Nur jeder fünfte Beschäftigte in Deutschland nutzt künstliche Intelligenz (KI) am Arbeitsplatz regelmäßig. Das zeigt eine neue Studie des Ifo-Instituts in Zusammenarbeit mit weiteren Forschungseinrichtungen. Während die private Neugier groß ist, hinkt die professionelle Integration in den Unternehmen noch hinterher.
- Große Kluft bei Nutzung: Zwar haben bereits 64 % der Beschäftigten KI ausprobiert, aber nur 20 % nutzen die Technologie regelmäßig im Arbeitsalltag.
- Gefahr durch Shadow AI: Rund 2/3 der Anwendungen werden eigeninitiativ genutzt – nur bei einem Drittel der User wurde die KI offiziell vom Unternehmen eingeführt.
- Mangelnde Tiefe: Viele Nutzer beschränken sich auf simple Text-Tools; komplexe Enterprise-Lösungen zur Prozessoptimierung sind noch nicht in der Breite angekommen.
- Fazit für Anleger: Da wir uns noch in der Experimentierphase befinden, ist bei Unternehmen mit KI-Fokus weiterhin Vorsicht geboten. Der Fokus sollte auf Firmen mit echter B2B-Integration liegen.
Laut einer Studie des Ifo-Instituts haben rund 64 % der Beschäftigten in Deutschland bereits KI-Anwendungen genutzt. Regelmäßig greifen aber nur 20 % zu KI-Unterstützung. „Zudem wurde die KI-Hauptanwendung nur bei etwa einem Drittel der Nutzenden auch vom Unternehmen eingeführt – zwei Drittel nutzen KI demnach also eigeninitiativ“, sagte Oliver Schlenker vom Ifo-Institut.
Der nicht genehmigte Einsatz von KI-Anwendungen in Unternehmen wird auch als Shadow AI bezeichnet. Experten weisen in diesem Zusammenhang auf Sicherheitsrisiken hin, die durch eigenständige Nutzung entstehen können.
Zwischen Spielerei und Prozess-Integration
Die individuelle Nutzung konzentriert sich laut Studie stark auf leicht zugängliche Text‑Tools (z. B. ChatGPT, Übersetzer), die einfach verfügbar sind und geringe Einstiegskosten haben. Diese werden von über 80 % der KI-Nutzenden verwendet. Die formelle arbeitgebergesteuerte Nutzung von KI-Tools konzentriert sich auch auf komplexere oder kostspieligere Anwendungen (z. B. diagnostische Tools, Sprach- oder Bildverarbeitung). „Die Beschäftigten berichten jedoch auch, dass die betriebliche Einführung von KI mit einer höheren Nutzungshäufigkeit, mehr Weiterbildungsangeboten, mehr KI-basierter Supervision und höheren Produktivitätsgewinnen einhergeht“, sagt Schlenker.
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Die Studie des Ifo-Instituts verdeutlicht die Kluft zwischen privater Neugier und betrieblicher Anwendung. Während fast zwei Drittel der Befragten schon einmal mit KI experimentiert haben, fehlt es in den Unternehmen oft an der strukturellen Einführung. Wo Unternehmen jedoch investieren gibt es einen echten Produktivitätsgewinnen. Das zeigt: Der Wille ist da, aber die professionelle Infrastruktur hinkt hinterher.
KI in Unternehmen: Was bedeutet das für Anleger?
Die Ergebnisse des Ifo-Instituts sind ein wichtiger Realitätscheck für den aktuellen KI-Hype an den Börsen. Es zeigt sich eine massive Diskrepanz: KI-Anwendungen werden häufig so diskutiert, als wären sie bereits das Rückgrat der globalen Wirtschaft. Das schlägt sich auch in den hohen Bewertungen von Unternehmen wie Microsoft, Nvidia oder Palantir nieder. Die Realität in den Büros zeigt jedoch: Wir befinden uns noch in der Experimentierphase.
Die großen Use Cases auf Produktebene (B2B-Integration) sind der entscheidende Hebel, nicht der Endanwender, der ab und zu eine E-Mail umformuliert. Anleger sollten genau hinschauen, welche Software-Schmieden es schaffen, KI tief in die Arbeitsprozesse zu integrieren, statt nur Add-ons oder Spielereien zu verkaufen. Der Weg zum Massenmarkt ist länger, als die aktuellen Kurse vermuten lassen – das birgt Enttäuschungspotenzial bei den nächsten Quartalszahlen, bietet aber auch Chancen bei Titeln, die echte Prozess-KI liefern.
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