Rendite ist nicht gleich Rendite

Rendite

Kursgewinne, Dividenden, Zinsen, all das lässt sich in Form von Renditen beschreiben. Doch Rendite ist nicht gleich Rendite. Das soll eine kurze Artikelserie in drei Teilen Anlegern etwas näher bringen.

Eigentlich ist die Ermittlung der „Rendite“ ganz einfach: Man setzt den gesamten Gewinn eines Investments ins Verhältnis zum eingesetzten Kapital. Daraus resultiert ein Prozentwert, anhand dessen sich der wirtschaftliche Erfolg beurteilen lässt. Doch die Realität ist etwas komplexer, insbesondere – aber nicht nur – wenn es um Gewinnerwartungen in der Zukunft geht. 

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Einige Beispiel

Angenommen, ein börsennotiertes Unternehmen erzielt einen Gewinn von 5 Euro je Aktie und schüttet eine stabile Dividende von 3 Euro aus. Aktuell steht der Kurs bei 100 Euro. 

Szenario 1

Die erwartete Dividendenrendite liegt damit unter Annahme eines unveränderten Kurses bei 3 % (= 3/100). Alternativ kann der Gewinn des Unternehmens in Bezug zum Kurs gesetzt (KGV) und so die Gewinnrendite als eine Art „laufende Verzinsung“ der Aktie berechnet werden, die hier bei 5 % liegt (= 5/100). Beides bezieht sich auf den Zeitraum von einem Jahr, wie es in der Praxis üblich ist.

Szenario 2

Da der Aktienkurs im Zeitablauf schwankt, kann es bis zum Tag der Dividendenzahlung zu Abweichungen kommen. Angenommen, die Notierung steigt bis dahin auf 110 Euro. Die Dividendenrendite eines Anlegers, der die Aktie jetzt zu 110 Euro erwirbt, würde nur noch 2,7 % betragen (= 3/110). Während sich für den „Altaktionär“ nun inklusive des Kursgewinns eine sogenannte Aktienrendite von 13 % (= [10 + 3]/100, [Kursgewinn+Dividende]/100) errechnet.

Weitere Szenarien

Wir gehen immer noch vom aktuellen Aktienkurs 110 Euro aus. Wenn der Markt nun einen Gewinn des Unternehmens von 6 Euro je Aktie erwartet, steigt die Gewinnrendite auf 5,5 % (= 6/110). 

Gleichzeitig könnte die erwartete Dividendenrendite für die Zukunft bei 3 % verbleiben, wenn mit einer Anhebung um 0,30 Euro auf 3,30 Euro gerechnet wird (= 3,30/110). Aus Sicht des ersten Anlegers, der bei 100 Euro gekauft hat, wäre die Dividendenrendite bezogen auf seinen Kapitaleinsatz von 100 Euro dagegen nun höher (3,3 %).

An den unterschiedlichen Szenarien wird deutlich, dass es sich bei vielen Variablen um bewegliche Größen handelt, was deren Erwartungen für die Zukunft angeht. Das Einzige, was wirklich „sicher“ ist, sind deshalb historische Renditen. Doch auch dafür gibt es verschiedene Maßstäbe.

Reale Renditen

Eine Unterscheidung tatsächlicher bzw. historischer Renditen besteht in Brutto und Netto. Die zuvor errechnete Aktienrendite von 13 % ist als Bruttorendite zu verstehen. Bezieht man sämtliche Transaktionskosten bzw. sonstige Gebühren und die anfallenden Steuern ein und rechnet diese gegen den Kursgewinn, ergibt sich die Nettorendite.

Doch auch das ist noch nicht der tatsächliche (reale) Zuwachs. Denn bei allen bisher vorgestellten Renditen handelt es sich um nominale Größen. Entscheidend aus Sicht der Anleger ist letztlich die reale Rendite, also die tatsächliche Veränderung der Kaufkraft. 

Um sie zu ermitteln, muss von der nominalen Rendite die Inflationsrate des jeweiligen Wirtschaftsraums abgezogen werden. Lag diese im Zeitraum des Investments bei 5 %, beträgt die reale Aktienrendite im Beispiel nur noch 8 statt 13 %. Die reale Dividendenrendite würde, ausgehend von einer nominalen Rendite in Höhe von 3 %, bei −2 % liegen. Die Kaufkraft der Ausschüttungen hätte sich real also verringert.

Dieser Artikel stammt aus der AnlegerPlus-Ausgabe 5/2022.

Foto: © unsplash.com

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