Wein, Diamanten, Briefmarken und Violinen

Weinkeller mit edlen Weinen

Nach den Kategorien Kunst, Lego und Oldtimer in AnlegerPlus Ausgabe 06/2020 geht es im vierten und letzten Teil unserer Sachwerteserie um die Sammlerstücke Wein, Diamanten, Briefmarken und Violinen.

Die Liste potenzieller Sammlerstücke lässt sich neben den nachfolgenden Themen weiter fortsetzen. In Studien untersucht wurden auch seltene Bücher, Schallplatten, Münzen und Whiskey. Für alle gilt grundsätzlich, dass Expertenwissen notwendig ist, um einzelne Investments einzuschätzen, und die Renditen vor allem vom Seltenheitswert der Stücke abhängen.

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Wein

In ihrer Studie „The Price of Wine“ (2015) zeigten Elroy Dimson, Peter Rousseau und Christophe Spaenjers, dass junge Qualitätsweine, die sich noch im Reifeprozess befinden, die höchsten Renditen erzielen, während die wirklich berühmten Weine eher Liebhaberei sind. Die Forscher ermitteln für den Zeitraum von 1900 bis 2012 eine reale Rendite von 4,1 % pro Jahr und verweisen auf eine Untersuchung von Barclays, nach der etwa 25 % aller Superreichen eine Weinsammlung haben, die im Durchschnitt rund 2 % derer Vermögen ausmacht. In diesen Kreisen gehören Weininvestments fast schon zum guten Ton. Hier kommt der Liebhabergedanke ins Spiel: Selbst Weine, die ihren gastronomischen Wert verloren haben, erfüllen ihre Besitzer oft mit Stolz und verbleiben in den Sammlungen.

Eine jüngere Untersuchung („Fine Wine as an Investment“) ermittelt für den Zeitraum von 1988 bis 2018 eine reale Rendite von 5,6 %. Die Autorin Jari Sara zeigt dabei die statistisch signifikante Inflationsabsicherung von Weininvestments sowie den aufgrund der niedrigen Korrelation deutlichen Diversifikationseffekt in klassischen Portfolios. Doch Vorsicht: Mitunter fallen sogar Profis auf Fälschungen, insbesondere umgefüllte Weinflaschen, herein. Und die Lagerung muss fachmännisch erfolgen.

Diamanten

Die Autoren Dimson und Spaenjers sprechen in ihrer 2015er-Studie „The Investment Performance of Art and other Collectibles“ von langfristigen Renditen für Diamanten im Bereich des Geldmarktzinses. Im direkten Vergleich sind dem 2016 erschienen Paper „Diamonds vs. Precious Metals: What Shines Brightest in Your Investment Portfolio?“ zufolge allerdings Edelmetalle die profitablere Alternative. Zudem sind Diamanten als Investments durchaus umstritten (Stichwort Blutdiamanten), auch wenn das jeweilige Einzelstück nachweislich „sauber“ ist.

Briefmarken

Die 2015er-Studie von Dimson und Spaenjers zeigte, dass britische Briefmarkensammlungen im Zeitraum von 1900 bis 2008 zwar eine jährliche Rendite von 7 % (real: 2,9 %) brachten, Briefmarken aber – obwohl es keine Crashs gab – dafür ein Viertel aller Jahre nur Renditen zwischen 0 % und 1 % aufwiesen, was real einem Wertverlust entspricht. Für Wertsteigerungen ist vor allem eine niedrige Auflage entscheidend.

Der Markt ist bei höheren Preisen illiquider, wobei teure Einzelstücke die höchsten Renditen abwerfen. Das beste Beispiel dafür ist die British Guiana Magenta 1-Cent-Marke, die seit dem Jahr 2014 mit rund 7 Mio. Euro die teuerste Briefmarke der Welt ist. Zu berücksichtigen sind jedoch hohe Transaktionskosten bei Auktionen, die in der Vergangenheit durchaus 25 % betragen konnten. Neben dem Aspekt Fälschungen brennt noch eine andere Frage unter den Nägeln: Wer hätte vor 150 Jahren wohl gedacht, dass eine Briefmarke mal Millionen wert sein könnte? Oder umgekehrt: Was, wenn alte Briefmarken in 50 Jahren niemanden mehr interessieren? Laut Dimson und Spaenjers ist das Durchschnittsalter der Briefmarkensammler zwischen 1982 und 2007 von 44 auf 63 Jahre gestiegen – das könnte ein Warnsignal sein.

Violinen

Violinen gelten als Investment, da Faktoren wie Design & Handwerkskunst, eine lange Historie sowie der hervorragende Klang gut erhaltener Instrumente wertsteigernd wirken. Zum Beispiel erzielte eine sehr gut erhaltene Stradivari im Jahr 2011 einen Preis von fast 10 Mio. Pfund. Dimson und Spaenjers zeigten, dass Violinen seit 1900 im Mittel eine reale Rendite von 2,5 % pro Jahr aufwiesen. Die Studie „Fiddling with Value: Violins as an Investment?“ von Kathryn Graddy und Philip Margolis ermittelte eine jährliche reale Rendite von 3,5 % für den Zeitraum von 1850 bis 2008.

Fazit der Sachwertserie

Insgesamt lässt sich die Geldanlage in Sachwerte mit „realistisch bleiben“ zusammenfassen – realistisch in Bezug auf die eigene Fachkenntnis, die zu erwartenden Renditen und den notwendigen Zeithorizont. Außerdem: Wenn wegen Bargeldbedarfs schnell verkauft werden muss, sind hohe Abschläge zu erwarten. Deshalb sollte sich die langfristige Geldanlage vorrangig auf Aktien konzentrieren, die historisch betrachtet die besten Renditen brachten, wie die Grafik zeigt.

Foto: © sl-f – istockphoto.com

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