IWH-Insolvenztrend: Firmenpleiten 2025 auf 20-Jahres-Hoch – das müssen Anleger jetzt wissen

Ein Arbeiter, der mit einem Winkelschleifer arbeitet.

Wie das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) festgestellt hat, stieg die Zahl der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften in Deutschland im Dezember wieder deutlich an. Im Gesamtjahr 2025 gab es so viele Firmenpleiten wie seit 20 Jahren nicht mehr.

💡 Key Takeaways: IWH-Insolvenztrend 2025
  • Historischer Höchststand: Mit 17.604 Insolvenzen im Jahr 2025 markiert der IWH-Insolvenztrend den höchsten Stand seit 20 Jahren und übertrifft sogar das Krisenjahr 2009 um rund 5 %.
  • Massiver Jobverlust: Insgesamt waren 170.000 Arbeitsplätze von Pleiten betroffen, wobei das Verarbeitende Gewerbe mit 62.000 gefährdeten Stellen die Hauptlast trägt.
  • Strukturelle Krise: Die hohen Zahlen resultieren laut IWH nicht mehr aus Corona-Nachholeffekten, sondern spiegeln die harten ökonomischen Realitäten steigender Zinsen und gestrichener Subventionen wider.
  • Düsterer Ausblick: Die Frühindikatoren für das erste Quartal 2026 deuten auf eine Fortsetzung der Pleitewelle hin, was insbesondere für Zulieferketten in der Automobil- und Baubranche zum Risiko wird.

Die Zahl der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften in Deutschland liegt laut dem IWH-Insolvenztrend im Dezember bei 1.519. Das sind 17 % mehr als im November, 14 % mehr als im Dezember 2024 und 75 % mehr als in einem durchschnittlichen Dezember der Jahre 2016 bis 2019, also vor der Corona-Pandemie.

Im Gesamtjahr 2025 wurden in Deutschland 17.604 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften verzeichnet – der höchste Stand seit 2005. Selbst im Zuge der großen Finanzkrise 2009 lag die Zahl rund 5 % niedriger. Eine branchenspezifische Aufschlüsselung für insolvente Personen- und Kapitalgesellschaften wird vom Statistischen Bundesamt nicht veröffentlicht; entsprechende Daten werden vom IWH seit Januar 2020 erhoben. Insgesamt waren etwa 170.000 Arbeitsplätze von Insolvenzen betroffen. Wie bereits im Jahr 2024 entfiel auch 2025 der größte Anteil der betroffenen Arbeitsplätze auf das Verarbeitende Gewerbe mit rund 62.000 Jobs.

Deutschland steckt tief in der Krise

Laut Steffen Müller, Leiter der IWH-Insolvenzforschung, lassen sich die derzeit hohen Insolvenzzahlen nicht mehr durch Nachholeffekte aus der Pandemie und der jahrelangen Niedrigzinspolitik erklären. Extrem niedrige Zinsen sowie umfangreiche staatliche Hilfen hatten Insolvenzen zunächst über Jahre hinweg verhindert. Mit dem Zinsanstieg und dem Wegfall der Subventionen seien ab 2022 zwar Nachholeffekte ausgelöst worden. „Mittlerweile aber dürften die Nachholeffekte an Kraft verloren haben. Die aktuell hohen Insolvenzzahlen spiegeln immer deutlicher die gegenwärtigen wirtschaftlichen Herausforderungen in Deutschland wider“, sagt Müller. Insolvenzen seien aber auch ein normaler Bestandteil der Marktwirtschaft: Sie stellten notwendige Marktbereinigungen dar und schafften Raum für zukunftsfähige Unternehmen.

Top-Analysen, exklusive Tipps & Markttrends – unabhängig und praxisnah.

24-mal im Jahr fundierte Börsenanalysen

Jetzt Abo abschließen!

Das IWH erhebt Frühindikatoren, die dem Insolvenzgeschehen um zwei bis drei Monate vorauslaufen. Diese sind in den vergangenen Monaten kontinuierlich angestiegen. Auf Basis dieser Indikatoren erwartet Müller für das erste Quartal 2026 weiterhin sehr hohe Insolvenzzahlen.

Insolvenztrend als Warnsignal für Investoren

Die „Allianz Trade Insolvenzstudie“ warnt zudem davor, dass das Risiko von Dominoeffekten durch eine steigende Zahl großer Insolvenzen zunehme. Die Experten sehen drei kritische Schwachstellen, die die Widerstandsfähigkeit von Unternehmen auf die Probe stellen: Das weiterhin gedämpfte Wirtschaftswachstum, die teilweise angespannten Finanzierungsbedingungen sowie branchenspezifische Risiken durch Strukturwandel, technologische Umbrüche und einen verstärkten Wettbewerb – vor allem im Bau- und Automobilsektor. In den USA und der Eurozone dürfte das Wirtschaftswachstum voraussichtlich unter der Schwelle bleiben, die zur Stabilisierung der Insolvenzlage erforderlich ist.

Die Tatsache, dass die Insolvenzen das Niveau der Finanzkrise 2009 übertroffen haben, deutet auf tiefsitzende strukturelle Probleme hin. Da das Verarbeitende Gewerbe massiv getroffen ist, müssen Investoren hinterfragen, ob das Geschäftsmodell „Made in Germany“ (hohe Energiekosten, Fachkräftemangel, Bürokratie) für ihre Portfoliounternehmen noch tragfähig ist.

Die Kapital Medien GmbH, der Verlag der Finanzzeitschriften AnlegerPlusAnlegerPlus News und AnlegerLand ist eine 100-%-Tochter der SdK Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e.V.

Foto: © Janno Nivergall auf Pixabay

AnlegerPlus