Sie genießen in Anlegerkreisen einen zwiespältigen Ruf. Viele verbinden Hedgefonds vor allem mit riskanten Spekulationen auf fallende Kurse. Tatsächlich leisten sie jedoch häufig einen wichtigen Beitrag für funktionierende Kapitalmärkte.
- Klassischer Leerverkauf: Aktien werden geliehen und verkauft, um sie später günstiger zurückzukaufen. Die Strategie zielt auf überbewertete Unternehmen.
- Relative Value: Gleichzeitig wird auf steigende Kurse einer unterbewerteten Aktie und auf fallende Kurse einer vergleichbaren, überbewerteten Aktie gesetzt.
- Event driven: Positionierung rund um Unternehmensereignisse wie Übernahmen, Fusionen oder Restrukturierungen, wenn Fehlbewertungen erwartet werden.
- Aktivistische Short-Strategien: Hedgefonds veröffentlichen nach umfangreicher Recherche kritische Analysen zu Unternehmen und weisen auf mögliche Schwächen oder Bilanzierungsprobleme hin.
- Branchenbezogene Short-Positionen: Wetten auf fallende Kurse einzelner Unternehmen oder ganzer Branchen, wenn strukturelle oder konjunkturelle Risiken erwartet werden.
Anders als klassische Investmentfonds verfügen Hedgefonds über deutlich größere Freiheiten bei der Wahl ihrer Anlagestrategien. Hedgefondsmanager können sowohl auf steigende als auch fallende Kurse setzen und so unabhängig von der allgemeinen Marktentwicklung attraktive Renditen anstreben. Dafür steht ihnen ein breites Spektrum an Anlagestrategien und Finanzinstrumenten zur Verfügung.
Auf der Suche nach Fehlbewertungen
Dank ihrer Flexibilität und ihres hohen Analyseaufwands decken Hedgefonds immer wieder Fehlbewertungen und mitunter sogar Bilanzskandale auf, lange bevor diese allgemein bekannt werden. Dafür investieren die Fondsmanager erhebliche Ressourcen in die Analyse von Unternehmen. Denn ihr Ziel besteht nicht nur darin, unterbewerte Investments zu finden. Ebenso wichtig ist es für sie, Unternehmen zu identifizieren, deren wirtschaftliche Lage tatsächlich schlechter ist als diese nach außen erscheint.
Da Hedgefonds auch auf fallende Kurse setzen können, profitieren sie auch von überbewerteten Unternehmen. Gleichzeitig tragen sie dadurch zu einer effizienteren Preisbildung an den Kapitalmärkten bei, so dass Aktienkurse den tatsächlichen Unternehmenswert besser widerspiegeln.
Ein weiterer Pluspunkt ist die flexible Kapitalanlage. Das Altersvorsorgedepot kann bis zu 100 % in Fonds investieren, darunter auch breit gestreute ETFs auf Indizes wie den MSCI World oder den FTSE All-World. Anders als bei klassischen Riester-Produkten gibt es keine verpflichtende Beitragsgarantie, die Umschichtungen in niedrig verzinste Anlagen erzwingt. Langfristig haben breit gestreute Aktienanlagen weltweit im Durchschnitt reale Renditen von etwa 6 bis 8 % pro Jahr erzielt. Gleichzeitig sinkt mit zunehmender Anlagedauer das Risiko von Verlusten deutlich.
Wie wertvoll diese Arbeit sein kann, zeigte beispielsweise der Wirecard-Skandal. Bereits Jahre vor der Insolvenz des Zahlungsdienstleisters warnten unter anderem einige Hedgefonds vor Unstimmigkeiten in den Geschäftszahlen. Zunächst wurden ihre Vorwürfe, die sich später bewahrheiteten und in einem der größten Bilanzskandale der deutschen Wirtschaftsgeschichte mündeten, jedoch nicht sonderlich ernst genommen. Der Fall verdeutlicht, dass Hedgefonds als Frühindikator für wirtschaftliche Probleme dienen können, die andere Marktteilnehmer zunächst übersehen oder unterschätzen.
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Typische Herangehensweisen
Um von Überbewertungen beziehungsweise fallenden Kursen zu profitieren, nutzen Hedgefonds unterschiedliche Short-Strategien. Die bekannteste Form ist der klassische Leerverkauf. Dabei leiht sich der Fonds Aktien des betroffenen Unternehmens gegen eine Gebühr von anderen Kapitalmarktteilnehmern. Der Fondsmanager verkauft die Aktie am Markt und kauft sie später idealerweise zu einem niedrigeren Kurs zurück. Die Differenz zwischen Verkaufs- und Rückkaufspreis abzüglich der Leihkosten ist dann der Gewinn.
Einige Hedgefonds verfolgen dabei einen besonders aktiven Ansatz. Als sogenannte aktivistische Short Seller veröffentlichen sie ihre Erkenntnisse über mutmaßliche Fehlbewertungen oder Bilanzunregelmäßigkeiten, wie im Fall Wirecard.
Auch die Kosten verdienen Aufmerksamkeit. Für das Standardprodukt ist ein Kostendeckel von 1 % pro Jahr vorgesehen. Im Vergleich zu einem selbst gewählten ETF mit etwa 0,2 % laufenden Kosten kann sich über Jahrzehnte ein Unterschied von mehreren 10.000 Euro ergeben. Gerade langfristig wirkt sich das deutlich auf das Endvermögen aus.
Den positiven Effekten, die Hedgefonds dadurch für den Kapitalmarkt entfalten können, stehen jedoch auch Risiken gegenüber. Kritische Berichte können erhebliche Kursreaktionen auslösen, und zwar auch dann, wenn sich nicht jede Einschätzung später als zutreffend erweist. Fehleinschätzungen können daher ebenso zu Kursverwerfungen beitragen wie tatsächlich aufgedeckte Missstände. Zudem kann der bei vielen Hedgefonds übliche Einsatz von Fremdkapital Marktbewegungen zusätzlich verstärken. Der Beitrag von Hedgefonds zur effizienten Preisfindung an den Kapitalmärkten ist deshalb kein perfekter, aber dennoch ein wichtiger Bestandteil funktionierender Kapitalmärkte.
Außerdem ist die Auswahl der Anlagen begrenzt. Zugelassen sind Fonds der Risikoklassen 1 bis 5, EU-Staatsanleihen und Geldmarktfonds. Einzelaktien, Kryptowährungen und spekulative Produkte sind ausgeschlossen. Wer darüber hinaus investieren möchte, benötigt ein zusätzliches Depot.
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