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DIW-Konjunkturbarometer: Deutsche Wirtschaft stabilisiert sich auf niedrigem Niveau

Ein Hafen mit Frachtcontainern.

Das aktuelle Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) signalisiert für den Monat Juni eine leichte Entspannung. Trotz des moderaten Zuwachses verharren die Kernsektoren jedoch im Zustand der Stagnation – ein echter wirtschaftlicher Aufschwung lässt weiter auf sich warten.

💡 Key Takeaways: DIW-Konjunkturbarometer im Juni
  • Leichte Entspannung auf niedrigem Niveau: Der Index des DIW Berlin steigt im Juni von 94,8 auf 96,1 Punkte, verbleibt damit aber weiter unter der neutralen Wachstumsschwelle von 100 Punkten.
  • Einbruch bei Industrie-Aufträgen: Das verarbeitende Gewerbe verzeichnet ein Minus von 3,8 % bei den Auftragseingängen im Vergleich zum Vormonat – getrieben durch eine schwache Auslandsnachfrage.
  • Strukturelle Bremsklötze: Anhaltende Lieferengpässe, geopolitische Risiken und eine hartnäckig hohe Inflation verhindern einen echten, breiten Aufschwung der deutschen Wirtschaft.
  • Verzögerte Erholung: Wegen anhaltender Konsumflaute und stagnierendem Arbeitsmarkt rechnet das DIW mit spürbarem wirtschaftlichen Schwung frühestens gegen Jahresende.

Der Index des DIW Berlin stieg im Juni von 94,8 Punkten im Vormonat auf 96,1 Punkte. Damit bewegt sich das Barometer zwar wieder schrittweise auf die neutrale Marke von 100 Punkten zu, die ein durchschnittliches Wachstum der deutschen Wirtschaft markiert, bleibt aber nach wie vor darunter. Die minimale Aufhellung der Aussichten resultiert primär aus einer temporären Beruhigung im geopolitischen Konflikt zwischen den USA und dem Iran.

Dennoch ist das Marktumfeld weiterhin von hoher Unsicherheit geprägt. Die langfristigen Folgen des Energieschocks und anhaltende Engpässe in zentralen Lieferketten – beispielsweise bei Düngemitteln – belasten die globale Wirtschaft nachhaltig. Da zudem die Inflation auf erhöhtem Niveau verbleibt, wird die im Winter angedeutete Erholung der deutschen Wirtschaft spürbar ausgebremst. Einziger nennenswerter Stabilisator im ersten Quartal waren die fiskalischen Stimulierungspakete der Bundesregierung, die ein solides Wachstum des Bruttoinlandsprodukts stützten.

„Die Konjunktur beruhigt sich, aber sie zieht noch nicht an“, sagte Geraldine Dany-Knedlik, DIW-Konjunkturchefin. „Spürbar mehr Schwung erwarten wir erst zum Jahresende – und auch das nur, wenn die geopolitischen Risiken nicht erneut eskalieren und die fiskalischen Impulse tatsächlich in Investitionen münden.“

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Industrie verbleibt im Krisenmodus

Die Industrie bleibt das Sorgenkind. Der vorsichtige Optimismus zu Beginn des Jahres wurde durch den Ausbruch des Iran-Kriegs weitgehend zunichtegemacht; die Industrieproduktion stagniert auf niedrigem Niveau. Zwar sichert der bestehende Auftragsbestand die Produktion kurzfristig ab, die Nachfragedynamik bricht jedoch weg: Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe verzeichneten zuletzt einen Rückgang von 3,8 % gegenüber dem Vormonat, getrieben vor allem durch schwache Auslandsorders.

Parallel dazu stagniert der Einkaufsmanagerindex für die Industrie bei rund 50 Punkten exakt auf der Schwelle zwischen Wachstum und Kontraktion. Strukturell leidet die Exportwirtschaft unter dem schwachen globalen Handelswachstum und einer zunehmenden Entkopplung vom Weltmarkt. Gründe hierfür liegen in protektionistischen Tendenzen sowie dem verschärften Wettbewerb durch China. Graduelle Impulse werden in den kommenden Monaten allenfalls durch staatliche Nachfrageprogramme im Verteidigungsbereich erwartet – ein breiter Aufschwung ist laut DIW-Expertin Laura Pagenhardt derzeit nicht in Sicht.

Konsumschwäche bremst Dienstleistungssektor

Auch auf der Konsumseite zeigt sich ein verhaltenes Bild. Die Einzelhandelsumsätze stagnieren seit Monaten auf einem schwachen Niveau. Die Stimmung der Verbraucher ist von anhaltendem Pessimismus geprägt. Zeitweise steigende Kraftstoffpreise, die maue gesamtwirtschaftliche Entwicklung und ein stagnierender Arbeitsmarkt belasten das Konsumklima.

Die Frühindikatoren liefern hierzu widersprüchliche Signale: Während sich das GfK-Konsumklima jüngst minimal stabilisieren konnte, sank der Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungsbereich erneut. Folglich ist aus dem Dienstleistungssektor vorerst nur mit einer sehr verzögerten Unterstützung für die Gesamtwirtschaft zu rechnen.

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