Nicht investiertes Cash im Portfolio lässt sich (vorübergehend) in geldmarktnahen ETFs parken. Dabei lohnt sich ein genauerer Blick. Denn die scheinbar funktionsgleichen Fonds haben nennenswerte Renditeunterschiede.
- Sondervermögen schlägt Cash: Geldmarktnahe ETFs bieten im Gegensatz zu Broker-Konten eine automatische Anpassung an den EZB-Einlagezins und sind als insolvenzfestes Sondervermögen geschützt.
- 18 Basispunkte Vorsprung: Im direkten Vergleich erzielte der Amundi Smart Overnight Return ETF seit Jahresbeginn 0,92 % Rendite, während der Xtrackers EUR Overnight Rate Swap ETF nur um 0,74 % zulegte.
- Millionen-Differenz für Anleger: Hochgerechnet auf das Fondsvolumen geht es bei dieser Differenz (0,18 %) um viel Geld – den Anlegern im 21,9 Mrd. Euro schweren Xtrackers-ETF entgehen dadurch fast 40 Mio. Euro.
- Aktien-Hebel als Rendite-Treiber: Der Amundi-ETF nutzt regulatorisch teure Aktien statt Anleihen im Swap-Trägerportfolio. Die Banken geben die dadurch realisierte Eigenkapital-Ersparnis als Prämie an den ETF weiter.
- Das latente Swap-Risiko: Die Überrendite ist nicht garantiert. Im unwahrscheinlichen Fall eines Banken-Ausfalls erhalten Anleger den Aktienkorb statt geldmarktnaher Anleihen, was das Risikoprofil leicht erhöht.
Die wenigsten Anleger sind stets voll investiert. Viele halten eine mehr oder weniger hohe Cashquote, sei es für unvorhersehbare Ausgaben oder um auf einen günstigen Zeitpunkt zum Einstieg in das nächste Investment zu warten. Doch auch Cash sollte zumindest einen kleinen Zins abwerfen. Wichtig ist dabei, dass das Geld möglichst täglich verfügbar bleibt für den Fall, dass es plötzlich gebraucht wird. Deshalb ist klassisches Festgeld mit langen Laufzeiten ungeeignet. Die Verrechnungskonten der meisten Broker bieten ebenfalls keine akzeptable Verzinsung. Geldmarktnahe ETFs, deren Renditen sich automatisch mit dem EZB-Einlagezins mitbewegen, sind eine gute Alternative. Anders als Cash besitzen sie zudem den Status als insolvenzfestes Sondervermögen.
Amundi schlägt Xtrackers bei Geldmarkt-ETFs
Allerdings sind die Produkte verschiedener Anbieter nicht so deckungsgleich, wie man vermuten könnte. Das zeigt ein Vergleich zweier milliardenschwerer Geldmarkt-ETFs. Seit Jahresbeginn baut der Amundi Smart Overnight Return ETF (LYX0WM) einen wachsenden Renditevorsprung zum Xtrackers EUR Overnight Rate Swap ETF (DBX0AN) auf.
In diesem Zeitraum stieg der Xtrackers ETF um 0,74 %, während der Amundi ETF von um 0,92 % zulegte. In den fünf Monaten betrug die Differenz also 18 Basispunkte.
Absolut betrachtet mag das wenig sein. Doch es handelt sich um Produkte am untersten Ende des Renditespektrums. Hochgerechnet auf das gesamte Fondsvolumen des Amundi ETF von zuletzt 19,3 Mrd. Euro entsprechen 18 Basispunkte immerhin fast 35 Mio. Euro. Im Xtrackers ETF stecken sogar 21,9 Mrd. Euro. Wenn Anlegern hier 18 Basispunkte entgehen, sind das fast 40 Mio. Euro.
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Das Geheimnis der Überrendite
Doch woher kommt diese Differenz? Schließlich beziehen sich beide ETFs auf die Euro Short-Term Rate (€STR), thesaurieren ihre Erträge und haben die gleiche Total Expense Ratio (0,1 %). Entscheidend seien die Trägerportfolios der Swap-Partner für den ETF, sagt Arne Scheehl, Chef der Produktentwicklung für ETFs und Indexlösungen bei Amundi in Deutschland und Österreich. Diese sind bei geldmarktnahen Overnight-ETFs in der Regel mit Anleihen bestückt. Nicht so beim Amundi Smart Overnight ETF. Dort sind fast nur Aktien enthalten. Die Konstruktion ermöglicht in Verbindung mit dem Total Return Swap eine attraktive Renditechance.
Dazu muss man wissen, dass Aktien für die Banken, die als Swap-Partner für den ETF agieren, aus regulatorischer Sicht wesentlich teurer sind als Anleihen. Denn als Risiko-Assets müssen Aktien mit höheren Eigenmitteln hinterlegt werden. Indem Banken einen Aktienkorb als Trägerportfolio nutzen, können sie sich dessen regulatorisch vorübergehend entledigen. So wird das dadurch gebundene Eigenkapital frei und kann für andere Zwecke verwendet werden. Die Bank optimiert durch die Auslagerung also die Auslastung ihres Eigenkapitals. Einen Teil davon gibt sie als Renditeprämie dem ETF weiter. Da Amundi mehrere Swap-Kontrahenten hat, entspricht die erzielte Prämie dem gewichteten Durchschnitt der Zusatzerträge der einzelnen Partner.
Höhere Rendite, höheres Risiko?
Doch die Überrendite des Amundi Smart Overnight ETF zur €STR ist nicht garantiert. Denn die Prämie schwankt mit der Zeit je nachdem, wie stark die einzelnen Banken gerade auf die Entlastung ihres Eigenkapitals angewiesen sind. Im schlimmsten Fall könnten die Zusatzerträge ganz verschwinden. Außerdem wird die höhere Rendite durch ein gewisses Risiko erkauft: Im sehr unwahrscheinlichen, aber möglichen Extremszenario, dass ein Swap-Partner ausfällt, würden Anleger die Aktien aus dem Trägerportfolio erhalten. Das wäre dann nicht gerade ein geldmarktnahes Investment. Bei klassischen geldmarktnahen ETFs würde man dagegen Anleihen erhalten, was der Sache schon deutlich näherkommt. So etwa beim „normalen“ Amundi EUR Overnight Return ETF, der keine Zusatzerträge erzielt und sich deshalb fast 1:1 zum Xtrackers ETF entwickelt.
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