Es kommt immer häufiger vor: Börsennotierte Unternehmen kaufen ihre eigenen Aktien. Allein in den letzten Monaten haben zahlreiche namhafte Konzerne aus verschiedensten Branchen einen Aktienrückkauf verkündet. Was die Gründe für einen Aktienrückkauf sind und was er für die Aktionäre bedeutet, erklären wir hier.
Inhalt
- Einleitung
- Mögliche Gründe für ein Aktienrückkaufprogramm
- Der Ablauf von einem Aktienrückkaufprogramm
- Vorteile
- Nachteile
- Auswirkungen auf die Bilanz
- So wirkt sich ein Aktienrückkauf auf den Kurs aus
- Was bedeutet ein Aktienrückkauf für Aktionäre?
- Aktienrückkauf vs. Dividende: Was ist besser?
- Fazit
- Aktienrückkauf FAQ
Einleitung
Häufig fließen hohe Summen in Aktienrückkäufe, teilweise geht es in die Milliarden. Nicht nur Anlegerschützer fragen sich, ob die Unternehmen das Geld nicht sinnvoller ausgeben könnten, für Investitionen oder Dividenden. „Aktienrückkäufe können eine gute Option der Aktionärsvergütung darstellen“, sagt Daniel Bauer, Vorstandsvorsitzender der SdK Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e.V. Allerdings müssten bestimmte Bedingungen erfüllt sein: „Das ist aus unserer Sicht nur dann der Fall, wenn die Gesellschaft in den vorausgegangenen Jahren bereits angemessene Dividenden an seine Aktionäre gezahlt hat und über eine solide Bilanzstruktur verfügt. Aktienrückkäufe als Ersatz für eine solide Dividendenpolitik lehnen wir genauso ab wie kreditfinanzierte Aktienrückkäufe. Letztere mögen in einer Welt ohne Zinsen interessant sein, dürften aber auf lange Sicht ein hohes finanzielles Risiko für die Gesellschaft mit sich bringen.“
Mögliche Gründe für ein Aktienrückkaufprogramm
Aktienrückkäufe sind ein beliebtes Instrument von Unternehmen, um den eigenen Aktienkurs zu stabilisieren oder die Kapitalstruktur zu optimieren. Doch welche konkreten Gründe stehen dahinter?
1. Signalwirkung an den Markt
Ein Aktienrückkauf kann als starkes Vertrauenssignal des Managements gewertet werden. Wenn ein Unternehmen eigene Aktien zurückkauft, signalisiert es den Investoren, dass das Management die Aktie für unterbewertet hält und an eine positive zukünftige Geschäftsentwicklung glaubt. Dies kann das Vertrauen in das Unternehmen stärken und Anleger ermutigen, in die Aktie zu investieren.
2. Gewinnsteigerung pro Aktie (EPS-Optimierung)
Durch den Rückkauf von Aktien verringert sich die Anzahl der ausstehenden Aktien. Da der Unternehmensgewinn auf weniger Aktien verteilt wird, steigt das Ergebnis je Aktie (Earnings per Share, EPS) rechnerisch an – selbst wenn der absolute Gewinn des Unternehmens unverändert bleibt. Dies kann dazu führen, dass die Aktie für Investoren attraktiver wird, da viele Anleger und Analysten das EPS als wichtige Kennzahl für die Unternehmensbewertung heranziehen.
3. Alternative zur Dividende – Steuerliche Vorteile für Aktionäre
Anstatt überschüssige Liquidität in Form von Dividenden an die Aktionäre auszuschütten, nutzen Unternehmen Aktienrückkäufe als alternative Möglichkeit, Kapital an die Anteilseigner zurückzugeben. Während Dividenden in vielen Ländern unmittelbar steuerpflichtig sind, profitieren Aktionäre von Rückkäufen indirekt über steigende Aktienkurse, ohne sofortige Steuerbelastung. Dies kann für langfristig orientierte Investoren von Vorteil sein.
4. Verhinderung feindlicher Übernahmen
Ein Aktienrückkauf kann auch dazu dienen, eine feindliche Übernahme zu erschweren. Wenn ein Unternehmen einen erheblichen Teil seiner eigenen Aktien zurückkauft, reduziert sich der frei verfügbare Streubesitz. Dadurch wird es für potenzielle Käufer schwieriger, eine Mehrheitsbeteiligung zu erlangen und die Kontrolle über das Unternehmen zu übernehmen.
5. Nutzung eigener Aktien als Akquisitionswährung
Unternehmen, die regelmäßig Aktienrückkäufe durchführen, haben die Möglichkeit, eigene Aktien für zukünftige Übernahmen oder Beteiligungen einzusetzen. Anstatt Barzahlungen zu leisten, können Unternehmen Aktien als Zahlungsmittel nutzen, um andere Firmen zu akquirieren. Dies ist besonders attraktiv, wenn der Aktienkurs stabil oder hoch bewertet ist.
6. Kapitalstruktur-Optimierung und Reduktion von Eigenkapital
Aktienrückkäufe können dazu beitragen, die Kapitalstruktur eines Unternehmens gezielt anzupassen. Viele Unternehmen setzen dabei auf eine bestimmte Mischung aus Eigen- und Fremdkapital. Durch den Rückkauf von Aktien wird das Eigenkapital reduziert, während die Verschuldung gleich bleibt oder sogar erhöht wird. Dies kann zu einer effizienteren Kapitalstruktur führen, insbesondere wenn Fremdkapital aufgrund niedriger Zinsen günstig verfügbar ist.
Der Ablauf eines Aktienrückkaufprogramms
Grundlage für ein Aktienrückkaufprogramm ist ein entsprechender Beschluss der Hauptversammlung. Dabei wird auch der Umfang des Programms festgelegt, der maximal 10 % des Grundkapitals über einen Zeitraum von höchstens fünf Jahren umfassen darf. Der Rückkauf erfolgt in der Regel in verschiedenen Tranchen direkt an der Börse.
Vorteile
Aktienrückkäufe sind ein bewährtes Mittel, um den Aktienkurs zu stabilisieren, Investoren zu belohnen und die Kapitalstruktur eines Unternehmens zu optimieren. Unternehmen greifen aus verschiedenen Gründen auf diese Strategie zurück, die sowohl für die Gesellschaft als auch für die Aktionäre Vorteile bieten kann.
1. Steigerung des Aktienkurses durch geringeres Angebot
Ein Aktienrückkauf reduziert die Anzahl der ausstehenden Aktien auf dem Markt. Nach den Gesetzen von Angebot und Nachfrage führt eine geringere Verfügbarkeit oft zu steigenden Kursen, wenn die Nachfrage konstant bleibt oder steigt. Diese Kurssteigerung kann langfristig positive Auswirkungen auf das Unternehmen haben, da ein höherer Aktienkurs auch die Attraktivität für neue Investoren erhöht.
2. Erhöhung des Gewinns pro Aktie (Earnings per Share, EPS)
Da sich der Unternehmensgewinn nun auf weniger ausstehende Aktien verteilt, steigt das Ergebnis je Aktie (EPS)automatisch. Viele Investoren und Analysten betrachten das EPS als eine wichtige Kennzahl zur Bewertung eines Unternehmens. Ein steigendes EPS kann sich daher positiv auf das Marktvertrauen auswirken und die Aktie attraktiver für Anleger machen.
3. Attraktive Alternative zur Dividendenausschüttung
Unternehmen, die ihre Aktionäre am Erfolg beteiligen möchten, können dies entweder durch Dividendenzahlungen oder Aktienrückkäufe tun. Rückkäufe bieten dabei zwei Vorteile:
- • Steuervorteile für Anleger: Während Dividenden sofort versteuert werden müssen, profitieren Anleger bei Aktienrückkäufen indirekt über steigende Aktienkurse, ohne sofortige Steuerbelastung.
- • Flexibilität für das Unternehmen: Während Dividendenzahlungen als langfristige Verpflichtung wahrgenommen werden, sind Aktienrückkäufe eine einmalige Maßnahme, die nicht dauerhaft fortgesetzt werden muss.
4. Verhinderung einer feindlichen Übernahme
Wenn sich der Streubesitz eines Unternehmens verringert, wird es für potenzielle Käufer schwieriger, eine Mehrheitsbeteiligung zu erwerben. Unternehmen nutzen daher Aktienrückkäufe als Abwehrmaßnahme gegen feindliche Übernahmen, um ihre Unabhängigkeit zu sichern.
5. Positives Signal an den Kapitalmarkt
Ein Unternehmen, das eigene Aktien zurückkauft, sendet damit ein starkes Signal an Investoren: Das Management glaubt an die Zukunft des Unternehmens und sieht die aktuelle Bewertung der Aktie als attraktiv an. Dies kann das Vertrauen der Aktionäre stärken und potenzielle neue Investoren anlocken.
6. Optimierung der Kapitalstruktur
Viele Unternehmen nutzen Aktienrückkäufe gezielt, um die eigene Kapitalstruktur zu verbessern. Eine zu hohe Eigenkapitalquote kann als ineffizient angesehen werden, da Eigenkapital teurer als Fremdkapital ist. Durch den Rückkauf von Aktien reduzieren Unternehmen das Eigenkapital und können somit eine bessere Balance zwischen Eigen- und Fremdkapital schaffen. Dies kann den Return on Equity (ROE) verbessern und damit die Rentabilität des Unternehmens steigern.
7. Nutzung eigener Aktien für Übernahmen und Mitarbeiterprogramme
Unternehmen, die regelmäßig Aktienrückkäufe durchführen, haben oft eigene Aktien im Bestand, die sie später für strategische Zwecke einsetzen können. Zwei typische Anwendungsfälle sind:
- • Aktien als Akquisitionswährung: Anstatt ein anderes Unternehmen mit Bargeld zu übernehmen, kann ein Unternehmen eigene Aktien als Zahlungsmittel einsetzen, um Übernahmen zu finanzieren.
- • Vergütung von Mitarbeitern: In vielen Unternehmen erhalten Führungskräfte und Mitarbeiter Aktienoptionen als Teil ihrer Vergütung. Rückkäufe helfen, Verwässerungseffekte zu reduzieren, die entstehen, wenn neue Aktien für diese Programme ausgegeben werden.
8. Positive Wirkung in schwachen Marktphasen
In wirtschaftlich turbulenten Zeiten können Aktienrückkäufe dazu beitragen, den Aktienkurs zu stabilisieren und damit Panikverkäufe zu verhindern. Dies war beispielsweise in Krisenzeiten wie der Finanzkrise 2008 oder der COVID-19-Pandemie der Fall, als viele Unternehmen gezielt eigene Aktien zurückkauften, um das Vertrauen der Märkte zu stärken.
Nachteile
Obwohl Aktienrückkäufe auf den ersten Blick viele Vorteile bieten, gibt es auch kritische Aspekte, die Anleger berücksichtigen sollten. In einigen Fällen können Rückkäufe sogar negative Auswirkungen auf das Unternehmen und die Aktionäre haben.
1. Fehlende Investitionen in Wachstum und Innovation
Ein zentrales Risiko von Aktienrückkäufen besteht darin, dass Unternehmen verfügbare Mittel nicht für Investitionen in zukünftiges Wachstum oder Innovationen nutzen. Statt in Forschung und Entwicklung (F&E), neue Produkte oder Marktexpansion zu investieren, werden finanzielle Ressourcen in den Rückkauf eigener Aktien gelenkt. Dies kann langfristig die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens beeinträchtigen, insbesondere in technologieintensiven Branchen, wo kontinuierliche Innovation entscheidend ist.
2. Kurzfristige Kurssteigerung statt nachhaltiger Wertschöpfung
Aktienrückkäufe können den Aktienkurs kurzfristig steigen lassen, da sich das Angebot der verfügbaren Aktien verringert. Allerdings bedeutet eine Kurssteigerung durch Rückkäufe nicht zwangsläufig, dass das Unternehmen operativ erfolgreicher wird. Kritiker argumentieren, dass einige Unternehmen Rückkäufe vor allem dann durchführen, wenn das Management kurzfristig hohe Aktienkurse wünscht – beispielsweise um eigene Bonuszahlungen zu maximieren oder Investoren zufriedenzustellen.
3. Künstliche Verzerrung der Finanzkennzahlen
Durch Aktienrückkäufe kann das Ergebnis je Aktie (Earnings per Share, EPS) künstlich verbessert werden, ohne dass sich der tatsächliche Unternehmensgewinn erhöht. Weniger ausstehende Aktien führen rechnerisch zu einem höheren EPS, was das Unternehmen auf den ersten Blick profitabler erscheinen lässt, als es tatsächlich ist. Dies kann Investoren in die Irre führen und zu einer überbewerteten Aktie beitragen.
4. Erhöhung der Verschuldung – Finanzielle Risiken
Viele Unternehmen finanzieren Aktienrückkäufe nicht aus vorhandenen liquiden Mitteln, sondern durch die Aufnahme von Schulden. Dies kann besonders riskant sein, wenn sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verschlechtern oder die Zinsen steigen. Eine erhöhte Verschuldung kann:
- • Die Zinsbelastung für das Unternehmen erhöhen.
- • Die finanzielle Flexibilität einschränken, da ein größerer Teil des Cashflows für Schuldentilgung verwendet werden muss.
- • Im schlimmsten Fall das Insolvenzrisiko steigern, wenn das Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerät.
5. Geringere finanzielle Puffer für Krisenzeiten
Unternehmen, die über Jahre hinweg große Summen für Aktienrückkäufe ausgeben, haben oft weniger liquide Mittel zur Verfügung, wenn unvorhergesehene Ereignisse eintreten. In wirtschaftlichen Krisenzeiten, wie beispielsweise während der COVID-19-Pandemie, mussten einige Unternehmen, die zuvor umfangreiche Rückkäufe durchgeführt hatten, Staatshilfen in Anspruch nehmen oder ihre Dividenden kürzen, um liquide zu bleiben.
6. Risiko von Fehlentscheidungen des Managements
Das Timing von Aktienrückkäufen ist entscheidend. In vielen Fällen kaufen Unternehmen eigene Aktien zu Höchstkursen, wenn die Geschäfte gut laufen und sie überschüssiges Kapital haben. Wenn der Aktienkurs später fällt, stellt sich heraus, dass die Rückkäufe zu teuer waren und sich nicht ausgezahlt haben. Eine ineffiziente Kapitalallokation kann langfristig zu Wertverlusten für die Aktionäre führen.
7. Rückkäufe auf Kosten der Dividenden
Während einige Anleger Aktienrückkäufe bevorzugen, setzen andere auf regelmäßige Dividendenzahlungen, da diese verlässliche Einkommensströme bieten. Wenn ein Unternehmen Rückkäufe über Dividenden priorisiert, kann dies dazu führen, dass einkommensorientierte Investoren weniger profitieren oder sich langfristig von der Aktie abwenden.
Auswirkungen auf die Bilanz
Ein Aktienrückkauf führt in der Regel zu einer Bilanzverkürzung, wenn die zurückgekauften Aktien aus der Kasse bezahlt und anschließend vernichtet werden. Auf der Aktivseite nehmen die liquiden Mittel ab, auf der Passivseite sinkt das Eigenkapital. Dadurch sinkt die Eigenkapitalquote. Wird der Aktienrückkauf mit Krediten finanziert, bleibt die Bilanzsumme gleich. Die Eigenkapitalquote sinkt noch stärker, da nicht nur das Eigenkapital zurückgeht, sondern gleichzeitig das Fremdkapital steigt.
So wirkt sich ein Aktienrückkauf auf den Kurs aus
Nach einem Aktienrückkauf verteilt sich der Marktwert des Unternehmens auf weniger Anteile. Damit ist die einzelne Aktie mehr wert und der Kurs sollte steigen. Das passiert auch häufig, jedoch längst nicht immer. Wie die Börse tatsächlich reagiert, lässt sich eben nicht vorhersehen.
Was bedeutet ein Aktienrückkauf für Aktionäre?
Für Aktionäre besteht bei einem Aktienrückkauf kein Handlungsbedarf. Rein rechnerisch steigt ihr Anteil am Unternehmen. Das kann wie beschrieben Kurssteigerungen und höhere Dividenden zur Folge haben.
Aktienrückkauf vs. Dividende: Was ist besser?
Dividenden wandern direkt aufs Konto des Aktionärs und werden direkt besteuert. Bei ausländischen Aktien fällt dabei häufig noch eine Quellensteuer an. Die bei einem Aktienrückkauf zu erwartenden (aber nicht garantierten) Kurssteigerungen sind dagegen nicht direkt steuerlich wirksam, sondern erst beim Verkauf der Aktien.
Fazit
Ob ein Rückkaufprogramm sinnvoll ist, hängt allerdings zudem von der Ausgangssituation des Unternehmens ab. Es sollte ausreichend Liquidität vorhanden sein, die im Idealfall zusätzlich für Dividenden reicht, und das Unternehmen sollte nachhaltig profitabel sein. Kreditfinanzierte Rückkäufe – durchaus keine Seltenheit – werden meist sehr kritisch gesehen.
Aktienrückkauf FAQ
Bei einem Aktienrückkauf kauft ein Unternehmen seine eigenen Aktien zurück.
Mit einem Aktienrückkaufprogramm können Unternehmen verschiedene Ziele verfolgen. So kann z.B. die damit einhergehende Verkleinerung des Streubesitzes (feindliche) Übernahmeversuche erschweren.
Aktienrückkäufe haben für Unternehmen und Aktionäre durchaus Vorteile. So steigt z.B. der Gewinn je Aktie, selbst wenn die Gesamtprofitabilität stagniert.
Tendenziell kann sich ein Aktienrückkauf positiv auf den Kurs einer Aktie auswirken. Außerdem winkt durch ein Rückkaufprogramm zusätzlich durch einen Anstieg des Gewinns je Aktie oftmals eine höhere Dividende.
Je nach Situation des jeweiligen Unternehmens kann ein Aktienrückkauf mehr oder weniger sinnvoll für ein Unternehmen und die zugrundeliegende Bilanz sein. So werden z.B. kreditfinanzierte Rückkäufe von Experten meist kritisch gesehen.
Aktionäre müssen nichts tun. Kurs und Dividenden könnten sich durch den Rückkauf erhöhen.
Die Aktien werden in der Regel vernichtet. Dadurch sinken das Eigenkapital und die Eigenkapitalquote des Unternehmens.
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