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Fed: Zinserhöhung im September? 57 % Chance & Folgen
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Fed: Zinserhöhung im September wird wahrscheinlicher

29.08.2026

3–5 Minuten

Thomas G. Wunder

Kevin Warsh bei einer Rede.

Fed-Chef Kevin Warsh bereitet die Märkte auf eine mögliche Zinserhöhung vor. Damit stellt er sich gegen Präsident Donald Trump, der weiterhin niedrigere Zinsen fordert und seinen Einfluss auf die US-Notenbank ausweiten möchte. Für Anleger steigt die geldpolitische und politische Unsicherheit.

💡 Key Takeaways: Fed-Zinsentscheidung im September
  • September-Zinsschritt im Fokus: Gemäß CME FedWatch Tool erwarten bereits 57 % der Marktteilnehmer eine Zinsanhebung der Fed Funds Rate von 3,50–3,75 % auf 3,75–4,00 %.
  • Hawkish Signal aus Jackson Hole: Fed-Chef Kevin Warsh knüpft weitere Schritte strikt an die Inflation (Ziel: 2,0 %) und macht den Vorpressen der Notenbank von neuen Konjunkturdaten abhängig.
  • Reaktionen am Finanzmarkt: Kurzfristige US-Anleihen geraten durch steigende Renditen unter Druck, während defensivere Titel und der US-Dollar profitieren können; Tech- und Growth-Aktien drohen Abgaben.
  • Politische Belastungsprobe: Donald Trump plädiert öffentlich für niedrigere Zinsen und versuchte unter anderem durch die versuchte Absetzung von Gouverneurin Lisa Cook den Fed-Vorstand umzuschichten – ein Belastungstest für die Unabhängigkeit der Notenbank.

Die US-Notenbank könnte im September erstmals unter ihrem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh die Zinsen erhöhen. Laut FedWatch Tool der CME Group rechnen derzeit 57 % der Marktteilnehmer mit einer Anhebung der Fed Funds Rate von 3,50 bis 3,75 % auf 3,75 bis 4 %. Die übrigen erwarten unveränderte Zinsen.

Auslöser für die Neubewertung war Warshs Rede beim Notenbanktreffen in Jackson Hole. Der Fed-Chef betonte, dass die Inflation weiterhin deutlich über dem 2-%-Ziel liege. Gleichzeitig seien Wirtschaft und Arbeitsmarkt robust, während die Finanzierungsbedingungen kaum restriktiv wirkten. Sollte die zugrunde liegende Inflation nicht klar und ausreichend schnell zurückgehen, habe die Fed noch Arbeit zu erledigen.

Eine Zinserhöhung kündigte Warsh allerdings nicht ausdrücklich an. Maßgeblich dürften die bis zur Sitzung am 15. und 16. September veröffentlichten Konjunktur- und Inflationsdaten sein. Warsh will sich zudem nicht durch frühzeitige Zinssignale festlegen. Dadurch dürften die Märkte künftig noch stärker auf einzelne Wirtschaftsdaten reagieren.

Mögliche Folgen für Investoren

Am Anleihemarkt würde eine höhere Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt vor allem die Renditen kurz laufender US-Staatsanleihen steigen lassen. Ihre Kurse gerieten entsprechend unter Druck. Der Dollar könnte dagegen profitieren. Bei länger laufenden Anleihen ist die Wirkung weniger eindeutig: Eine konsequente Inflationsbekämpfung kann die langfristigen Inflationserwartungen begrenzen und damit einen noch stärkeren Renditeanstieg verhindern.

Am Aktienmarkt wären vor allem hoch bewertete Wachstumsunternehmen, Immobilienwerte und stark verschuldete Firmen anfällig. Höhere Zinsen reduzieren den heutigen Wert künftiger Gewinne und verteuern die Finanzierung. Die robuste Konjunktur und steigende Unternehmensgewinne sprechen allerdings gegen ein pauschal negatives Börsenszenario. Da eine Erhöhung bereits mit 57 % eingepreist ist, dürfte die Marktreaktion vor allem davon abhängen, wie eindeutig die nächsten Inflationsdaten ausfallen.

Trump fordert niedrigere Zinsen

Politisch wäre eine Erhöhung brisant. Trump bezeichnete das aktuelle Zinsniveau am 19. August als künstlich hoch. Seiner Ansicht nach sollten die Zinsen angesichts der Stärke der US-Wirtschaft sinken. Bereits im Juli hatte er erklärt, die USA sollten die niedrigsten Zinsen der Welt haben.

Dabei geht es Trump nicht nur um einzelne Zinsschritte. Er hat wiederholt versucht, größeren Einfluss auf die eigentlich unabhängige Notenbank zu gewinnen. Neben seinen öffentlichen Angriffen auf den früheren Fed-Chef Jerome Powell ernannte er Warsh zu dessen Nachfolger und versuchte, Fed-Gouverneurin Lisa Cook aus dem Amt zu entfernen. Eine Neubesetzung ihres Sitzes hätte Trump geholfen, die Mehrheitsverhältnisse im Fed-Vorstand zu seinen Gunsten zu verändern. Die Gerichte haben Cook jedoch vorerst im Amt gehalten.

Direkt anweisen kann Trump die Fed nicht. Die Zinsentscheidungen des Offenmarktausschusses benötigen keine Zustimmung des Präsidenten. Eine Erhöhung im September würde deshalb auch zu einem Test für Warshs Unabhängigkeit: Folgt er den Inflationsdaten und riskiert einen Konflikt mit dem Weißen Haus – oder bleibt die Fed trotz anhaltenden Preisdrucks abwartend?

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Foto: © Federal Reserve

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