Die Politik bestimmt weiter die Weltbörsen. Die jüngste Eskalation im Nahen Osten zeigt mit brutaler Klarheit, wie eng geopolitische Entscheidungen und ökonomische Stabilität international miteinander verwoben sind. Der planlos wirkende Angriff Donald Trumps auf den Iran hat eine Kettenreaktion ausgelöst, die weit über die Region hinausreicht und die globale Wirtschaft in einen neuen Krisenmodus zwingt.
- Geopolitisches Risiko: Die Eskalation im Nahen Osten treibt die Energiekosten sprunghaft nach oben und gefährdet die Stabilität von 100 % der energieabhängigen Schwellenländer.
- Geldpolitisches Dilemma: Zentralbanken stehen vor einem Konflikt zwischen Inflationsbekämpfung und Rezessionsvermeidung, was bei klassischen Zinsprodukten zu einer Realrendite von unter 0 % führt.
- Staatsanleihen-Check: Aufgrund der historisch hohen Staatsverschuldung verlieren klassische Anleihen ihre Funktion als Krisenschutz.
Dabei hätte die Reaktion Teherans kaum überraschen dürfen. Angriffe auf Ölanlagen, Drohungen einer Blockade der Straße von Hormus, all das gehört seit Jahren zum bekannten Repertoire iranischer Abschreckungspolitik. Wer in dieser Lage militärisch eskaliert, muss die wirtschaftlichen Konsequenzen mitdenken. Genau das scheint in Washington aber versäumt worden zu sein. Die Folge sind sprunghaft steigende Öl- und Gaspreise. Das setzt nicht nur die Industriestaaten unter Druck, sondern kann vor allem energieabhängige Schwellenländer in existenzielle Krisen stürzen.
Viele Volkswirtschaften sehen sich derzeit einer gefährlichen Mischung aus steigenden Kosten, wachsender Unsicherheit und sinkender Investitionsbereitschaft ausgesetzt. Unternehmen verschieben Projekte, Konsumenten halten ihr Geld zusammen. Alles Zutaten für eine sich abschwächende Konjunktur. Gleichzeitig gerät die europäische Notenbank in ein kaum lösbares Dilemma: Die Wirtschaft braucht dringend niedrige Zinsen, um nicht in eine Rezession abzurutschen. Doch die durch Energiepreise angeheizte Inflation zwingt sie eigentlich zu einem restriktiveren Kurs.
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Dieses Spannungsfeld bringt die Geldpolitik an ihre Grenzen. Zinssenkungen könnten die Inflation weiter befeuern, Zinserhöhungen hingegen die ohnehin fragile Konjunktur zusätzlich belasten. Die Märkte reagieren entsprechend nervös und die Aktienkurse werden immer volatiler.
Sollte der Krieg im Nahen Osten noch länger andauern oder gar Öl- und Gasexporte aus der Region absehbar dauerhaft unterbleiben, droht uns sogar eine Weltwirtschaftskrise. Für Anleger ein schwieriges Umfeld. Denn aufgrund der bereits hohen Staatsverschuldung kommen Staatsanleihen als alternative langfristige Vermögensanlage in unruhigen Zeiten kaum mehr infrage. Auch hier droht mittelfristig Ungemach. Und aufgrund steigender Inflationsraten ist gleichzeitig mit einer negativen Realrendite zu rechnen. Als Alternative sollte daher auf inflationsgeschützte Produkte zurückgegriffen werden.
Anleger brauchen also jetzt und vermutlich auch in den kommenden Wochen gute Nerven. Den Menschen im Iran sowie allen Kriegsgebieten im Nahen Osten ist ein schnelles Kriegsende zu wünschen.
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