deutschen Politik. Angesichts der bisherigen Steuersenkungen und der künftigen Steuersenkungspläne in den anderen Industrieländern droht Deutschland damit ins Hintertreffen zu geraten. Seine Stellung als attraktiver Wirtschaftsstandort ist dadurch mehr und mehr gefährdet.

 

Dr. Christoph Swonke

Senior Economist der DZ BANK

 

Autor

Dr. Swonke ist seit 2012 im volkswirtschaftlichen Research der DZ BANK als Senior Economist tätig. Seine Themenschwerpunkte sind die wirtschaftliche Analyse des Euroraums und der größeren Mitgliedsländer. Zuvor war er wissenschaftlicher Mitarbeiter im Stab des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.






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