26. Juni 2020   Börse

Wirecard-Affäre zieht immer größere Kreise

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Wirecard-Aktionäre sind in diesen Tagen nun wirklich nicht zu beneiden, auch die Spekulanten nicht, die in den vergangenen Tagen auf den Rebound der Aktie gesetzt hatten. Denn eine Hiobsbotschaft jagt die andere und der Kurs taumelt (oder besser stürzt) von einem Tiefpunkt zum anderen. Inzwischen zieht der Skandal um den möglichen Bilanzbetrug bei dem Zahlungsabwickler immer größere Kreise.

 

Gestern berichteten wir an dieser Stelle über die doch gelinde gesagt eher zurückhaltende Rolle der BaFin in der Causa Wirecard. Doch nicht nur die Aufsichtsbehörde steht in dem Insolvenzfall des DAX-Konzerns unter Druck, auch die Rolle des Wirtschaftsprüfers EY, der jahrelang die Bilanzen des Wirecard-Konzerns ohne Beanstandung testierte, muss genau beleuchtet werden. Staatssekretär Jörg Kukies im Bundesfinanzministerium, einstmals angestellt bei der Investmentbank Goldman Sachs und heute u. a. auch zuständig für die BaFin bringt es in einem Interview mit dem Medienunternehmen Media Pioneer auf den Punkt: „Wir müssen völlig schonungslos hinterfragen, was da schiefgelaufen ist. Natürlich in dem Unternehmen. Welche kriminelle Energie gab es bei diesem Thema? Bei den Wirtschaftsprüfern? Bei den Aufsehern über die Wirtschaftsprüfer? Bei der Finanzaufsicht? Das muss alles schonungslos zur Diskussion gestellt werden.“

 

Schonungslos gibt sich auch die SdK Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger gegenüber dem Wirtschaftsprüfer EY. Die Anlegerschutzvereinigung hat laut einer Pressemeldung aufgrund der Vorgänge rund um die Wirecard AG Strafanzeige gegen zwei amtierende und einen ehemaligen Abschlussprüfer der Ernst & Young GmbH gestellt. In der Mitteilung schreiben die Anlegerschützer weiter, dass das Desaster rund um Wirecard vorhersehbar war. Trotz kritischer Fragen seitens der SdK vor 12 Jahren bezüglich der Kundengruppen des Wirecard-Konzerns und dessen Bilanzierungspraxis, habe eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den vorgerbachten Kritikpunkten nie stattgefunden, auch als später von anderer Seite immer wieder Kritikpunkte gegenüber Wirecard vorgebracht wurden. Dass EY, die ab dem Geschäftsjahr 2009 mit der Prüfung des Konzernabschlusses und Jahresabschlusses beauftragt waren, trotz der vorgebrachten Kritik offenbar im Rahmen ihres Prüfungsmandats nie entsprechend nachgefragt oder tiefer recherchiert haben, sei für die SdK nicht nachvollziehbar. Erst durch die jüngste Sonderuntersuchung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, so die Anlegerschutzvereinigung, sei auch EY aufgefallen, dass etwas nicht stimmen kann.

 

Die SdK habe daher große Zweifel an der Geeignetheit von EY als Abschlussprüfer der Wirecard, zumal die Überprüfung der Existenz von Bankguthaben – was letztlich den aktuellen Skandal ausgelöst hat – zu den eher leichteren Aufgaben eines Abschlussprüfers zähle. Doch EY habe Medienberichten zu Folge für die Jahre 2016 bis 2018 überhaupt keine Saldenbestätigung bei den betreffenden Banken angefordert. Die Anlegerschützer aus München haben deshalb nicht nur eine Strafanzeige gestellt, sondern werden bis auf Weiteres künftig auf Hauptversammlungen außerdem für von der SdK vertretene Investoren gegen eine Bestellung von EY zum Abschlussprüfer und/oder Konzernabschlussprüfer stimmen.

 

Redaktion AnlegerPlus




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