Von Matthias Krapp, ABATUS
Ein starker Januar macht Schlagzeilen – aber selten ein gutes Depot. Warum Börsenregeln wie das Januar-Barometer ablenken und wie Sie mit Strategie und Disziplin besser investieren.
„Wie der Januar, so verläuft das Jahr.“ Kaum ein Börsenspruch wird zum Jahresstart häufiger zitiert. Und ja: Das sogenannte Januar-Barometer ist statistisch untersucht – sowohl die ersten Handelstage als auch der gesamte Januar werden gern als „Stimmungsprobe“ gelesen. Für Selbstentscheider ist aber die wichtigere Frage nicht, ob die Regel manchmal stimmt. Sondern: Welche Entscheidung leite ich daraus ab – und ist sie überhaupt sinnvoll?
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Das Januar-Barometer: spannend, aber nicht steuerbar
Statistiken können helfen, Märkte besser einzuordnen. Problematisch wird es, wenn daraus Handlungsdruck entsteht: rein, raus, warten, alles umstellen. Denn selbst wenn ein Zusammenhang historisch häufig auftrat, bleibt er nicht verlässlich genug, um daraus Timing-Entscheidungen abzuleiten. Märkte werden nicht vom Kalender bewegt, sondern von Erwartungen, Zinsen, Bewertungen, Gewinnen, Politik – und von Überraschungen, die niemand im Januar sauber „einpreist“.
Der größte Renditekiller ist Aktionismus
Viele Depots werden nicht durch schlechte Investments beschädigt, sondern durch hektische Reaktionen: Verkäufe nach schwachen Wochen, Wiedereinstieg zu spät, ständiges Umschichten. Besonders tückisch: Die besten Börsentage liegen häufig in der Nähe der schlechtesten. Wer in nervösen Phasen an der Seitenlinie steht, verpasst oft genau die Erholung, die langfristig den Unterschied macht.
Zeit im Markt
Der Aktienmarkt ist keine gerade Linie, sondern eine Bewegung „an der Wand der Angst“. Genau deshalb ist ein realistischer Plan so wertvoll. Für Selbstentscheider heißt das:
- Anlagehorizont festlegen: Geld, das in 3–5 Jahren gebraucht wird, gehört nicht in einen Vollgas-Aktienmix.
- Risikoprofil übersetzen: Wie groß darf ein Rückgang sein, ohne dass Sie nachts wachliegen? Daraus ergibt sich die Aktienquote.
- Regeln statt Meinungen: Sparplan, Rebalancing (z. B. einmal jährlich), klare Bandbreiten.
Wer regelmäßig investiert, nutzt zwei Effekte: Disziplin (weil Entscheidungen automatisiert sind) und Durchschnittskosteneffekt (weil man in teuren und günstigen Phasen kauft). Es ist kein „heiliger Gral“, aber ein robustes Prinzip.
Januar-Check fürs Depot
Wenn Sie den Januar sinnvoll nutzen wollen, dann nicht für Prognosen, sondern für Struktur:
- Passt Ihre Aufteilung (Aktien/Anleihen/Liquidität) noch zu Ihrem Leben?
- Gibt es einen ausreichenden Liquiditätspuffer für Ungeplantes?
- Ist Ihr Depot breit genug gestreut – oder hängt zu viel an Einzelthemen?
- Haben Sie eine Rebalancing-Regel statt Bauchgefühl?
Fazit
Ob der Januar gut oder schlecht läuft, ist eine Momentaufnahme. Ihr Anlageerfolg entsteht woanders: in Strategie, Zeithorizont und Disziplin. Wer den Prozess beherrscht, muss den Monat nicht fürchten – und braucht keine Börsensprüche, um investiert zu bleiben.
Zum Autor
Matthias Krapp ist Dipl.-Bankbetriebswirt, Podcaster, Buchautor und Geschäftsführer der ABATUS VermögensManagement. Das Unternehmen begleitet Unternehmer/n, Privatiers, Stiftungen, kirchliche Institutionen und private Investoren.
Die Kapital Medien GmbH, der Verlag der Finanzzeitschriften AnlegerPlus, AnlegerPlus News und AnlegerLand ist eine 100-%-Tochter der SdK Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e.V.





