US-Staatsfinanzen vor dem totalen Kollaps?

Freiheitsstatue

Während Europa immer noch nach einer Lösung für das unter einer schweren Haushaltsmisere stehende Griechenland sucht und auch eine Beteiligung privater Gläubiger mittlerweile auf der Agenda steht, droht zeitgleich in den USA ein totaler Kollaps der öffentlichen Finanzen.

Bis 2.8.2011 muss Präsident Obama mit den Republikanern einen Konsens finden, um die derzeitige Schuldengrenze von 14,3 Billionen US-Dollar erhöhen zu können. Die bisherige Schuldengrenze wurde schon Mitte Mai 2011 durchbrochen. Die USA konnten ihre Zahlungsfähigkeit nur durch eine Verschiebung bestimmter Zahlungen in die Zukunft und durch Bilanzierungstricks aufrechterhalten.

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Da im abgelaufenen Fiskaljahr das Haushaltsdefizit bei rund 10 % des Bruttoinlandsprodukts lag und sich die wirtschaftliche Lage in den letzten Monaten kaum verbessert hat, dürften auch im laufenden und im nächsten Jahr Defizite im Bereich von jeweils ein bis eineinhalb Billionen Dollar anfallen. Der Finanzmarkt hat dieses massive Problem des amerikanischen Staates bereits erkannt: Einflussreiche Investoren wie die Allianz-Tochter Pimco, der größte Teilnehmer an den Märkten für Fremdkapitalpapiere, haben sich bereits vollständig aus US-Staatsanleihen zurückgezogen und wetten nun sogar gegen diese. Auch scheint eine Abstufung des Länderratings durch die führenden Rating-Agenturen Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Erste Androhungen, die Kreditwürdigkeit der USA herabzustufen, gab es von deren Seite bereits.

Nun scheinen sich einem Bericht der „Financial Times“ zufolge auch die führenden Investmenthäuser der Wall Street auf einen Kollaps der US-Staatsfinanzen vorzubereiten. Noch ist völlig unklar, was im Falle eines Scheiterns der Erhöhung der Schuldenobergrenze passieren würde. Wahrscheinlich würde dies zu einem Vertrauensverlust in die amerikanische Politik führen und die wirtschaftliche Entwicklung weiter zurückwerfen. Die amerikanischen Geldhäuser treffen der „FT“ zufolge demnach bereits Vorsorgemaßnahmen, um im Ernstfall im August massiv US-Staatsanleihen abstoßen zu können. Mit dem Verkauf von Staatsanleihen wolle man die Abhängigkeit des eigenen Geschäfts von Staatsanleihen verringern. „Wir arbeiten an einem Notfallplan, der zum einen die Möglichkeit vorsieht, sich verstärkt aus Staatsanleihen zurückziehen zu können“, sagte ein Bankenchef der „FT“ zufolge. Dies würde die USA noch tiefer in die Krise stürzen, da damit die Refinanzierungskosten in absehbarer Zeit weiter in die Höhe getrieben werden würden. Dies alles deutet darauf hin, dass nun auch die ersten großen Finanzmarktteilnehmer eine Insolvenz der größten Wirtschaftsmacht der Welt nicht mehr für ausgeschlossen halten.

Foto: © pixabay

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