Ifo: Iran-Krieg lässt wirtschaftliche Unsicherheit in Deutschland auf Zweijahreshoch steigen

Ein Öltanker auf dem Meer.

Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten belasten die deutsche Wirtschaft massiv. Laut aktueller Daten des Ifo-Instituts ist die Planungsunsicherheit in den Unternehmen so hoch wie seit Februar 2024 nicht mehr. Besonders die Industrie und der Logistiksektor schlagen Alarm.

💡 Key Takeaways: Wirtschaftliche Unsicherheit in Deutschland
  • Rekord-Unsicherheit: Laut Ifo-Institut stieg der Anteil verunsicherter Unternehmen im März sprunghaft von 75,4 % auf 78,6 % an.
  • Industrie im Krisenmodus: In der energieintensiven Chemiebranche gaben rund 95 % der Betriebe an, ihre Entwicklung nicht mehr verlässlich prognostizieren zu können.
  • Logistik unter Druck: Planungsschwierigkeiten im Transportsektor kletterten durch die instabile Weltlage massiv auf 88,1 % (Vormonat: 82,7 %).
  • Investitionsgefahr: Die anhaltende Unkalkulierbarkeit führt zu einer Lähmung der Ausgaben, was die konjunkturelle Erholung langfristig gefährdet.

Der Krieg im Iran hat die deutsche Wirtschaft in eine Phase tiefer Verunsicherung gestürzt. Wie das Ifo-Institut am Mittwoch in München mitteilte, fiel es im März 78,6 % der befragten Unternehmen schwer, ihre zukünftige Geschäftsentwicklung verlässlich einzuschätzen. Dies ist ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vormonat (75,4 %) und markiert den höchsten Stand der wirtschaftlichen Unsicherheit seit über zwei Jahren.

„Der Krieg im Iran hat die Unsicherheit in der deutschen Wirtschaft spürbar erhöht“, erklärt Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Umfragen. Die Folgen für das eigene operative Geschäft seien für viele Firmen derzeit schlichtweg nicht kalkulierbar.

Chemiebranche besonders betroffen

Besonders dramatisch stellt sich die Lage in der Industrie dar. Hier liegt der Anteil der betroffenen Unternehmen bei 87,7 %. Damit setzt sich ein besorgniserregender Trend fort: Bereits seit Oktober 2021 verharrt dieser Wert fast durchgehend über der 80-%-Marke – ein Zeichen für die tiefgreifenden strukturellen Probleme des Standorts Deutschland.

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Nahezu unmöglich ist eine vorausschauende Planung derzeit in den energieintensiven Sektoren. In der Chemiebranche gaben rund 95 % der Betriebe an, ihre Entwicklung kaum prognostizieren zu können. Bei den Herstellern von Gummi- und Kunststoffwaren sind es 93,9 %.

Logistik und Dienstleister unter Druck

Auch der Dienstleistungssektor bleibt von der Krise nicht verschont. Hier sprang die Unsicherheit binnen eines Monats von 66,6 % auf 72,0 %. Vor allem Transport- und Logistikunternehmen leiden unter der instabilen Weltlage; in diesem Bereich klagen mittlerweile 88,1 % über massive Planungsschwierigkeiten (Februar: 82,7 %).

Im Handel (84,4 %) und im Baugewerbe (73,4 %) bleibt die Stimmung ebenfalls angespannt, wobei die Werte im Vergleich zum Vormonat leicht anstiegen oder auf hohem Niveau stagnierten.

Gefahr für Investitionen und Wachstum

Experten warnen vor den langfristigen Folgen dieser Entwicklung. Neben den unmittelbaren Auswirkungen wie steigenden Energiepreisen und potenziellen Störungen der Lieferketten droht eine Lähmung der wirtschaftlichen Aktivität. „Je länger die Unsicherheit anhält, desto mehr geraten Investitionen und Wachstum unter Druck“, warnt Wohlrabe. Wenn Unternehmen nicht mehr planen können, halten sie sich mit Ausgaben zurück – eine Entwicklung, die die konjunkturelle Erholung in weite Ferne rücken lassen könnte.

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Foto: © Astrid Schmid auf Pixabay

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