Während der „EU Chips Act“ die Souveränität Europas sichern soll, zeichnet die Realität in der Forschung ein anderes Bild: Europa verliert im globalen Wettlauf um Halbleiterpatente massiv an Boden. Eine aktuelle Analyse von EconPol Europe zeigt, dass die Innovationsführerschaft längst in Asien liegt.
- Globaler Abstieg: Der Anteil der EU an weltweiten Halbleiterpatenten ist massiv von ursprünglich 13,3 % auf nur noch 8,3 % eingebrochen.
- Asiatische Dominanz: Japan führt den Markt mit 35 % der Patente an, gefolgt von den USA (18 %) und dem stark wachsenden Südkorea (15 %).
- Chinas Expansionskurs: China hat seine Patentkraft fast ver-40-facht – von 0,8 % Marktanteil zur Jahrtausendwende auf zuletzt 17,6 %.
- Forschungs-Lücke: Deutschland liegt mit 5,6 % der Patente zwar auf Rang 6, verliert aber ohne verstärkte asiatische Kooperationen den globalen Anschluss.
Eine aktuelle Analyse des Ifo-Instituts und EconPol Europe warnt eindringlich davor, dass Europa in der globalen Halbleiterforschung zunehmend den Anschluss an die asiatische Konkurrenz verliert. Während die Forschung und Entwicklung von Computerchips immer stärker außerhalb des europäischen Kontinents stattfindet, zeigen die Auswertungen von Halbleiterpatenten zwischen 2000 und 2021 eine deutliche Dominanz Japans mit 35 %, gefolgt von den USA mit 18 % und Südkorea mit 15 %.
Die gesamte Europäische Union kommt im Vergleich dazu nur noch auf einen Anteil von etwa 10 %. „Zu Beginn der 2000er Jahre lag die EU in der Halbleiterforschung noch vor Taiwan und China. Allerdings haben die asiatischen Staaten seitdem deutlich zugelegt, während die Patentanmeldungen in Europa zurückgegangen sind“, sagt Ifo-Forscher Oliver Falck.
Halbleiterpatente: Deutschland fällt zurück
Deutschland belegt mit 5,6 % der weltweiten Patente inzwischen einen Platz hinter Taiwan und China, wobei sich die globale Forschung insgesamt auf nur 20 Länder konzentriert. Zwar sollte der EU Chips Act die europäische Souveränität und Wettbewerbsfähigkeit eigentlich stärken, doch kritisiert Falck, dass bisher zu wenige Mittel direkt in die Forschung geflossen sind. Um den Anschluss nicht endgültig zu verlieren, müsse Europa nicht nur mehr investieren, sondern vor allem die internationale Zusammenarbeit mit asiatischen Partnern deutlich ausbauen.
Top-Analysen, exklusive Tipps & Markttrends – unabhängig und praxisnah.
24-mal im Jahr fundierte Börsenanalysen
Hohe Dynamik in Asien
Die Dynamik in Asien wird besonders am Beispiel Chinas deutlich, das seinen Anteil an den Halbleiterpatenten ausgehend von einem niedrigen Niveau fast ver-40-facht hat – von 0,8 % zu Beginn der 2000er Jahre auf zuletzt 17,6 %. Auch Südkorea konnte seine Patentanzahl im gleichen Zeitraum verdreifachen.
Im Gegensatz dazu verlor Europa massiv an Boden und rutschte von einem ursprünglichen Anteil von 13,3 % auf lediglich 8,3 % ab. Erschwerend kommt hinzu, dass Europa trotz der positiven Entwicklung in Fernost bisher unterproportional wenig mit asiatischen Ländern kooperiert, wenn man die Zahl gemeinsamer Patente betrachtet. Die Studie basiert auf der PATSTAT-Datenbank des Europäischen Patentamtes und umfasst über 2,5 Millionen Anmeldungen aus den Bereichen Chip-Architektur, Produktionsprozesse und Materialien.
Die Kapital Medien GmbH, der Verlag der Finanzzeitschriften AnlegerPlus, AnlegerPlus News und AnlegerLand ist eine 100-%-Tochter der SdK Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e.V.
Foto: © Dan Williams auf Pixabay





