Ad-hoc-Analyse 2025: Erneut viele Enttäuschungen – nur eine Prognoseanhebung im DAX

Eine Ansicht des Frankfurter Bankenviertels.

Von Knut Wichering, Leiter der EQS-Niederlassung Hamburg

An diesem Trend im Prime Standard konnte auch die erratische Zollpolitik von US-Präsident Trump nicht rütteln: Die Zahl der Ad-hoc-Meldungen mit den Schlagwörtern „Prognoseänderung“ und/oder „Gewinnwarnung“ war 2025 zum fünften Mal in Folge rückläufig. Insgesamt 119 Mal passten die Emittenten im vergangenen Jahr ihre Planzahlen an – allerdings in mehr als 70 % der Fälle nach unten.

💡 Key Takeaways: Ad-hoc-Analyse 2025
  • Negativ-Trend verfestigt: Von insgesamt 119 Prognoseanpassungen im Prime Standard fielen über 70 % negativ aus – ein deutlicher Rückgang zum Vorjahr.
  • DAX-Einzelkämpfer: Nur die adidas AG konnte 2025 ihre Ziele anheben; im Vorjahr verzeichnete der Leitindex noch vier von zehn positiven Meldungen.
  • MDAX-Phänomen: Mit nur 1,86 Meldungen pro Unternehmen bleibt die Kommunikationsfrequenz im MDAX erneut signifikant hinter dem Gesamtschnitt von 2,54 zurück.
  • Strategisches Timing: Emittenten nutzen weiterhin gezielt den „After-Work-Peak“ nach 17:30 Uhr (Xetra-Schluss) für potenziell kursrelevante Insiderinformationen.

Insgesamt veröffentlichten die 261 Emittenten aus dem Prime Standard (dazu gehören unter anderem DAX, MDAX und SDAX) im vergangenen Jahr 678 Ad-hoc-Meldungen mit potenziell kursbeeinflussenden Tatsachen – und damit rund neun Prozent weniger als 2024. Dies geht aus einer Auswertung der EQS Group hervor, deren weltweites Newswire über 90 % der Prime-Standard-Emittenten für die Erfüllung ihrer Meldepflichten nutzen.

„Phänomen“ MDAX: Deutlich weniger Veröffentlichungen

Trotz des Rückgangs der Veröffentlichungen blieben die durchschnittlichen Ad-hoc-Meldungen je Unternehmen mit 2,54 gegenüber dem Vorjahr (2,67) weitgehend stabil. Denn auch die Zahl der Emittenten im Prime Standard hat sich weiter verringert – von 273 im Dezember 2024 auf 261 Ende 2025. Ähnlich sah es bei den einzelnen Indizes aus: Im DAX  lag der Wert bei 2,50 statt 2,53, im MDAX bei 1,86 statt 2,06 und im SDAX war der Wert mit 2,50 sogar unverändert.

Auffällig ist jedoch, dass die MDAX-Unternehmen deutlich weniger Insiderinformationen versenden als die übrigen Prime-Standard-Emittenten. Dieses „Phänomen“ ist allerdings nicht neu: Bereits in den vergangenen Jahren lag die Zahl der Ad-hoc-Meldungen bei den mittelgroßen Unternehmen regelmäßig deutlich unter dem Durchschnitt des Prime Standards – 2024 mit 2,06 gegenüber 2,67, 2023 mit 2,02 gegenüber 2,70 und 2022 mit 2,22 gegenüber 2,83.

Prognosen: Nur eine Erhöhung der Ziele im DAX

Im DAX hatte 2025 lediglich eine von neun Prognoseänderungen einen positiven Inhalt. Während die adidas AG die Messlatte höher legte, musste die Porsche AG die Planzahlen sogar zweimal nach unten anpassen. Schlechte Nachrichten an die Aktionäre überbrachten außerdem BASF SE, Beiersdorf AG, Brenntag SE, MTU Aero Engines AG, Volkswagen AG und Zalando SE. Zum Vergleich: Im Vorjahr wurden immerhin bei vier von zehn Prognoseänderungen die Ziele angehoben.

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Auch in den übrigen Segmenten fiel die Bilanz negativ aus: Im MDAX wurden bei 23 Anpassungen 13 Mal die Planzahlen nach unten korrigiert, im SDAX bei 28 von 40 Prognoseänderungen – und im sonstigen Prime Standard führte sogar nur jede vierte Neuberechnung (11 von 47) zu höheren Zielen.

Schlagwörter: „Personalie“ und „Aktienrückkauf“ unter den Favoriten

Die Prognoseänderungen erreichten im Jahr 2020 ihren Höhepunkt – die 254 Meldungen waren damals ein Ausdruck der allgemeinen Planungsunsicherheit, die nach dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie herrschte. Inzwischen ist die Zahl nicht mal mehr halb so groß und dennoch sind „Prognoseänderung“ bzw. „Gewinnwarnung“ weiterhin die am häufigsten gewählten Schlagwörtern beim Versand – oftmals in Verbindung mit Prognose (70). Da jedoch viele Emittenten mehrere Schlagwörter wählten, kam es hier immer wieder zu Überschneidungen. Weitere beliebte Kennzeichnungen waren „Vorläufiges Ergebnis“ (91), „Personalie“ (63) und „Aktienrückkauf“ (51).

In diesem Jahr hat die BaFin im Zuge der neuen Prozesse zur elektronischen Übermittlung von Insiderinformationen einen standardisierten Schlagwortkatalog eingeführt – „Prognoseänderung“ und „Gewinnwarnung“ sind darin nicht enthalten. Seit Februar lassen sich daher Veränderungen bei den Planzahlen nicht mehr direkt über eine Schlagwortsuche filtern.

Konstanz beim Timing der Ad-hoc-Meldungen

Die Auswertung der Ad-hoc-Meldungen im Prime Standard zeigt auch: Beim Timing blieben die Emittenten auch 2025 erstaunlich konstant. Die Veröffentlichungen verteilten sich erneut relativ gleichmäßig auf die ersten vier Arbeitstage (Montag bis Donnerstag) der Woche. Der „Lieblingstag“ bleibt – mit wohl eher statistisch marginalem Vorsprung – der Dienstag. Der Freitag fällt hingegen gegenüber den anderen Wochentagen etwas ab.

Auch beim Blick auf die Uhrzeit bestätigt sich weitgehend das bekannte Muster. Die Ad-hoc-Meldungen wurden relativ gleichmäßig über die offiziellen Xetra-Handelszeiten von 9:00 bis 17:30 Uhr hinweg veröffentlicht, ohne signifikante Ausschläge innerhalb des Handelstags.

Eine Veränderung gegenüber den Vorjahren ist jedoch erkennbar: Während in den Vorjahren in den beiden Stunden vor Beginn des Xetra-Handels (7:00 bis 9:00 Uhr) regelmäßig mehr Meldungen veröffentlicht wurden als in der ersten Handelsstunde, bestätigte sich dieses Muster 2025 nicht.

Unverändert blieb hingegen ein anderer Effekt: Nach dem Ende des institutionellen Xetra-Handels ist erneut ein deutlicher Veröffentlichungs-Peak zu beobachten. Obwohl der Handel für Privatanleger über andere Handelsplätze weiterhin möglich ist, nutzen viele Emittenten weiterhin gezielt das Zeitfenster nach 17:30 Uhr für ihre Kommunikation potenziell kursrelevanter Informationen.

Fazit

Das Jahr 2025 brachte keine grundlegende Veränderung im Kommunikationsverhalten der Emittenten. Deutlich wird jedoch, dass sich das bereits im Vorjahr schwache Sentiment verfestigt hat und die Prognosesenkungen weiter deutlich in der Überzahl waren. Zum Vergleich: 2023 waren im DAX noch mehr als die Hälfte der Prognoseänderungen positiv, im MDAX sogar über 60 %.

Spannend wird nun sein, ob und wie die regulatorischen Neuerungen das Meldeverhalten beeinflussen. Nach den neuen BaFin-Prozessen zur elektronischen Übermittlung von Insiderinformationen müssen sich die Emittenten ab dem Sommer zusätzlich mit den Anforderungen des EU Listing Act auseinandersetzen.

Die Kapital Medien GmbH, der Verlag der Finanzzeitschriften AnlegerPlusAnlegerPlus News und AnlegerLand ist eine 100-%-Tochter der SdK Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e.V.

Foto: © Klaus Dieter vom Wangenheim auf Pixabay

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