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Staatsverschuldung: die goldene Zwickmühle
Warren Wise Podcast
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Staatsverschuldung: die goldene Zwickmühle

06.10.2026

4–6 Minuten

Alexander Bosch

Mehrere 100-Dollar-Scheine.

Die Schuldenberge wachsen, die Zinsen steigen und Gold steht zwischen beiden Entwicklungen. Während die Sorge um die Staatsfinanzen den Preis stützt, machen hohe Zinsen das Edelmetall weniger attraktiv.

💡 Key Takeaways: Gold im Spannungsfeld von Zinsen & Staatsverschuldung
  • Explodierende US-Schulden: Die US-Staatsverschuldung hat 40 Billionen USD erreicht – allein in den ersten 10 Monaten des Fiskaljahres belief sich die Zinslast auf 1,17 Billionen USD.
  • Renditen auf Mehrmonats- & Dekadenhochs: 30-jährige US-Staatsanleihen stiegen von ca. 1 % (2020) auf über 5 %, während japanische 30-Jahres-Anleihen mit über 4 % ein 30-Jahres-Hoch erreichten.
  • Gold im Zinsdilemma: Höhere Marktzinsen drückten den Goldpreis von 5.600 USD zeitweise unter 4.000 USD, ehe Notenbankkäufe (289 Tonnen im Q2) und Verschuldungssorgen ein Comeback Richtung 4.700 USD auslösten.
  • Warnsignal Private Debt: Im 1,4 Billionen USD schweren Markt für private Unternehmenskredite kletterte die Ausfallquote auf 6 % – Parallelen zur Subprime-Krise 2007 werden sichtbar.

Seit der Coronakrise sind die Renditen an den internationalen Anleihemärkten kräftig gestiegen. Das zeigt sich in den USA sehr deutlich. Dort rentierten 30-jährige US-Staatsanleihen 2020 zeitweise mit kaum mehr als 1 %. Anfang September waren es mehr als 5 %. Auch in Europa und Japan ist die jahrelange Niedrigzinsphase vorbei. Zehnjährige Bundesanleihen erreichten im September rund 3,4 %, während die Rendite 30-jähriger japanischer Staatsanleihen die Marke von 4 % überschritt, ein 30-Jahres-Hoch.

Auf den ersten Blick treiben der Nahostkrieg und die höheren Ölpreise die Inflation und damit die Marktzinsen an. Die Schlagzeilen werden bestimmt von zerstörten Raffinerien und Öltankern. Die stark wachsende Staatsverschuldung vor allem in den USA gerät da aus dem Blick. Dabei könnten die zusätzlichen Kriegskosten die Haushaltslage weiter verschärfen.

US-Schulden und Defizite

Die US-Staatsverschuldung ist mittlerweile auf 40 Billionen US-Dollar angewachsen. Auch im laufenden Fiskaljahr, das im September endet, kommen neue Schulden in großem Umfang hinzu. In den ersten zehn Monaten belief sich das Haushaltsdefizit auf 1,8 Billionen US-Dollar. Allein im Juli lag es bei 432 Mrd. US-Dollar und damit 18 % höher als im Vorjahresmonat. Die Regierungsausgaben stiegen gegenüber Juli 2025 um 22 % auf 766 Mrd. US-Dollar. Dazu trugen auch Rückerstattungen von Zolleinnahmen bei, nachdem der Oberste Gerichtshof US-Zölle für unrechtmäßig erklärt hatte. Hinzu kommt die wachsende Zinslast. In den ersten zehn Monaten des aktuellen Fiskaljahres musste die US-Regierung dafür bereits 1,17 Billionen US-Dollar aufbringen.

Angesichts dieser Zinslast wird verständlich, warum US-Präsident Trump von der US-Notenbank Fed niedrigere Leitzinsen fordert. Sie würden die Finanzierung der hohen Staatsschulden erleichtern. Doch der von Trump favorisierte neue Fed-Chef Kevin Warsh folgt diesem Wunsch bislang nicht. Stattdessen hat er die sogenannte „Forward Guidance“ weitgehend aufgegeben. Die Fed gibt den Märkten damit weniger Hinweise darauf, welchen Zinskurs sie künftig einschlagen könnte. Warsh will sich dadurch mehr Spielraum für seine Entscheidungen verschaffen. Für die Märkte bedeutet der Kurswechsel allerdings mehr Unsicherheit.

Gold im Zinsdilemma

Die zuvor beschriebenen Entwicklungen haben unmittelbar Auswirkungen auf den Goldpreis. Hohe Zinsen wirken sich negativ auf den Preis für das Edelmetall aus, während Verschuldung, Inflation und Unsicherheit über die wirtschaftliche und geopolitische Entwicklung die Nachfrage nach Gold stützen.

In diesem Jahr kann man dieses Spannungsverhältnis gut beobachten. Nachdem viele Zentralbanken ihre Goldbestände ausgebaut hatten, um ihre Reserven breiter aufzustellen und die Abhängigkeit vom US-Dollar zu verringern, fuhren sie im ersten Quartal 2026 ihre Goldkäufe deutlich zurück.

Gleichzeitig änderte sich ab März das Zinsumfeld. Stark steigende Ölpreise im Zuge des Nahostkonflikts schürten die Inflationserwartungen und trieben die Marktzinsen nach oben. Inzwischen haben auch wichtige Notenbanken ihre Leitzinsen erhöht. Für Gold ist das grundsätzlich ein Nachteil. Während Anleihen höhere Zinsen abwerfen, bringt Gold keine laufenden Erträge. Der Goldpreis fiel von 5.600 US-Dollar je Feinunze auf zeitweise weniger als 4.000 US-Dollar im Juli.

Anfang August drehte der Goldpreis wieder in die andere Richtung und legte innerhalb einer Woche um 10 % zu. Anschließend stieg er weiter in Richtung 4.700 US-Dollar. Die wachsenden US-Staatsschulden sorgten bei Anlegern nun wieder für Verunsicherung und stärkten die Nachfrage nach Gold als sicherem Hafen. Gleichzeitig kauften auch die Notenbanken erneut verstärkt Gold. Im zweiten Quartal summierten sich ihre Käufe auf 289 Tonnen.

Goldene Ära?

Einige Marktexperten sprechen von einem „Schwarzen Loch“, das sich auftun könnte, sollte der Zinsanstieg bei langlaufenden Staatsanleihen insbesondere in den USA anhalten. Zur hohen Staatsverschuldung kommen laut Fed-Daten 14,5 Billionen US-Dollar an Unternehmenskrediten außerhalb des Finanzsektors sowie 5,2 Billionen US-Dollar an Krediten privater Haushalte hinzu. Solange die Zinsen niedrig waren, ließ sich diese Verschuldung leichter tragen. Werden alte Kredite nun fällig, müssen sie zu höheren Zinsen refinanziert werden. Dadurch steigt die Zinslast.

Erste Probleme zeigen sich bereits bei privaten Unternehmenskrediten, dem sogenannten Private Debt. Das Marktvolumen von rund 1,4 Billionen US-Dollar erscheint im Vergleich zur Gesamtverschuldung noch überschaubar. Doch die Ausfallquoten sind seit Jahresbeginn gestiegen und lagen laut Fitch Ratings Ende Mai bei 6 %. Das weckt Erinnerungen an die Subprime-Krise von 2007. Auch damals begannen die Probleme in einem vergleichsweise kleinen Teil des US-Hypothekenmarktes. Als immer mehr Kreditnehmer ihre Schulden nicht mehr bedienen konnten, griffen die Ausfälle über Banken und Finanzprodukte auf das gesamte Finanzsystem über und mündeten schließlich in einer Finanzkrise.

Gold könnte von solchen Sorgen profitieren. Das Edelmetall ist anders als beispielsweise eine Anleihe keine Forderung gegenüber einem Schuldner und damit auch nicht von dessen Zahlungsfähigkeit abhängig. Gerade Krisenzeiten machen das Gold als sicheren Hafen attraktiv. 

Die Kapital Medien GmbH, der Verlag der Finanzzeitschriften AnlegerPlus, AnlegerPlus News und AnlegerLand, ist eine 100-%-Tochter der SdK Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e.V.

Foto: © Giorgio Trovato auf Unsplash

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