Altersvorsorgedepot: Vorteile, Nachteile und was Riester-Sparer wissen sollten

Eine ältere Person, die einen Geldbeutel in den Händen hält.

Das Altersvorsorgedepot (AVD) ist das Herzstück der privaten Altersvorsorge-Reform. Ab dem 1. Januar 2027 löst es die Riester-Rente für Neuverträge ab. Das Modell ist vor allem für Sparer attraktiv, die langfristig in den Kapitalmarkt investieren wollen und die staatliche Förderung gezielt nutzen möchten. Gleichzeitig lohnt sich ein genauer Blick auf Chancen und Grenzen.

💡 Key Takeaways: Das neue Altersvorsorgedepot
  • Höhere Förderung: Ab 2027 erhalten Sparer bis zu 540 Euro Grundzulage pro Jahr – ein massives Plus gegenüber den bisherigen 175 Euro bei Riester.
  • Renditechance durch ETFs: Ohne verpflichtende Beitragsgarantie sind 100 % Aktienquoten möglich, was historisch reale Renditen von 6 % bis 8 % p.a. ermöglicht.
  • Steuervorteile nutzen: Die Ansparphase ist komplett steuerfrei; weder Abgeltungssteuer noch Vorabpauschalen schmälern den Zinseszinseffekt.
  • Kostentransparenz: Für das staatliche Standardprodukt gilt ein Kostendeckel von 1 % pro Jahr, wobei selbst gewählte ETF-Depots noch günstiger sein können.
  • Flexibilität für Riester-Sparer: Bestehende Verträge können beitragsfrei gestellt werden, um parallel vom renditestärkeren Depotmodell zu profitieren.

Das am 27. März 2026 im Bundestag beschlossene Altersvorsorgereformgesetz (pAV-RG) bringt die lang ersehnte Flexibilität in die private Vorsorge. Im Gegensatz zur alten Riester-Rente entfällt die Pflicht zur 100-prozentigen Beitragsgarantie, was den Weg für renditestarke Anlagen in ETFs und Fonds frei macht. Das Interesse an der neuen Möglichkeit zur Altersvorsorge war von Anfang groß.

Vorteile des Altersvorsorgedepots

Ein zentraler Vorteil ist die staatliche Förderung. Auf jeden eingezahlten Euro gibt es bis 360 Euro eine Zulage von 50 Cent, danach 25 Cent bis zur Obergrenze von 1.800 Euro. Wer den Förderhöchstbetrag ausschöpft, erhält bis zu 540 Euro pro Jahr. Das liegt deutlich über der bisherigen Riester-Grundzulage von 175 Euro.

Hinzu kommt die steuerfreie Ansparphase. Während des Vermögensaufbaus fallen weder Abgeltungssteuer auf Kursgewinne noch Vorabpauschale oder Steuern auf Umschichtungen zwischen Fonds an. Dadurch kann der Zinseszinseffekt über viele Jahre ungestört wirken.

Ein weiterer Pluspunkt ist die flexible Kapitalanlage. Das Altersvorsorgedepot kann bis zu 100 % in Fonds investieren, darunter auch breit gestreute ETFs auf Indizes wie den MSCI World oder den FTSE All-World. Anders als bei klassischen Riester-Produkten gibt es keine verpflichtende Beitragsgarantie, die Umschichtungen in niedrig verzinste Anlagen erzwingt. Langfristig haben breit gestreute Aktienanlagen weltweit im Durchschnitt reale Renditen von etwa 6 bis 8 % pro Jahr erzielt. Gleichzeitig sinkt mit zunehmender Anlagedauer das Risiko von Verlusten deutlich.

Auch Familien profitieren. Die Kinderzulage kann bis zu 300 Euro pro Kind und Jahr betragen und greift bereits ab 25 Euro monatlichem Eigenbeitrag. Bei zwei Kindern ergeben sich so 600 Euro Zulagen. Zusammen mit der Grundzulage kann damit aus 300 Euro Eigenleistung ein jährlicher Sparbetrag von über 1.000 Euro entstehen.

Positiv ist außerdem, dass alle Selbstständigen förderberechtigt sein sollen. Freelancer, Unternehmer und Freiberufler wären damit erstmals umfassend in ein staatlich gefördertes Altersvorsorgemodell einbezogen.

Ein weiterer Unterschied zu Riester liegt in der Auszahlungsphase. Statt einer weitgehenden Verrentung besteht mehr Flexibilität. Vorgesehen sind ein Auszahlplan bis 85, eine lebenslange Leibrente oder eine Kombination. Bis zu 30 % des Kapitals können als Einmalbetrag entnommen werden.

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Nachteile des Altersvorsorgedepots

Das Altersvorsorgedepot kann ohne verpflichtenden Kapitalschutz ausgerichtet werden. Dadurch kann das Guthaben zwischenzeitlich deutlich schwanken und auch ins Minus geraten. Wer kurz vor dem Ruhestand von einer Marktphase mit Kursverlusten betroffen ist, trägt dieses Risiko selbst. Optionale Garantievarianten mit 80 % oder 100 % Absicherung sollen möglich sein, gehen aber zulasten der Rendite.

Ein weiterer Punkt ist die Bindung des Kapitals. Vorzeitige Entnahmen sind zwar möglich, gelten aber als förderschädlich. In diesem Fall müssen Zulagen und steuerliche Vorteile zurückgezahlt werden. Das Altersvorsorgedepot ist damit keine flexible Rücklage.

Auch die Kosten verdienen Aufmerksamkeit. Für das Standardprodukt ist ein Kostendeckel von 1 % pro Jahr vorgesehen. Im Vergleich zu einem selbst gewählten ETF mit etwa 0,2 % laufenden Kosten kann sich über Jahrzehnte ein Unterschied von mehreren 10.000 Euro ergeben. Gerade langfristig wirkt sich das deutlich auf das Endvermögen aus.

Hinzu kommt die Besteuerung im Ruhestand. Das gesamte geförderte Guthaben wird mit dem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert. Bei einem normalen Depot fällt in vielen Fällen nur die Abgeltungssteuer an, ergänzt um Teilfreistellungen. 

Außerdem ist die Auswahl der Anlagen begrenzt. Zugelassen sind Fonds der Risikoklassen 1 bis 5, EU-Staatsanleihen und Geldmarktfonds. Einzelaktien, Kryptowährungen und spekulative Produkte sind ausgeschlossen. Wer darüber hinaus investieren möchte, benötigt ein zusätzliches Depot.

Checkliste: Das neue Altersvorsorgedepot (AVD)

👍 Vorteile

  • Top-Förderung: Bis 540 € Zulage + Kinderbonus.
  • ETF-Power: 100 % Aktienquote für maximale Rendite.
  • Steuerfrei sparen: Keine Abgeltungssteuer während des Aufbaus.
  • Kostenschutz: 1 % Deckel für Standardprodukte.
  • Für alle: Inklusive aller Selbstständigen & Freiberufler.

👎 Nachteile

  • Marktrisiko: Keine Beitragsgarantie (im reinen Depot).
  • Erbfalle: Förder-Rückzahlung bei Tod (außer Ehepartner).
  • Unflexibel: Entnahmen führen zu Zulagen-Verlust.
  • Steuer im Alter: Volle Versteuerung der Rentenzahlungen.
  • Anlage-Limit: Nur Fonds/ETFs, keine Einzelaktien.

Standardprodukt und Anbieter

Für Sparer, die sich nicht selbst um die Anlage kümmern möchten, ist ein sogenanntes Standardprodukt vorgesehen. Dabei handelt es sich um eine gesetzlich definierte Lösung mit breit gestreuter Fondsanlage, automatischer Risikosteuerung und einem Kostendeckel von 1 % pro Jahr. Alternativ können Anleger ihr Altersvorsorgedepot auch selbst gestalten und beispielsweise gezielt auf kostengünstige ETFs setzen. Angeboten werden die Produkte von Banken, Fondsgesellschaften und Versicherern.

Was Riester-Sparer beachten sollten

Bestehende Riester-Verträge bleiben vom Altersvorsorgedepot unberührt. Eine automatische Umstellung ist nicht vorgesehen. Sparer können ihren Vertrag jedoch in der Regel beitragsfrei stellen und parallel ein Altersvorsorgedepot aufbauen. Das bereits angesparte Kapital bleibt im Riester-Vertrag gebunden.

Ob künftig eine Übertragung von Riester-Guthaben in ein Altersvorsorgedepot möglich sein wird, ist derzeit noch nicht abschließend geregelt. Wer bereits riestert, sollte diese Entwicklung daher genau verfolgen.

Fazit: Für wen lohnt sich das Altersvorsorgedepot?

Für viele Sparer mit einem Anlagehorizont von 15 Jahren oder mehr überwiegen die Vorteile. Die Kombination aus staatlicher Förderung, steuerfreier Ansparphase und höherer Aktienquote ist in dieser Form neu. Entscheidend ist, die Förderung konsequent zu nutzen und die Kosten im Blick zu behalten. Dann kann das Altersvorsorgedepot ein sinnvoller Baustein für die langfristige Altersvorsorge sein.

Die Kapital Medien GmbH, der Verlag der Finanzzeitschriften AnlegerPlusAnlegerPlus News und AnlegerLand ist eine 100-%-Tochter der SdK Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e.V.

Foto: ©Gerd Altmann auf Pixabay

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