Das Ifo-Institut und das Kiel Institut für Weltwirtschaft haben ihre Wachstumsprognosen nach unten angepasst. Der Iran-Krieg und der dadurch ausgelöste Ölpreisschock belasten die deutsche Wirtschaft. Zudem wird die Erholung derzeit hauptsächlich durch die expansive Finanzpolitik des Staates gestützt.
- Wachstumsdämpfer: Infolge des Nahost-Konflikts senken Ifo und IfW ihre Prognose für 2026 auf ein BIP-Plus von lediglich 0,8 %.
- Energiekosten-Risiko: Ein Ölpreisschock droht das Wachstum um 0,2 Prozentpunkte zu mindern und die Inflation auf bis zu 3 % zu treiben.
- Strukturwandel der Erholung: Der Aufschwung wird untypischerweise nicht vom Export, sondern von massiven Staatsinvestitionen in Infrastruktur und Verteidigung gestützt.
- Verzögerter Arbeitsmarkt: Eine echte Trendwende bei der Arbeitslosenquote wird trotz einsetzender Erholung erst im Laufe des Jahres 2027 erwartet.
Die wirtschaftlichen Aussichten für Deutschland trüben sich infolge der kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten ein. Das Ifo-Institut hat seine Wachstumserwartungen für das laufende Jahr nach unten angepasst. Aufgrund kurzzeitig steigender Energiekosten wird mit einem Dämpfer von etwa 0,2 Prozentpunkten gerechnet. Die Forscher prognostizieren nun ein Plus beim Bruttoinlandsprodukt von 0,8 % für 2026 und 1,2 % für das Folgejahr.
Ähnlich pessimistisch ist Kiel Institut für Weltwirtschaft. In ihrer Frühjahrsprognose gehen die Forscher davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 0,8 % zulegen wird. Für das kommende Jahr steht ein Plus von 1,4 % in Aussicht. „Durch den militärischen Konflikt im Iran droht der deutschen Wirtschaft Gegenwind“, sagt Moritz Schularick, Präsident des Kiel Instituts. Es bleibe zu hoffen, dass die Rohstoffpreisanstiege – entsprechend den Markterwartungen seit Beginn des Konflikts – begrenzt bleiben.
Inflation und Energiepreise als Risikofaktoren
Die weitere Entwicklung hängt maßgeblich von den Rohöl- und Gaspreisen ab. Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser skizziert zwei mögliche Szenarien:
Basisszenario: Sinkt das Preisniveau bei fossilen Energieträgern zeitnah wieder, ist mit einer Inflationsrate von rund 2,5 % zu rechnen.
Risikoszenario: Verharren die Energiepreise jedoch dauerhaft auf dem aktuellen hohen Niveau, könnte die Teuerung auf bis zu 3 % klettern. In diesem Fall würde das Wachstum 2026 auf magere 0,6 % und 2027 auf lediglich 0,8 % abfallen.
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Eine untypische Erholung
Obwohl die deutsche Wirtschaft bereits Ende 2025 – gestützt durch eine bessere Auslastung und eine anziehende Auftragslage in Industrie und Bau – einen Aufwärtstrend verzeichnete, verläuft die aktuelle Erholung ungewöhnlich.
„Der Aufschwung wird diesmal nicht vom Export getragen, da die Warenausfuhren trotz global wachsender Märkte zuletzt rückläufig waren“, erklärt Wollmershäuser. Stattdessen sind es inländische Faktoren, die die Konjunktur stützen. Vor allem die expansive Finanzpolitik des Staates gibt Impulse: Massive Investitionen in die Infrastruktur, Verteidigung und den klimagerechten Umbau sowie steigende Staatsausgaben kompensieren derzeit den Energiepreisschock.
Ifo-Prognose: Arbeitsmarkt reagiert zeitversetzt
Die positiven Effekte der Erholung werden am Arbeitsmarkt erst mit Verzögerung sichtbar werden. Während die Zahl der Erwerbstätigen in diesem Jahr voraussichtlich noch sinken wird, rechnen die Experten des Ifo-Instituts für 2027 mit einer Trendwende und einer sinkenden Arbeitslosenquote. Wie schnell dieser Umschwung erfolgt, bleibt jedoch eng an die geopolitische Stabilität und das Ende der Unsicherheiten in Nahost geknüpft.
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