Social Chain AG: Von Euphorie zu Trübsal

Social Chain

Kaum eine Aktie weckt so viele Emotionen wie die der Social Chain AG. Nach dem Zusammenschluss der zwei „Löwen“ Dr. Georg Kofler und Ralf Dümmel können Fans der Unterhaltungsshow „Höhle der Löwen“ gleich doppelt mitfiebern, als Fernsehzuschauer und als Aktionäre des Markenimperiums. Doch die Feierlaune zumindest aus Aktionärssicht ist erst einmal dahin.

Öffentlichkeitswirksam ließ die Social Chain AG am 12.11.2021 die Glocke an der Frankfurter Wertpapierbörse läuten, um das Uplisting in den Prime Standard zu zelebrieren. Erster offizieller Kurs: 54 Euro. Direkt im Anschluss sammelte die Gesellschaft 53 Mio. Euro zu einem Kurs von 46,40 Euro im Wege einer Kapitalerhöhung ein. Doch inzwischen – fünf Monate später – liegt der Kurs nur noch bei 16,20 Euro.

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Stimmung gekippt

Die Aktie der Social Chain AG reiht sich damit ein in die schwache Performance des gesamten Technologiesektors an der Börse seit Jahresanfang. Ein wesentlicher Grund dafür ist die Sorge, dass bei steigenden Zinsen die Refinanzierung für das eine oder andere stark wachsende, jedoch defizitär arbeitende Unternehmen zum Fallstrick werden könnte. Daher sind viele weitere Tech- und vor allem E-Commerce-Aktien weit von ihren alten Höchstkursen entfernt.

Zahlen, bitte!

Überteuert scheint die Social Chain AG mit einer Marktkapitalisierung von 250 Mio. Euro aktuell nicht zu sein. Laut den vorläufigen Zahlen erzielte das Unternehmen 2021 ein Umsatz von 620 Mio. Euro und ein bereinigtes EBITDA von 20 Mio. Euro. Das entspricht einem KUV von 0,4. Dabei konnte die Gesellschaft ihren Umsatz seit 2019 ungefähr um das 18-Fache steigern.

Doch bevor der Kapitalmarkt ein angemessenes KUV oder gar KGV gewährt, erwartet er einen transparenten Jahresabschluss. Den bleibt die Social Chain AG bisher schuldig. Wie genau sich der Umsatz darstellt – die Verteilung zwischen E-Commerce und Handelsmarken –, ist beispielsweise eine große Frage. Viele Investoren dürfte zudem interessieren, was von einem EBITDA von 20 Mio. Euro noch übrigbleibt, wenn das Wort „bereinigt“ gestrichen wird.

Viele Hausaufgaben

Für Irritation sorgte zuletzt außerdem die Mitteilung, dass der Anteil von Social Chain an der wertvollsten Konzernmarke, dem Food-Startup KoRo, im Rahmen einer Finanzierungsrunde deutlich reduziert wurde. Der „signifikante“ zweistellige Millionenbetrag dürfte zwar die Konzernkasse deutlich auffüllen, mit der verlautbarten Strategie, die Konzernmarken langfristig zu halten und damit zu einer Mini-LVMH zu werden, ist dies jedoch nur schwer zu vereinbaren.

Der weitere Weg des Unternehmens und damit der Aktie wird wohl maßgeblich davon geprägt sein, ob Transparenz einkehrt und das bestehende Umsatzniveau abseits von M&A-Transaktionen auch organisch gesteigert werden kann. Mehr dazu im folgenden Video.

Dieser Artikel stammt aus der aktuellen AnlegerPlus-News-Ausgabe 4/2022.

Foto: © SdK

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