Von Matthias Krapp, ABATUS
Die meisten Aktien bleiben hinter den Erwartungen zurück. Dennoch zählt der US-Aktienmarkt zu den erfolgreichsten Vermögensmotoren der Geschichte. Eine Langzeitstudie zeigt, warum.
- Nur 4 % Erfolgsgaranten: Lediglich knapp 4 % aller untersuchten US-Aktien erzeugten über den 100-Jahre-Zeitraum den gesamten Netto-Wohlstandsgewinn am Markt.
- Hohes Einzelaktien-Risiko: Über die Hälfte aller Aktien erzielte langfristig eine negative Gesamtrendite bzw. blieb hinter sicheren Staatsanleihen zurück.
- Index-Mechanismus nutzt Gewinner: Breit gestreute Indizes gewichten Top-Performer durch ihre Marktkapitalisierung automatisch höher, während Verlierer schrumpfen.
- Fazit für Anleger: Statt mühsam den nächsten „Superstar“ zu suchen, sichert eine breite Marktdiversifikation die automatische Beteiligung an künftigen Börsenstars.
Aktien gelten als unverzichtbarer Baustein für den langfristigen Vermögensaufbau. Doch worauf basiert der enorme Erfolg der Kapitalmärkte tatsächlich? Sind es geschickte Anleger, die einzelne Gewinneraktien auswählen? Oder liegt der Schlüssel zum Anlageerfolg in einer möglichst breiten Streuung?
Mit diesen Fragen beschäftigte sich der US-Finanzforscher Hendrik Bessembinder in einer umfassenden Untersuchung der amerikanischen Börsengeschichte. Für seine Studie analysierte er die Entwicklung von fast 30.000 Unternehmen, die zwischen 1926 und Ende 2025 an US-Börsen notiert waren. Das Ergebnis stellt viele verbreitete Annahmen über Aktieninvestments infrage.

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Der Aktienmarkt als Ganzes war ein Volltreffer
Wer vor rund 100 Jahren einen Dollar in den US-Aktienmarkt investierte und sämtliche Erträge reinvestierte, hätte daraus bis heute ein Vielfaches seines ursprünglichen Kapitals gemacht. Die durchschnittliche Jahresrendite lag bei gut 10 % und damit deutlich über den Erträgen sicherer Staatsanleihen.
Auf den ersten Blick bestätigt dies die bekannte Erkenntnis, dass Aktien langfristig die ertragreichste Anlageklasse darstellen. Doch der Blick auf einzelne Unternehmen offenbart eine andere Realität.
Warum die Mehrheit der Aktien enttäuscht
Entgegen der landläufigen Vorstellung sind erfolgreiche Aktien keineswegs die Regel. Die Studie zeigt, dass die durchschnittliche Einzelaktie über ihre gesamte Börsenlaufbahn keine überzeugende Performance erzielte. Zahlreiche Unternehmen verschwanden vom Markt, wurden übernommen oder konnten ihre Aktionäre nicht ausreichend entlohnen.
Weniger als die Hälfte aller untersuchten Aktien schaffte überhaupt eine positive Gesamtrendite. Noch geringer war der Anteil jener Unternehmen, die besser abschnitten als kurzlaufende Staatsanleihen. Für Anleger bedeutet das: Wer zufällig einzelne Aktien auswählt, hat statistisch keine besonders hohe Wahrscheinlichkeit, die großen Gewinner zu treffen.
Der Vorteil der Indexstrategie
Genau hier zeigt sich die Stärke breit gestreuter Indexinvestments. In marktkapitalisierungsgewichteten Indizes steigt der Anteil erfolgreicher Unternehmen automatisch mit deren Börsenwert. Gewinner erhalten dadurch immer mehr Gewicht, während Verlierer nach und nach an Bedeutung verlieren.
Anleger müssen weder den nächsten Technologieriesen identifizieren noch laufend ihr Portfolio anpassen. Der Mechanismus des Index sorgt dafür, dass die erfolgreichsten Unternehmen über die Zeit einen immer größeren Beitrag zur Gesamtrendite leisten.
Diese Dynamik erklärt, warum passive Strategien langfristig häufig besser abschneiden als viele aktive Auswahlversuche.
Die eigentlichen Vermögensmaschinen
Besonders eindrucksvoll wird die Konzentration der Wertschöpfung beim Blick auf die erfolgreichsten Unternehmen der Börsengeschichte. Traditionskonzerne wie Altria, Coca-Cola oder Johnson & Johnson erzielten über Jahrzehnte hinweg stabile zweistellige Renditen und profitierten vom enormen Effekt des langfristigen Zinseszinses.
In jüngerer Zeit rückten vor allem Technologiekonzerne in den Mittelpunkt. Unternehmen wie Apple, Microsoft, NVIDIA, Alphabet oder Amazon schufen innerhalb weniger Jahrzehnte Billionenwerte für ihre Aktionäre. Ihre Marktstellung, Innovationskraft und Skalierbarkeit machten sie zu den dominierenden Vermögensgeneratoren der modernen Börsenära.
Die Macht einer kleinen Minderheit
Der vielleicht bemerkenswerteste Befund der Studie betrifft die Verteilung der Wertschöpfung. Nur ein sehr kleiner Teil aller börsennotierten Unternehmen war letztlich für den gesamten Netto-Wohlstandsgewinn verantwortlich.
Während tausende Gesellschaften langfristig keinen Mehrwert erzeugten oder sogar Kapital vernichteten, entfiel der Großteil der Vermögensbildung auf wenige hundert Ausnahmeunternehmen. Rund vier Prozent aller untersuchten Aktien genügten, um den gesamten Wohlstandsgewinn des US-Aktienmarktes zu erzeugen.
Konsequenzen für Anleger
Die Ergebnisse liefern eine wichtige Botschaft für den langfristigen Vermögensaufbau. Die größten Börsengewinner entstehen regelmäßig, lassen sich jedoch im Voraus nur schwer identifizieren. Genau deshalb kann breite Diversifikation ein entscheidender Wettbewerbsvorteil sein.
Wer den gesamten Markt besitzt, erhöht die Wahrscheinlichkeit, automatisch an den Erfolgen der künftigen Spitzenunternehmen teilzuhaben. Die Geschichte der vergangenen hundert Jahre spricht daher weniger für die Jagd nach dem nächsten Superstar als für eine konsequente und langfristige Beteiligung am gesamten Markt.
Zum Autor
Matthias Krapp ist Dipl.-Bankbetriebswirt, Podcaster, Buchautor und Geschäftsführer der ABATUS VermögensManagement. Das Unternehmen begleitet Unternehmer/n, Privatiers, Stiftungen, kirchliche Institutionen und private Investoren.
Die Kapital Medien GmbH, der Verlag der Finanzzeitschriften AnlegerPlus, AnlegerPlus News und AnlegerLand ist eine 100-%-Tochter der SdK Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e.V.
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