Noch keine IPO-Stimmung an der Börse

Daniel Bauer Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e.V. Vorstand Porträt auf weißem Hintergrund

Das abgelaufene IPO-Jahr brachte eine ganze Reihe an Neuemissionen, wie ich das an dieser Stelle im Heft 12/2021 schon einmal besprochen hatte. Es fehlte jedoch der „Paradebörsengang“, der den Erstzeichnern hohe Emissionsgewinne eingebracht hätte. Vielleicht findet sich der ja im laufenden Jahr. Immerhin schätzen Marktbeobachter, dass es rund 100 potenzielle Börsenkandidaten geben könnte, von denen 30 ernstzunehmende Börsengänge in Erwägung ziehen.

Als „Eisbrecher“ in diesem Jahr könnte der bereits angekündigte Börsengang der Greifswalder Cheplapharm AG dienen. Der Spezialist für Spezialpharmazeutika plant, im ersten Quartal an die Börse zu gehen. Im Rahmen des Börsengangs möchten die Greifswalder immerhin 750 Mio. Euro einsammeln. Bewertet werden dürfte das Unternehmen mit bis zu 8 Mrd. Euro. Sollte dies gelingen und sich die Aktie nach dem Listing positiv entwickeln, wäre der Weg für weitere Emissionen im Jahresverlauf bereitet.

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Große und bekannte Namen

Und da stehen einige Großkaliber parat. In mehreren Medien wird kolportiert, dass der Prothesenhersteller Otto Bock in diesem Jahr unbedingt den schon häufiger avisierten Börsengang durchziehen möchte, die Bewertungsbasis des Konzerns dürfte bei 3–5 Mrd. Euro liegen (die SdK e.V. hat sich mit dem Börsengang schon näher befasst). Der Wissenschaftsverlag Springer Nature könnte es erneut versuchen, nachdem 2018 das IPO gescheitert war. Damals hatten die Verantwortlichen eine Post-Money-Bewertung von etwa 3 Mrd. Euro anvisiert.

Auch einige bekannte Namen streben den Gang aufs Parkett an. Allen voran die Internetbanken N26 und Solarisbank. Beiden gemein ist ein progressives Geschäftsmodell, das den klassischen Universalbanken künftig viele Kunden abjagen könnte. Allerdings stehen beide Banken aktuell unter Beobachtung der Aufsichtsbehörde BaFin, da sie offensichtlich nicht jeden Kunden genau genug angesehen haben. Ein Börsengang dürfte in jedem Fall für mehr Transparenz sorgen. Weitere bekannte Börsenkandidaten 2022 sind die Online-Partnervermittlung Parship, der Online-Modehändler Best Secret sowie das Jobportal StepStone.

Auf die IPO-Stimmung kommt es an

Entscheidend für die Zahl der Börsengänge wird die Stimmung an den internationalen Aktienmärkten im Verlauf des Jahres sein. Solange sich die Aktienkurse auf dem Weg nach oben befinden, wie dies die letzten Jahre der Fall war, vertrauen Anleger auch in IPO-Kandidaten und investieren dort ihr Geld. Volatile Marktphasen mit heftigeren Kurseinbrüchen hingegen sind Gift für Neuemissionen. Diese Erfahrung musste in den letzten Wochen die zuvor genannte Cheplapharm AG machen, die den so heiß erwarteten Börsengang kurzfristig „verlängerte“, wie es in einer Pressemeldung Ende Januar hieß. In jedem Fall werden wir Sie bei AnlegerPlus entsprechend mit Informationen versorgen, wenn interessante Aktien an die Börse kommen.

Auf gute Investments!

Dieser Beitrag stammt aus den AnlegerPlus News 2/2022.

Bild: SdK

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