Mehr als nur Nvidia: KI-Aktien aus der zweiten Reihe

Ein künstliches Auge, in dem Schaltkreise zu sehen sind.

Der KI-Boom wird bislang von den großen Tech-Konzernen dominiert. Doch im Hintergrund etabliert sich eine zweite Reihe von Unternehmen, die mit Infrastruktur und Vorleistungen direkt vom KI-Trend profitieren.

💡 Key Takeaways: Profitieren vom KI-Infrastruktur-Boom
  • Wachsender Basismarkt: Der Markt für Rechenzentren wächst jährlich um über 15 %, getrieben durch den massiven Rechenleistungsbedarf moderner KI-Anwendungen.
  • Broadcom als Eckpfeiler: Mit ca. 64 Mrd. Dollar Jahresumsatz und einem Software-Anteil von 42 % bietet der Konzern Stabilität und Wachstum bei KI-Spezialchips (+20 % p.a. erwartet).
  • Netzwerk-Skalierung: Arista Networks profitiert von Datenvolumina, die sich alle 3-4 Jahre vervielfachen, und liefert softwaregesteuerte Lösungen für Cloud-Giganten.
  • Kritische Sicherheit: Da Cyberschäden auf jährlich 10 Bio. Dollar steigen könnten, wächst CrowdStrike mit über 30 % pro Jahr durch KI-gestützte Echtzeit-Abwehr.

Seit dem Aufkommen des KI-Booms richtet sich die Aufmerksamkeit der Börse auf die großen Technologiekonzerne, die als zentrale Treiber dieser Entwicklung gelten. Namen wie Microsoft, Alphabet oder Nvidia dominieren die Schlagzeilen und investieren zusammen jährlich Hunderte Milliarden US-Dollar in den Ausbau ihrer KI-Kapazitäten.

Inzwischen wird aber auch ein wesentlicher Teil der Wertschöpfung abseits der prominenten Namen erwirtschaftet. Im Hintergrund etabliert sich eine zweite Reihe von Unternehmen, die die notwendige Infrastruktur für den KI-Boom bereitstellen. Dazu zählen Anbieter von Chips, Netzwerktechnik und IT-Sicherheit. 

Infrastruktur als Fundament 

Für Anleger eröffnet sich damit ein erweitertes Feld an Investmentchancen jenseits der großen Tech-Konzerne. Künstliche Intelligenz (KI) ist schließlich kein isoliertes Produkt, sondern ein Zusammenspiel aus Hardware, Netzwerken und Software, das erhebliche Rechenleistung erfordert. Der steigende Bedarf daran führt wiederum zu massiven Investitionen in Rechenzentren. 

Dieser Markt wächst Schätzungen zufolge jährlich um über 15 %. Und mit der zunehmenden Nutzung von KI-Anwendungen steigen auch die Datenmengen, die verarbeitet und zwischen den Rechenzentren übertragen werden müssen. Entsprechend wächst der Bedarf an leistungsfähigen Netzwerklösungen. 

Diese Systeme müssen abgesichert werden. Denn Cyberangriffe können erhebliche wirtschaftliche Schäden verursachen. Schätzungen zufolge könnten diese in den kommenden Jahren auf über 10 Billionen US-Dollar jährlich anwachsen.

An dieser Wertschöpfungskette entlang positionieren sich spezialisierte Anbieter, die nicht selbst als Plattformgiganten auftreten, aber eine zentrale Rolle für deren Geschäftsmodelle einnehmen. Drei dieser „Spezialisten“ stellen wir nachfolgend vor.

Das Rückgrat der Rechenleistung

Die physische Basis der künstlichen Intelligenz bildet die Halbleitertechnologie. Hier hat sich Broadcom als ein zentraler Akteur etabliert. Das Unternehmen erzielt einen Jahresumsatz von rund 64 Mrd. US-Dollar und kombiniert ein starkes Halbleitergeschäft mit Infrastruktur-Softwarelösungen für Rechenzentren. Verdient wird also nicht nur an Rechenleistung selbst, sondern auch daran, wie Daten in Rechenzentren bewegt und verarbeitet werden.

Ein wesentlicher Wachstumstreiber bleibt aber die steigende Nachfrage nach spezialisierten Halbleitern für KI-Anwendungen. Analysten erwarten bis 2030 Wachstumsraten von über 20 % jährlich für diesen Markt. Broadcom profitiert dabei zusätzlich von seiner starken Position im Bereich kundenspezifischer Chips. Große Cloudanbieter setzen zunehmend auf maßgeschneiderte Lösungen, um ihre Systeme effizienter aufzustellen.

Die zweite Säule ist die Infrastruktursoftware. Dieses Geschäftsmodell wurde durch Übernahmen ausgebaut. Inzwischen entfallen knapp 42 % der Umsätze darauf. Das sorgt für stabilere und planbare Einnahmen. 

Im vergangenen Geschäftsjahr verzeichnete Broadcom erneut ein solides Wachstum im zweistelligen Prozentbereich, getragen von der hohen Nachfrage aus dem Cloud- und KI-Umfeld. Das treibt den Aktienkurs an. Die Notierung konnte in den vergangenen fünf Jahren unter Schwankungen um ein Vielfaches zulegen. Analysten sehen weiterhin Potenzial, verweisen jedoch auf die ambitionierte Bewertung und die Abhängigkeit von Großkunden als Faktoren, die im Blick behalten werden sollten.

Top-Analysen, exklusive Tipps & Markttrends – unabhängig und praxisnah.

24-mal im Jahr fundierte Börsenanalysen

Jetzt Abo abschließen!

Die unsichtbaren Verbindungen

Für künstliche Intelligenz ist außerdem eine leistungsfähige Netzwerkinfrastruktur entscheidend. Enorme Datenmengen müssen in Echtzeit verarbeitet und effizient zwischen Servern ausgetauscht werden. Schätzungen zufolge vervielfacht sich das Datenvolumen in Rechenzentren alle drei bis vier Jahre. 

Schon kleine Engpässe können die Effizienz massiv beeinträchtigen. Genau hier knüpfen das Geschäftsmodell und die Stärken von Arista Networks an. Das Unternehmen ist auf Hochleistungsnetzwerke für Rechenzentren spezialisiert und erzielt einen Jahresumsatz von rund 9 Mrd. US-Dollar. Zu den Kunden zählen zahlreiche große Cloudanbieter.

Ein entscheidender Vorteil liegt darin, dass Arista seine Netzwerklösungen über Software steuert. Dadurch lassen sich Netzwerke flexibel anpassen und erweitern, oft ohne größere Eingriffe in die Hardware. Gerade in Cloudumgebungen, in denen sich Anforderungen ständig ändern, ist das ein wichtiger Faktor. Zusätzlich sorgen wiederkehrende Einnahmen aus Softwareabonnements für stabile Erlöse.

Finanziell zeigt sich das Unternehmen robust und erzielt seit Jahren Wachstumsraten von über 20 %. Die enge Zusammenarbeit mit großen Cloudanbietern wirkt als Wachstumstreiber, bringt aber auch eine gewisse Kundenkonzentration mit sich. Die langfristigen Perspektiven bleiben intakt, da die Cloud und künstliche Intelligenz den Bedarf an leistungsfähigen Netzwerklösungen weiter antreiben.

Sicherheit im digitalen Zeitalter

Für künstliche Intelligenz wird auch IT-Sicherheit zunehmend zum kritischen Faktor, da mit der wachsenden Vernetzung und den steigenden Datenmengen die Angriffsflächen für Cyberkriminelle deutlich zunehmen. Unternehmen müssen ihre Systeme daher auch sicher gestalten. 

Hier kommt CrowdStrike ins Spiel. Das Geschäftsmodell basiert auf einer zentral gesteuerten Plattform, die Endgeräte wie Server kontinuierlich überwacht und Bedrohungen in Echtzeit erkennt. Dadurch können Angriffe frühzeitig identifiziert und abgewehrt werden. Denn auch Cyberkriminelle nutzen zunehmend automatisierte und KI-gestützte Methoden, um Angriffe schneller und gezielter durchzuführen. Entsprechend steigt der Bedarf an Lösungen, die Bedrohungen ebenso schnell und automatisiert erkennen können.

CrowdStrike profitiert außerdem von dem Trend hin zu abonnementbasierten Sicherheitslösungen und erzielt mehr als 90 % seiner Umsätze wiederkehrend, was für stabile Cashflows sorgt. Gleichzeitig baut das Unternehmen sein Angebot kontinuierlich aus. Die Dynamik spiegelt sich in den Zahlen wider: Der Umsatz legte zuletzt regelmäßig um über 30 % pro Jahr zu, während die Zahl der Firmenkunden auf über 20.000 stieg, darunter zahlreiche große internationale Konzerne. 

Diese Entwicklung wird auch an der Börse honoriert, weshalb die Bewertung zeitweise als ambitioniert gilt. Ein Risiko bleibt der intensive Wettbewerb in der Branche. Neben etablierten Anbietern drängen neue Spezialisten auf den Markt. Dennoch spricht vieles dafür, dass CrowdStrike aufgrund seiner Position und Skalierbarkeit weiterhin zu den strukturellen Gewinnern zählt.

Die Kapital Medien GmbH, der Verlag der Finanzzeitschriften AnlegerPlusAnlegerPlus News und AnlegerLand ist eine 100-%-Tochter der SdK Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e.V.

Foto: © Brian Penny auf Pixabay

AnlegerPlus