Als börsennotierte Industriebeteiligungsgesellschaft mit Sitz in Bergisch Gladbach investiert die INDUS Holding AG langfristig in überwiegend inhabergeführte mittelständische Industrieunternehmen.
- Operativer Turnaround bestätigt: Im Q3 2025 stieg das Ergebnis je Aktie auf starke 1,33 Euro, was die Effektivität des aktiven Beteiligungsmanagements unterstreicht.
- Attraktive Bewertung: Bei einem aktuellen Kurs von ca. 32 Euro und einem erwarteten EPS von 3,40 Euro für 2025 ergibt sich ein günstiges KGV von nur 9,4.
- Ambitionierte Wachstumsziele: Bis 2030 strebt das Management einen Konzernumsatz von 3 Mrd. Euro und eine Verdopplung des bereinigten EBITA auf 330 Mio. Euro an.
Im Dezember haben wir die im SDAX gelistete INDUS-Aktie bei Kursen um 27 Euro in die AnlegerPlus Nebenwerteliste aufgenommen. Nun folgt ein ausführlicherer Überblick über die Beteiligungsgesellschaft, die seit 1989 in sogenannte Hidden Champions des Mittelstands investiert. Das aktuelle Portfolio ist in die drei Segmente Engineering, Infrastructure und Materials Solutions gegliedert und umfasst mehr als 40 Tochter- und Beteiligungsgesellschaften.
Im Geschäftsjahr 2024 erzielte die Gruppe rund 1,7 Mrd. Euro Umsatz und beschäftigte etwa 8.800 Mitarbeiter. Die unter CEO Johannes Schmidt verfolgte Strategie „Empowering Mittelstand“ setzt auf organisches Wachstum. Darüber hinaus spielen synergetische Zukäufe sowie die weitere Internationalisierung eine zentrale Rolle. Operativ zeigen die jüngsten Kennzahlen einen gelungenen Turnaround.
INDUS Holding: Unternehmensstruktur
INDUS agiert als Beteiligungsgesellschaft mit operativ eigenständigen Tochterunternehmen. Diese Struktur erlaubt gezielte Zukäufe, die das bestehende Portfolio ergänzen und strategisch abrunden. Ein Beispiel ist der Erwerb der Gestalt Automation GmbH im Jahr 2024, deren KI-gestützte Bildverarbeitung und Roboterautomation zur Effizienzsteigerung industrieller Produktionsprozesse beiträgt. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt fünf weitere Akquisitionen umgesetzt.
Schwerpunkte des Beteiligungsportfolios liegen unter anderem in der Metall- und Maschinentechnik. Zu den größeren Gesellschaften zählen BETEK mit Hartmetall-Werkzeugen sowie Hauff-Technik im Bereich Dichtungssysteme und REMKO in der Wärmetechnik. Darüber hinaus reicht das Beteiligungsspektrum von Industrieautomation und Umwelttechnik bis hin zu spezialisierten Anwendungen in der Bau- und Medizintechnik. Insgesamt konsolidiert INDUS mehr als 200 Teilunternehmen.
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Das Grundkapital der Gesellschaft verteilt sich auf rund 25,8 Millionen Aktien, nachdem im Frühjahr 2025 im Rahmen eines Aktienrückkaufprogramms etwa 1,1 Millionen Aktien eingezogen wurden. Jede Aktie gewährt die gleichen Rechte, es gibt keine Vorzugsaktien oder Aktien mit besonderen Stimmrechtsregelungen. INDUS hält rund 3,5 % der eigenen Anteile. Der verbleibende Streubesitz ist breit verteilt. Mit einem Aktienpaket rund 10 % ist die Versicherungskammer Bayern der größte Einzelaktionär.
Geschäftsentwicklung
Die Geschäftsentwicklung von INDUS ist grundsätzlich konjunkturabhängig, was sich insbesondere im zuletzt leicht rückläufigen Umsatz widerspiegelt. Gleichzeitig gelang es der Holding durch aktives Beteiligungsmanagement und den Ausbau internationaler Aktivitäten, die Margenentwicklung vom schwachen konjunkturellen Umfeld zu entkoppeln. Im Frühjahr 2025 rechnete INDUS mit einem schwierigen Geschäftsjahr, ausgelöst durch chinesische Exportkontrollen beim wichtigen Vormaterial Wolframcarbid. Diese Lieferengpässe konnten durch die Gewinnung alternativer Zulieferer außerhalb Chinas sowie durch den zügigen Bau einer eigenen Anlage entschärft werden. Die damit verbundenen Investitionen belasteten das Ergebnis des zweiten Quartals jedoch einmalig.
Im dritten Quartal 2025 zeigte sich dann eine spürbare Verbesserung. Trotz weiterhin leicht rückläufiger Umsätze entwickelte sich der operative Gewinn in allen Segmenten positiv. Das Ergebnis je Aktie betrug starke 1,33 Euro und die Auftragseingänge lagen deutlich über dem Vorjahresniveau.
Auf dem Eigenkapitalforum Ende November ergab sich im persönlichen Austausch mit CFO Rudolf Weichert der Eindruck, dass die positive operative Entwicklung nicht auf Sondereffekte zurückzuführen ist. Vor diesem Hintergrund erscheint die positive Entwicklung des dritten Quartals 2025 möglicherweise fortschreibbar. Nicht fortschreibbar ist hingegen ein zusätzlicher Einmaleffekt im Finanzergebnis des Quartals. Zudem könnte die Marge im Segment Materials Solutions im Jahr 2026 um ein bis zwei Prozentpunkte zurückgehen. Bereinigt um diese Faktoren erscheint ein Ergebnis je Aktie von rund 1,00 Euro auf Quartalsbasis als realistisch. Mögliche Skalierungseffekte aus künftigem Umsatzwachstum sind dabei noch nicht berücksichtigt.
Das Management hält bisher an der Prognose für 2025 fest und rechnet weiterhin mit einem Umsatz von 1,70 bis 1,85 Mrd. Euro sowie einem bereinigten EBITA von 130 bis 165 Mio. Euro. Die Erfüllung der Prognose würde eine nachhaltige operative Stabilisierung untermauern wie auch das Ziel eines Konzernumsatzes bis 2030 von rund 3 Mrd. Euro. Das Wachstum soll zu gleichen Teilen aus Zukäufen und aus dem operativen Geschäft stammen. Beim bereinigten EBITA werden bis dahin 330 Mio. Euro angestrebt, was mehr als einer Verdopplung gegenüber der Prognose für 2025 entspricht.
Bewertung und Ausblick
INDUS bietet ein breit diversifiziertes Industrieportfolio. Die operative Entwicklung deutet auf eine Stabilisierung nach der konjunkturellen Schwächephase hin. Die Aktie notierte Ende Januar bei rund 32 Euro. Auf Basis der Prognose und des bisherigen Geschäftsverlaufs könnte für 2025 im Optimum am Ende ein Ergebnis je Aktie von rund 3,40 Euro stehen. Daraus errechnet sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 9,4. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis läge bei rund 1. Die zuletzt gezahlte Dividende belief sich auf 1,20 Euro je Aktie, was einer aktionärsfreundlichen Ausschüttungsquote von gut 50 % entsprach.
Setzt sich der im dritten Quartal 2025 erkennbare operative Turnaround in den kommenden Jahren fort, rückt die langfristige Zielsetzung bis 2030 stärker in den Fokus. Unter diesen Annahmen ließe sich aus heutiger Sicht ein deutlich höherer Unternehmenswert ableiten. Gleichzeitig bleibt der Entwicklungspfad anfällig für makroökonomische oder politische Rückschläge. Das Geschäft von INDUS ist zyklisch geprägt, insbesondere in den Bereichen Bau und Anlagenbau. Höhere Zinsen sowie protektionistische Tendenzen könnten einzelne Beteiligungen wie Energie- und Infrastrukturprojekte belasten. Anleger müssen daher die operative Entwicklung aufmerksam verfolgen.
Insgesamt bietet die Aktie bei erfolgreicher Umsetzung der strategischen Ziele ein attraktives Chancenprofil, verbunden mit den typischen Risiken eines zyklisch geprägten Industriekonzerns.
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