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6. April 2018   Unternehmen

Zittern um den Zusammenschluss

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Der deutsche Gasekonzern Linde will durch die Fusion mit seinem US-Wettbewerber Praxair zum Weltmarktführer für Industriegase aufsteigen. Doch die EU-Kartellbehörden könnten den Plan gefährden. Ein Prüfungsergebnis der Behörden zu den Auflagen einer Fusion oder gar einem Veto ist für Anfang August vorgesehen.

Linde ist ein weltweit tätiges Gase- und Engineering-Unternehmen. Man ist in mehr als 100 Ländern mit ca. 58.000 Mitarbeiter vertreten. Der Konzern ist in die Divisionen „Gases“ und „Engineering“ aufgeteilt. In der Gases-Division bieten die Münchner eine Palette an Druck- und Flüssiggasen sowie Chemikalien für die unterschiedlichsten Industrien, z. B. auch Healthcare, an. Die Engineering-Division schafft umfassende Lösungen im Bereich der Gaserzeugung und -verarbeitung. Wobei der Fokus „auf den zukunftsträchtigen Marktbereichen Olefinanlagen, Erdgasanlagen, Luftzerlegungsanlagen sowie Wasserstoff- und Synthesegasanlagen“ liegt.

Seit August 2016 laufen nun schon die Überlegungen und Vorbereitungen für einen Zusammenschluss unter Gleichen mit dem amerikanischen Konkurrenten Praxair. Linde-Chefaufseher Wolfgang Reitzle hat die Fusion mit Praxair gegen viele Widerstände  durchgedrückt. Nun steht der Zusammenschluss des US-Konkurrenten mit dem deutschen Industriegase-Konzern kurz vor dem Abschluss. Über 92 % der Linde-Aktionäre haben ihre Papiere (ISIN DE0006483001) zum Umtausch in Aktien der künftigen Linde plc (ISIN DE000A2E4L75) eingereicht. Auch die Praxair-Aktionäre stimmten dem Deal bereits zu.

Viele Synergien, höhere Gewinne

Der Merger mit der kleineren Praxair würde Linde richtig groß machen: Zusammen käme man auf rund  27 Mrd. Euro Umsatz, 80.000 Mitarbeiter und 66 Mrd. Euro an Börsenwert. Der neue Konzern wäre Weltmarktführer für Industriegase und die bisherige Nummer eins, Air Liquide, vom Spitzenplatz verdrängt. Praxair-Boss Steve Angel soll den neuen Industriegase-Giganten von Amerika aus führen, Firmensitz wäre Irland und Reitzle würde zum Chairman aufsteigen.

Die Schweizer Großbank UBS sieht in der Fusion einen großen Mehrwert für Aktionäre: Mehr als 30 % Kurspotenzial trauen die Banker dem neuen Papier zu. 1,2 Mrd. US-Dollar Synergien könnte der verschmolzene Gase-Koloss bis 2021 heben. Zudem können die Margen stärker wachsen. Die neue Linde plc soll laut UBS-Berechnungen beim Betriebsergebnis um jährlich 8 % zulegen – ohne Fusion würde der alte Linde-Konzern auf seinem bisherigen Niveau von 4 % verharren.

Auch in der alten Struktur hat Linde aber im Geschäftsjahr 2017 mit einem Milliardengewinn nochmals gut verdient. Das operative Ergebnis (EBIT) lag mit 4,21 Mrd. Euro, genau wie Analysten erwartet hatten, um 4 % höher als im Vorjahr. Linde selber hatte sogar ein Wachstum von bis zu 7 % in Aussicht gestellt. Der Umsatz stieg um 2 % auf 17,1 Mrd. Euro. Beim Nettogewinn profitierte Linde mit 250 Mio. Euro von der US-Steuerreform. Das Ergebnis aus dem fortgeführten Geschäft verbesserte sich um 16 % auf 1,54 Mrd. Euro. Die Aktionäre dürfen sich, sofern die Hauptversammlung in München am 3. Mai zustimmt, über eine Dividende in Höhe von 7,00 Euro je Aktie freuen. 

Damoklesschwert Kartellbehörden

Die Freude über die soliden Zahlen beim Aufsichtsratschef Reizle dürfte allerdings getrübt sein. Denn nach wie vor ist die Fusion mit Praxair nicht in trockenen Tüchern. Wettbewerbshüter aus Europa, USA oder Brasilien könnten die Fusion noch verhindern. Sie verlangen nämlich Zugeständnisse, damit die Marktmacht des neuen Gase-Riesen nicht zu groß wird. Linde und Praxair wollen jedoch maximal 3,7 Mrd. Euro Umsatz und 1,1 Mrd. US-Dollar Betriebsergebnis über die Veräußerung von Unternehmensteilen abgeben, damit sich ihr Plan noch lohnt. Sollten also die Auflagen zu hoch sein, käme dies einem Veto gleich.

Die EU-Kommission stellte sich bereits quer und unterbrach die Frist für ihre kartellrechtliche Prüfung rückwirkend zum 24. Februar 2018 – bis „abgefragte Informationen zur Verfügung gestellt werden“. Mittlerweile verlängerten die Brüsseler ihre Prüfungszeit nochmals bis zum 9. August. Jetzt droht der verabredeten Fusion ein Rennen gegen die Zeit. Aus rechtlichen Gründen muss sie spätestens bis zum 24. Oktober unter Dach und Fach sein – oder für gescheitert erklärt werden. 

Thomas Müncher, Redaktion AnlegerPlus



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