Die Marktrisikoprämie einfach erklärt

Bild von Holzwürfeln auf denen Pfeile aufgemalt sind

Die Marktrisikoprämie ist eine grundlegende Größe, die den Zusammenhang von Rendite und Risiko am Aktienmarkt verdeutlicht. Sie spielt eine wichtige Rolle in der Unternehmensbewertung. Für langfristige Anleger ist sie die entscheidende Renditequelle.

Inhalt

  1. Die Definition hinter dem Begriff Marktrisikoprämie
  2. Nennenswerte Studien zu der Marktrisikoprämie
    1. Volatility Lessons
    2. Übervolatilität nach Robert J. Shiller
  3. Die Marktrisikoprämie in der Praxis
  4. Fazit

Die Definition hinter dem Begriff Marktrisikoprämie

Die Marktrisikoprämie ist der wichtigste und grundlegendste Faktor, mit dem die Renditen am Aktienmarkt in Kapitalmarktmodellen erklärt werden. Sie beschreibt, wie viel mehr Rendite Anleger mit Aktien gegenüber einer (theoretisch) risikolosen Anlage etwa in kurzlaufende Staatsanleihen erzielen können.

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Um die Marktrisikoprämie zu erzielen, ist es notwendig, ein ausreichend breit diversifiziertes Aktienportfolio langfristig zu halten, da die Prämie über kürzere Zeiträume – und das umfasst durchaus bis zu mehreren Jahren – deutlich vom historischen Mittel abweichen und auch negativ ausfallen kann.

Nennesnwerte Studien zu der Marktrisikoprämie

Volatility Lessons

Die Kapitalmarktforscher Eugene F. Fama und Kenneth R. French kamen in ihrer im Jahr 2018 veröffentlichten Studie „Volatility Lessons“ zu dem Ergebnis, dass die Marktrisikoprämie in den USA gemessen an 1-Monats-US-Treasury-Bills im Zeitraum von 1963 bis 2016 bei durchschnittlich 0,51 % im Monat bzw. rund 6 % im Jahr lag. Das Forschertrio Elroy Dimson, Paul Marsh und Mike Staunton führte ähnliche Untersuchungen für den Weltaktienmarkt über einen besonders langen Zeitraum von mehr als 100 Jahren durch (Titel: „The Worldwide Equity Premium: A Smaller Puzzle“) und errechnete hierfür eine durchschnittliche Prämie von 4,7 % im Jahr.

Allerdings ist zu beachten, dass die Betonung bei dem Begriff Marktrisikoprämie auf dem Wort „Risiko“ liegt. Die höhere Rendite gegenüber der risikolosen Anlage kann es schon rein intuitiv nicht umsonst geben. Auch dazu liefern Fama und French in ihrer Studie klare Zahlen: Demnach lag die Standardabweichung der monatlich gemessenen Marktrisikoprämien im genannten Zeitraum bei 4,42 %. Das bedeutet: Im Mittel betrug die Prämie zwar angenehme 0,51 % im Monat, aber allein die durchschnittliche (!) Abweichung davon lag fast neunmal so hoch, also im Bereich von −3,91 bis 4,93 %. Jetzt wird auch klar, weshalb es nur langfristig funktioniert, die Prämie halbwegs „sicher“ zu vereinnahmen: Die Schwankungen im Zeitablauf sind enorm.

Übervolatilität nach Robert J. Shiller

Professor Robert J. Shiller geht noch einen Schritt weiter und spricht bei den Kursschwankungen am Aktienmarkt von einer Übervolatilität. Diese zeigte er bereits in seiner 1981 veröffentlichten Studie „Do Stock Prices Move Too Much to be Justified by Subsequent Changes in Dividends“ anschaulich. Seine Kernaussage ist, dass die Kurse viel stärker schwanken als fundamental gerechtfertigt.

Shillers damaligen Berechnungen zufolge fiel die Volatilität gemessen an den tatsächlichen späteren Dividendenveränderungen um das 5- bis 13-Fache zu hoch aus. Mit anderen Worten: Die Märkte werden von Überreaktionen und starken Trends dominiert, die sich früher oder später durch eine Mittelwertumkehr wieder korrigieren. Langfristige Anleger erkaufen sich ihre Rendite also dadurch, dass sie zwischenzeitlich enorme Schwankungen aushalten (müssen).

Die Marktrisikoprämie in der Praxis

Doch warum schwanken die Kurse viel stärker als fundamental gerechtfertigt? Eine rationale Erklärung ist, dass permanent hohe Unsicherheiten über die künftigen Dividendenveränderungen bestehen, es also ausreichend extreme Erwartungen für die zukünftige Entwicklung gibt. In der Realität treten diese dann jedoch (fast) nie ein, sodass die zuvor hohe Unsicherheit im Nachhinein nicht mehr nachvollziehbar ist und irrational erscheint. Oder anders ausgedrückt: Die hohen Schwankungsbreiten wären bei einem alternativen, extrem positiven oder negativen Verlauf der Geschichte tatsächlich gerechtfertigt gewesen.

Mit diesem „Trick“ lässt sich das Ganze quasi durch die Hintertür mit der Forderung nach Markteffizienz vereinbaren. Das beste Beispiel war der jüngste Coronacrash: Im März wurde ein Horrorszenario eingepreist, das zu diesem Zeitpunkt durchaus realistisch war. Sollte sich aber auf längere Sicht herausstellen, dass es nicht (ganz) so schlimm kommt, wird man rückblickend von einer „klaren Übertreibung“ sprechen.

Eines steht jedenfalls fest: Die Marktrisikoprämie ist extrem volatil und kann auch über Jahre negativ sein. Zwar versuchen einige Anleger, die entsprechenden Risiko- und Renditephasen zu antizipieren, also den Aktienmarkt zu timen, doch an dieser Aufgabe hat sich schon so mancher Fondsmanager die Zähne ausgebissen. Aus langfristiger Sicht sollten Anleger davon ausgehen, dass die Risiken potenziell immer da sind, aber eben nicht immer auch tatsächlich realisiert werden.

Fazit

Die Marktrisikoprämie ist die Belohnung für Anleger, die langfristig investieren und sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Allerdings handelt es sich dabei keineswegs um ein „Geschenk“ oder „Free Lunch“. Denn die Prämie kann nur dann mit zunehmender Wahrscheinlichkeit verdient werden, wenn die Investments im Zeitablauf durchgehalten werden. Das liegt daran, dass im Vorfeld natürlich niemand weiß, wann bei der Marktrisikoprämie das Wort „Prämie“ und wann das Wort „Risiko“ realisiert wird. Hinzu kommt, dass auch langfristig eine positive Prämie kein Naturgesetz ist, mit dem man sicher rechnen kann.

Foto: © http://www.fotogestoeber.de – istockphoto.com

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