Deutschlands umsatzstärkster Konzern Volkswagen steht an einem Wendepunkt. Während chinesische Autohersteller allein im Juni 2026 mehr als eine Million Fahrzeuge exportierten und ihre globale Expansion mit hoher Geschwindigkeit vorantreiben, verliert der Wolfsburger Autobauer nicht nur Marktanteile in China, sondern gerät zunehmend auch in seinen traditionellen Kernmärkten Europas unter Druck.
- Wettbewerbsdruck aus Fernost: Chinesische Hersteller setzten allein im Juni 2026 über 1 Million Export-Fahrzeuge um und verdrängen VW zusehends aus Schlüsselmärkten.
- Reformstau im Aufsichtsrat: Gegensätzliche Eigentümer-Interessen von Niedersachsen, Katar und den Familienaktionären blockieren notwendige Werksschließungen und Sparprogramme.
- Fehlende Corporate Governance: Das Durchsetzen von Partikularinteressen lähmt die Handlungsfähigkeit des Vorstands zum Wohl des Gesamkonzerns.
- Historische Warnung: Die Pleite von General Motors im Jahr 2009 beweist, dass Marktführerschaft und Unternehmensgröße allein keine Garantie gegen den Absturz sind.
Gleichzeitig kommt der dringend notwendige Konzernumbau kaum voran. Zwar wurden Einsparprogramme und Werksschließungen angekündigt, doch ihre Umsetzung scheitert immer wieder an den unterschiedlichen Interessen der maßgeblichen Anteilseigner im Aufsichtsrat. Das Land Niedersachsen blockiert Medienberichten zufolge den Abbau von Arbeitsplätzen und Werksschließungen. Katar lehnt eine Nutzung des Werks Osnabrück durch einen israelischen Rüstungshersteller ab. Und die Familienaktionäre haben bis heute kein erkennbares Interesse an einer schonungslosen Aufarbeitung des Dieselskandals gezeigt. Hier stellt sich ganz offen die Frage: warum?
Jeder dieser Standpunkte mag für sich genommen aus Sicht der Anteilseigner nachvollziehbar erscheinen. Doch in Summe lähmen sie die Handlungsfähigkeit des Unternehmens. Gute Corporate Governance bedeutet, dass Vorstand und Aufsichtsrat zum Wohl des Unternehmens handeln. Genau dieser Grundsatz droht bei Volkswagen verloren zu gehen, wenn die Aufsichtsräte vor allem die eigenen Interessen im Blick haben.
Alle Beteiligten sollten sich daher auch im eigenen Interesse vor Augen führen, dass Größe allein nicht vor wirtschaftlichem Niedergang schützt. Schließlich zeigt die Geschichte, dass selbst die größten Industrieunternehmen scheitern können. General Motors musste beispielsweise trotz seiner jahrzehntelangen Marktführerschaft 2009 Insolvenz anmelden.
Volkswagen verfügt weiterhin über starke Marken, technisches Know-how und erhebliche finanzielle Ressourcen. Doch ohne eine konsequente Neuausrichtung und ohne Anteilseigner, die bereit sind, ihre Einzelinteressen hinter das Wohl des Unternehmens zurückzustellen, könnten diese Stärken am Ende möglicherweise nicht ausreichen.
Es ist daher höchste Zeit, dass bei Volkswagen wieder die Zukunft des Unternehmens im Mittelpunkt steht und nicht die Partikularinteressen seiner Eigentümer.
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