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Iran-Abkommen könnte deutsches Wirtschaftswachstum ankurbeln
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Iran-Abkommen könnte deutsches Wirtschaftswachstum ankurbeln

15.06.2026

3–4 Minuten

Thomas G. Wunder

Ein Panorama der Stadt Teheran mit Bergen im Hintergrund.

Eine Verlängerung des Waffenstillstands im Iran und die angekündigte Öffnung der Straße von Hormus könnten die Ölpreise spürbar senken. Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) würde das zu einem höheren Wirtschaftswachstum in Deutschland führen. 

💡 Key Takeaways: Wirtschaftswachstum durch Iran-Abkommen
  • Das 60-Dollar-Szenario: Fällt der Ölpreis auf 60 Dollar pro Barrel, prognostiziert das IW für Deutschland ein BIP-Plus von 0,1 % in 2026 und deutliche 0,8 % im Jahr 2027.
  • Deutschland als Profiteur: Dank starker globaler Verflechtung profitiert die deutsche Wirtschaft 2027 mit bis zu +0,8 % stärker als die EU (+0,7 %) und die Weltwirtschaft (+0,6 %).
  • Das 80-Dollar-Szenario: Selbst bei einem moderaten Rückgang auf 80 Dollar je Barrel generiert der Effekt im Jahr 2027 noch ein deutsches Wirtschaftswachstum von rund 0,4 %.
  • Verzögerte Normalisierung: Trotz geplanter Öffnung der Straße von Hormus werden jahrelange Reparaturen an iranischen Anlagen und das Auffüllen globaler Reserven die Preise vorerst hoch halten.

Sollte der Ölpreis ab dem dritten Quartal infolge der geopolitischen Entspannung auf 60 Dollar pro Barrel fallen, würde der Effekt auf das deutsche BIP bereits im Jahr 2026 ein leichtes Plus von 0,1 % bewirken. Für das Jahr 2027 zeigt die Modellierung einen deutlichen Zuwachs von bis zu 0,8 %. Ein solches Preisniveau von 60 Dollar war bereits zu Beginn des Jahres – noch ohne Berücksichtigung des Konflikts – prognostiziert worden.

Selbst wenn der Ölpreis nur auf 80 Dollar pro Barrel zurückgehen sollte, ergeben sich positive Impulse für die deutsche Wirtschaft. Während die Auswirkungen im laufenden Jahr 2026 in diesem Szenario kaum spürbar blieben, rechnet das Institut für das Jahr 2027 mit einer Steigerung des Bruttoinlandsprodukts um rund 0,4 %.

Deutschland profitiert überdurchschnittlich vom Iran-Abkommen

Im internationalen Vergleich gewinnt die deutsche Wirtschaft wegen ihrer intensiven Verflechtung mit dem globalen Markt stärker als der Durchschnitt der Europäischen Union oder der Weltwirtschaft. Bei einem Ölpreis von 60 Dollar erwartet das IW für die EU im Jahr 2027 ein Wachstumsplus von 0,7 %, während die Weltwirtschaft um 0,6 % zulegen könnte. Im 80-Dollar-Szenario wird für die EU und die globale Wirtschaft jeweils ein zusätzliches Wachstum von 0,3 Prozent prognostiziert.

Verzögerte Normalisierung und politische Risiken

Trotz der positiven Wachstumsaussichten dämpfen die Ökonomen Erwartungen an eine schnelle Entlastung. Die Weltwirtschaft wird voraussichtlich noch länger durch die Nachwirkungen des Konflikts belastet bleiben. Auch wenn die Straße von Hormus ab dem anstehenden Freitag wieder verlässlich geöffnet werden soll, wird die Rückkehr zum Normalbetrieb Zeit in Anspruch nehmen. Die Schäden an iranischen Förderanlagen, Terminals und Raffinerien zu beheben, könnte Jahre dauern. Zudem werden zahlreiche Staaten zunächst ihre Reserven auffüllen. Damit bleiben Nachfrage und Preisniveau vorerst hoch.

Zusätzlich darf an der langfristigen Stabilität des Abkommens gezweifelt werden. Der Iran behält de facto die Kontrolle über die strategisch wichtige Straße von Hormus. Die Erlaubnis, bereits während der laufenden Verhandlungen wieder Öl exportieren zu dürfen, stärkt die Position des Mullah-Regimes. Dass sich die US-Regierung unter Donald Trump auf diesen Deal eingelassen hat, führen Beobachter vor allem auf den innenpolitischen Druck zurück, dem der US-Präsident infolge der gestiegenen Energiepreise ausgesetzt ist.

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Foto: © Sajad Nori auf Unsplash

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