
Wer gehofft hatte, dass auf den turbulenten Januar ein entspannter Februar folgen würde, sah sich getäuscht. Die vergangene Handelswoche war erneut von hoher Volatilität geprägt. Während spekulative Assets wie der Bitcoin und Rüstungswerte wie Rheinmetall deutlich korrigierten, konnte Gold nach den jüngsten Verlusten wieder zulegem. Einzig bei der EZB-Sitzung herrschte Kontinuität: Der Leitzins verbleibt wie erwartet bei 2,0 %.
- Historischer Meilenstein: Der Dow Jones überspringt erstmals die 50.000-Punkte-Marke und geht mit einem Wochenplus von 2,50 % bei 50.116 Zählern aus dem Handel.
- Zinspolitik stabil: Die EZB hält den Leitzins konstant bei 2,0 %, während Experten wie Marcel Fratzscher vor konjunkturellen Risiken im Euroraum warnen.
- Sektoren-Rotation: Defensive Werte rücken in den Fokus, da Tech-Giganten wie AMD trotz 39 % Wachstum im Rechenzentrums-Segment aufgrund vorsichtiger Ausblicke abgestraft werden.
- Rheinmetall unter Druck: Trotz einer Umsatzprognose von bis zu 14,1 Mrd. Euro für 2026 sorgten Friedenshoffnungen und hohe Erwartungen für einen Tagesverlust von 9,5 %.
- Krypto-Korrektur: Der Bitcoin verliert massiv an Boden und rutscht unter die psychologisch wichtige Marke von 70.000 Dollar.
Nach einer volatilen Handelswoche konnte der DAX seine Gewinne am Freitag verteidigen und schloss bei 24.721 Punkten – ein solides Wochenplus von 0,74 %. Historisches gab es derweil an der Wall Street zu vermelden: Der Dow Jones übersprang am Freitag erstmals in seiner Geschichte die Marke von 50.000 Punkten und verabschiedete sich bei 50.116 Zählern mit einem deutlichen Wochenplus von 2,50 % ins Wochenende.
Auch der S&P 500 startete am Freitag eine spürbare Aufholjagd; dennoch reichte es nach den vorangegangenen Verlusten am Ende nur für eine nahezu unveränderte Wochenbilanz bei 6.932 Punkten. Einzig der Nasdaq 100 blieb das Sorgenkind. Aufgrund wachsender Verunsicherung im KI-Sektor rutschte der technologielastige Index um 1,87 % ins Minus.
Die Fokus-Themen der Woche
Vorsichtiger Ausblick enttäuscht: Nach einer langen Phase der Rekordjagden hat die Rheinmetall-Aktie einen herben Dämpfer erhalten (Tagesverlust von bis zu 9,5 %). Grund war ein sogenannter „Pre-Close-Call“, bei dem das Management eine Umsatzprognose für 2026 zwischen 13,2 und 14,1 Mrd. Euro skizzierte. Dies lag deutlich unter den optimistischen Erwartungen des Marktes. Zusätzlich belasteten Nachrichten über Fortschritte bei Friedensverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine den gesamten Rüstungssektor. Analystenhäuser wie Jefferies und JPMorgan bleiben jedoch langfristig optimistisch und halten an ihren Kaufempfehlungen fest.
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Rekordzahlen reichen im KI-Hype nicht aus: Trotz eines historisch erfolgreichen Jahres 2025 und neuer Rekordmarken bei Umsatz und Gewinn reagierten die Anleger enttäuscht auf die Zahlen des Chipherstellers AMD. Zwar wuchs die wichtige Sparte für Rechenzentren um 39 % und ein neuer Mega-Deal mit OpenAI festigte die Stellung als Nvidia-Herausforderer, doch der Ausblick auf das laufende Quartal (ca. 9,8 Mrd. Dollar Umsatz) wurde als zu vorsichtig bewertet. In einem Umfeld extrem hoher Erwartungen im KI-Sektor reichte das bloße Erfüllen der Prognosen nicht aus, um den Kurs stabil zu halten.
Turbulenter Jahresstart: Der Start ins Börsenjahr 2026 ist von einer deutlichen Sektoren-Rotation geprägt. Während die großen US-Technologiewerte („Magnificent Seven“) an Zugkraft verlieren, rücken Energie-, Verteidigungs- und defensive Aktien sowie Small und Mid Caps wieder stärker in den Fokus der Anleger. Parallel dazu treibt die Unsicherheit über die geopolitische Lage und die künftige Zinspolitik die Edelmetalle auf historische Höchststände. Marktexperten raten dazu, Portfolios breiter aufzustellen, da die hohen Bewertungen im Tech-Sektor kaum noch Spielraum für positive Überraschungen lassen.
Was sonst noch wichtig war
Keine Leitzinssenkung: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat in ihrer jüngsten Ratssitzung den Leitzins bei 2,0 % belassen. Laut Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, steckt die EZB in einem Dilemma: Während die schwache Konjunktur im Euroraum die Inflation drückt, könnten geopolitische Spannungen die Preise erneut anheizen. Fratzscher betont, die EZB müsse nun unmissverständlich kommunizieren, dass sie bereit und in der Lage ist, flexibel auf diese gegensätzlichen Risiken zu reagieren.
Bitcoin auf Talfahrt: Der Kryptomarkt erlebte eine tiefrote Handelswoche. Nachdem der Bitcoin die psychologisch wichtige 70.000-Dollar-Marke nach unten durchbrochen hatte, beschleunigte sich der Ausverkauf. Inzwischen haben sich die Kurse etwas erholt, dennoch wächst am Markt die Sorge, dass dies erst der Beginn einer noch massiveren Korrektur sein könnte.
Musk vollzieht Megafusion: Elon Musk hat sein Imperium neu geordnet und SpaceX mit seiner KI-Schmiede xAI fusioniert. Damit bündelt der Unternehmer Raumfahrt, Energie und künstliche Intelligenz in einem neuen Tech-Giganten. Das ambitionierte Ziel: Die Errichtung von Rechenzentren im Orbit sowie „selbstwachsender“ Städte auf dem Mond. Die Besiedlung des Mars – Musks erklärtes Lebensziel – soll laut aktuellen Plänen in fünf bis sieben Jahren operativ beginnen.
Ausblick
Die Veröffentlichung des Verbraucherpreisindex (CPI) für Januar wird zeigen, ob der Preisdruck in den USA nachhaltig nachlässt. Analysten erwarten eine Kernteuerung von ca. 2,6 %. Sollten die Zahlen höher ausfallen, könnte dies die Hoffnung auf Zinssenkungen im Sommer dämpfen und den Dollar stärken.
Mit Spannung wird auch der Finanzbericht von Mercedes-Benz erwartet. Nachdem der Stuttgarter Autobauer zuletzt mit einer schwächeren Nachfrage im wichtigen chinesischen Markt und hohen Rabattchlachten im Elektro-Segment zu kämpfen hatte, blicken Anleger nun besonders auf die operative Marge. Kann CEO Ola Källenius seine „Luxury First“-Strategie trotz des konjunkturellen Gegenwinds verteidigen? Neben dem Ausblick auf das Gesamtjahr 2026 steht vor allem die Dividendenankündigung im Fokus, wobei Marktteilnehmer auf eine stabile Ausschüttung hoffen, um den Aktienkurs nach der jüngsten Seitwärtsbewegung zu stützen.
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