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China-Handel: Defizit steigt 2026 auf Rekord über 100 Mrd. €
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China-Handel: Deutschlands Handelsbilanzdefizit wächst

16.10.2026

3–4 Minuten

Thomas G. Wunder

Die Skyline von Shanghai.

Das deutsche Handelsbilanzdefizit mit China dürfte 2026 erstmals auf mehr als 100 Mrd. Euro steigen. Seit 2019 hat es sich damit mehr als versiebenfacht, zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Vor allem die Automobilbranche, der Maschinenbau und die Elektroindustrie stehen unter Druck. 

💡 Key Takeaways: Rekorddefizit im China-Handel 2026
  • Historisches Rekorddefizit: Das deutsche Handelsbilanzdefizit mit China steigt 2026 erstmals auf über 100 Mrd. Euro – eine Versiebenfachung seit 2019.
  • Automobilsektor bricht ein: Der deutsche Autohandel verliert seinen Überschuss von 23 Mrd. Euro (2019) durch einen Export-Einbruch um über 50 % bei zeitgleich +475 % Importzuwachs.
  • Maschinenbau kippt ins Minus: Der Schlüsselbereich Maschinenbau rutscht von fast 10 Mrd. Euro Überschuss (2019) erstmals ab auf rund 1 Mrd. Euro Defizit.
  • Forderung nach Ausgleichszöllen: Das IW fordert rasche EU-Schutzmaßnahmen gegen Chinas Währungsverzerrungen und Subventionen für fairen Wettbewerb.

Im ersten Halbjahr 2026 importierte Deutschland laut IW-Studie fast zweieinhalbmal so viele Waren aus China, wie es dorthin exportierte. Wenn sich der Trend im zweiten Halbjahr fortsetzt, wird das Handelsbilanzdefizit im Gesamtjahr auf einen neuen Rekordwert von mehr als 100 Milliarden Euro steigen, wie eine IW-Analyse zeigt.  

Im September legten die chinesischen Exporte um 36, % im Vergleich zum Vorjahresmonat zu, wie die Zollbehörde in Peking mitteilte. Die Importe stiegen um 31 %. Analysten hatten ein Exportwachstum von nur 25 % und ein Importwachstum von 24,5 % prognostiziert. 

Die Exporte in die USA stiegen um 40,0 %, in die EU um 25,3 % – und nach Deutschland sogar um 31,4 %. 

China kam im September insgesamt auf einen Handelsüberschuss von 133,53 Mrd. Dollar. In den ersten neun Monaten des Jahres summiert sich der Überschuss bereits auf 938,11 Mrd. Dollar. 

Autoindustrie, Elektrobranche und Maschinenbau unter Druck

Angetrieben wird das wachsende deutsche Handelsbilanzdefizit mit China vor allem von drei Schlüsselbranchen.

Die Automobilindustrie trug im ersten Halbjahr mit fast 24 % am stärksten zum wachsenden Gesamtdefizit bei, das gegenüber 2019 um etwa 90 Mrd. Euro höher ausfallen dürfte. 

Die IW-Forscher gehen davon aus, dass der damalige Überschuss im deutschen Autohandel von mehr als 23 Milliarden Euro in diesem Jahr nahezu verschwinden dürfte. Denn die Exporte brechen in diesem Jahr gegenüber 2019 um schätzungsweise über 50 % ein. Die Einfuhren chinesischer Autos und Autoteile steigen dagegen voraussichtlich um mehr als 475 %.

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Auf die Elektroindustrie entfällt mit rund 30 Mrd. Euro etwa ein Drittel des Defizit-Zuwachses. Treiber sind vor allem elektrische Ausrüstungen: Hier dürfte sich das Defizit seit 2019 auf mehr als 24 Mrd. Euro verfünffachen.

Aus einem Überschuss von fast 10 Mrd. Euro im Maschinenbau im Jahr 2019 wird 2026 wohl erstmals ein Defizit – in Höhe von schätzungsweise gut 1 Mrd. Euro. Die Handelsbilanz der Branche verschlechtert sich damit um rund 11 Mrd. Euro.

Energieintensive Branchen wie Chemie, Papier, Glas und Metalle tragen zusammen nur rund 4 Mrd. Euro bei. Hohe Energiekosten erklären die Entwicklung also nur zu einem kleinen Teil – anders als oft behauptet.  

IW fordert Ausgleichszölle

Der Umbruch im Chinahandel trifft die tragenden Säulen der deutschen Industrie. Gründe sind neben Chinas technologischem Aufholen massive systemische Wettbewerbsverzerrungen wie hohe Subventionen und eine stark unterbewertete Währung. „Neben heimischen Reformen braucht es daher breite und zügig umsetzbare Ausgleichszölle. Deshalb sollte der Europäische Rat die Kommission auffordern, so schnell wie möglich ein solches neues handelspolitisches Instrument zu entwickeln.“, sagt IW-Außenhandelsexperte Jürgen Matthes. „Das ist kein Protektionismus, sondern sorgt für faire Wettbewerbsbedingungen.“

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Foto: © Li Yang auf Unsplash

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