Welcher MSCI World ETF ist der Beste? Ein Vergleich

ETF All World

Der Grundsatz einer ausgewogenen Anlagestrategie lautet, nicht alles auf eine Karte zu setzen. Wer nur einen einzigen breit über Branchen und Länder gestreuten ETF besitzt, hat diesen Grundsatz im Prinzip schon beherzigt. Doch wie sollte solch ein „Kern-ETF“ aussehen? Und welche Indexfonds eignen sich dazu als Beimischung? In diesem Beitrag geben wir Ihnen mit Hilfe eines Vergleichs einige Anregungen dafür, welcher MSCI World ETF sich am besten für Ihr Risikoprofil und Depot eignet.

Um Klumpenrisiken zu vermeiden, sollte sich der dem Kern-ETF zugrundeliegende Index weder auf eine Region noch auf eine Branche konzentrieren. Daher bietet sich ein Weltaktienindex gut für eine solche Anlagestrategie an. Da dürfte vielen Anlegern gleich der MSCI World in den Sinn kommen. Und tatsächlich hat so ziemlich jeder ETF-Anbieter mindestens ein Produkt auf diesen Index im Angebot.

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Inhalt

  1. MSCI World ETF Kritik: Nur Industrieländer
  2. MSCI ACWI: Die ganze Welt in einem ETF
  3. MSCI ACWI All Caps ETF: Beimischung von Small und Micro Caps
  4. FTSE All World ETF: Rund 4.000 Aktien aus Industrie- & Schwellenländern
  5. Tipp: Depot mit Beimischungen breiter Diversifizieren
    1. Europa- & Schwellenländer ETFs
    2. Nebenwerte-ETFs
    3. Branchen ETFs
  6. Fazit

MSCI World ETF Kritik: Nur Industrieländer

Doch der MSCI World hat einen entscheidenden Nachteil, wenn man eine wirklich breite Streuung haben möchte: Er enthält ausschließlich Aktien von Unternehmen aus Industrieländern. Davon sehr viele. Rund 1.600 Werte aus allerdings nur 23 Staaten gehören dem MSCI World an. Das klingt zwar nach ausreichend breiter Abdeckung. Ein Blick auf die Länderallokation relativiert das jedoch. Denn US-Aktien beeinflussen die Wertentwicklung des MSCI World zu über zwei Drittel.

Einem „echten“ Weltindex näher kommt der MSCI ACWI. Das Kürzel „ACWI“ steht hier für „All Countries World Index“. Doch wirklich alle Länder dieser Welt sind in diesem Index natürlich ebenfalls nicht vertreten, sondern es sind 48. Zu den 23 Industrieländern aus dem MSCI World kommen also noch 25 Schwellenländer hinzu. Den US-Anteil bei der Gewichtung reduziert das allerdings kaum, er liegt im MSCI ACWI bei rund 60 %.

MSCI ACWI: Die ganze Welt in einem ETF

In der „Basisversion“ des MSCI ACWI sind rund 2.900 Werte enthalten, die laut Indexanbieter rund 85 % der weltweiten Marktkapitalisierung abdecken sollen. Dazu gibt es noch Erweiterungen des Welt-Index: Der MSCI ACWI IMI (Investable Market Index) soll mit über 9.000 Werten sogar 99 % des weltweiten Aktienmarkts abdecken. Der ETF-Anbieter SPDR hat dazu einen ETF aufgelegt, der auf Xetra gehandelt wird.

MSCI ACWI All Caps ETF: Beimischung von Small und Micro Caps

Der Vollständigkeit halber sei noch der MSCI ACWI All Caps erwähnt, der den zuvor genannten Indizes noch zahlreiche Small und Micro Caps hinzufügt, sodass sich die Anzahl der Indexbestandteile auf über 15.000 summiert. Mehr Welt-Index geht kaum. Einen dazugehörigen ETF sucht man jedoch auf Xetra vergebens. Und in der langfristigen Wertentwicklung hinkt der All-Cap-Index den beiden anderen Varianten ohnehin hinterher.

Da die Schwellenländer-Aktien sich gerade in den letzten Jahren im Durchschnitt schlechter entwickelten als der Gesamtmarkt, blieb zudem die langfristige Performance des MSCI ACWI hinter der des reinen Industrieländer-Index MSCI World zurück.

FTSE All World ETF: Rund 4.000 Aktien aus Industrie- & Schwellenländern

Als Kern-ETFs sind Produkte auf beide Weltindizes geeignet, ebenso wie auf den FTSE All World Index, der rund 4.000 Aktien aus Industrie- und Schwellenländern umfasst. Der hohe US-Anteil lässt sich bei Weltindizes kaum vermeiden und war zumindest bislang selten ein Nachteil.

Die Branchenverteilung in Weltindizes ist zwar deutlich ausgewogener, jedoch ein wenig technologielastig. Das ist kein Wunder, denn die Unternehmen mit der höchsten Marktkapitalisierung haben in der Regel das größte Gewicht in den Indizes. Und das sind nun mal vornehmlich US-Technologiewerte wie Apple, Microsoft oder Amazon.

Tipp: Depot mit Beimischungen breiter Diversifizieren

Aufgrund dieser Unwucht ist es im Sinne eines ausgewogenen Depots durchaus sinnvoll, einem Kern-Welt-ETF weitere ETFs beizumischen. Dabei kann es sich um Regionen- oder Branchen-ETFs handeln, welche die Gebiete abdecken, die beim Kern-ETF unterrepräsentiert sind. Ebenso können Nachhaltigkeitsaspekte bei einer Ergänzung des Depots miteinbezogen werden. Wer komplett ESG-konform anlegen möchte, kann natürlich einen nachhaltigen Welt-ETF wählen.

Europa- & Schwellenländer ETFs

Als regionale Beimischung zu einem Welt-ETF bieten sich sowohl Europa- als auch Schwellenländer-Indexfonds an. Trotz der unterdurchschnittlichen Performance der letzten Jahre sollten gerade die Emerging Markets in einem ausgewogenen ETF-Depot nicht fehlen, wenn diese zu einem Comeback ansetzen. Das gilt insbesondere dann, wenn der Kern-ETF den MSCI World abbildet, der sich rein auf Industrieländer beschränkt.

Nebenwerte-ETFs

Eine gute Ergänzung bieten außerdem Nebenwerte-ETFs, da in einem Weltindex die Börsenschwergewichte dominieren. Das ließe sich beispielsweise mit einem regionalen Fokus auf Europa kombinieren. Die großen Indexanbieter STOXX und MSCI haben für ihre Europaindizes jeweils Small- und Mid-Cap-Varianten im Angebot (siehe Tabelle).

Branchen ETFs

Branchen-ETFs als Beimischung dienen dagegen weniger dazu, (die kaum vorhandenen) Ungleichgewichte im Kern-ETF auszugleichen als vielmehr dazu, Zukunftsthemen stärker in der Depotaufstellung abzubilden. Das könnten so unterschiedliche Bereiche wie Biotechnologie, Wasserwirtschaft oder Cybersicherheit sein.

Fazit

Mit einer gut diversifizierten ETF-Strategie sollten Anleger mittel- bis langfristig auf der sicheren Seite sein und ihr Vermögen gut durch die möglicherweise anstehende Inflationsphase navigieren. Ein Welt-ETF ist hierfür die geeignete Basisanlage. Die Beimischung von regionalen und branchenbezogenen Indexfonds macht das Depot noch ausgewogener und berücksichtigt die individuellen Vorlieben des Anlegers.

Dieser Artikel stammt aus der aktuellen AnlegerPlus-Ausgabe 3/2022.

Foto: © unsplash.com

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