Business-Test: Gemeinsam lässt sich leichter lügen

Börsenbär und Bulle

Würfel: Ehrlichkeit von Menschen im Test (Foto: Günther Gumhold, pixelio.de)pressetext.redaktion

München (pte019/18.09.2017/11:30) – Sobald Menschen in Gruppen, wie beispielsweise in Unternehmen, Entscheidungen gemeinsam fällen, weicht die Norm der sonst redlichen Ehrlichkeit nachweislich auf. Das zeigt eine Studie um Martin G. Kocher, Simeon Schudy und Lisa Spantig von der Universität München (LMU) http://www.uni-muenchen.de , die im Magazin „Management Science“ veröffentlicht wurde.

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Feedback weicht Normen auf

„Unser Ergebnis ist eindeutig: Menschen lügen seltener, wenn sie alleine entscheiden“, sagt Martin Kocher, Inhaber des Lehrstuhls für Verhaltensökonomik an der LMU sowie Leiter des Instituts für Höhere Studien in Wien. Das gilt auch für jene Teilnehmer, die sich zuvor in einer Einzelentscheidung ehrlich verhalten haben. Der Grund für diesen „dishonesty shift“, wie die Forscher das Phänomen nennen, ist, dass sich die Mitglieder einer Gruppe über ihre Normvorstellungen und die Argumente dafür und dagegen austauschen.

„Es liegt am Feedback. In Gruppen stimmen die Mitglieder ihre Vorstellungen, was richtig ist und was nicht, aufeinander ab. Dadurch gelingt es den einzelnen Beteiligten eher, die Norm umzuinterpretieren, als wenn sie allein entscheiden müssten“, erläutert Lisa Spantig, Laborleiterin und Doktorandin am Lehrstuhl, den Prozess. Wie die Studie auch zeigt, gehen die Teilnehmer nach solchen Gruppenprozessen eher davon aus, dass andere auch lügen und verhalten sich dann entsprechend.

Würfelspiel mit 273 Probanden

Die Wissenschaftler haben 273 Studienteilnehmer in einem Laborexperiment aufgefordert, ein Video eines Würfelwurfs zu beobachten und anschließend die Würfelzahl zu nennen. Je höher die genannte Augenzahl, desto höher war eine dafür versprochene Gratifikation. Es bestand also ein Anreiz, die Unwahrheit zu sagen, nämlich eine möglichst hohe Zahl, zu nennen. Die Aufgabe wurde sowohl einzelnen Probanden, die alleine entschieden, als auch Probanden, die sich über ihr Ergebnis in einem anonymen Gruppenchat abstimmten, gestellt.

Für Unternehmen könnte eine Lehre aus den Ergebnissen sein, auf solche möglichen unerwünschten Teamprozesse besonders zu achten. „Es ist auffallend, dass in den großen Wirtschaftsskandalen meist Gruppen unrecht gehandelt haben“, sagt Spantig. Die Forscher empfehlen einen Ethik-Kodex einzuführen: „Um die Erosion wesentlicher Normvorstellungen und ehrlichen Verhaltens in Gruppen zu verhindern, sollten Firmen starke Verhaltensregeln aufstellen und überprüfen“, erläutert Assistenzprofessor Simeon Schudy abschließend.

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