Bei welchen Aktien lohnt sich ein zweiter Blick? Fünf Kennzahlen helfen Anlegern, Ertragskraft, finanzielle Stabilität und Börsenbewertung eines Unternehmens einzuschätzen.
- KGV reicht nicht aus: Mehrjährige Entwicklungen und Branchenvergleiche schützen vor verfälschten Einmaleffekten und Schrumpfgeschäften.
- Operative Marge von z. B. 20 %: Zeigt direkt, dass 20 Cent pro Euro Umsatz als Gewinn verbleiben – ein Indikator für Preissetzungsmacht.
- FCF-Rendite (z. B. 5 % bei 500 Mio. € FCF / 10 Mrd. € Börsenwert): Setzt die reale Ertragskraft ins direkte Verhältnis zur aktuellen Bewertung.
- Nachhaltigkeit prüfen: Das Free-Cashflow-Wachstum je Aktie sollte über 3 bis 5 Jahre analysiert werden, um verlässliche Trends zu erkennen.
Ein niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) allein macht eine Aktie noch nicht zum Schnäppchen. Vielleicht schrumpft das Geschäft oder der Gewinn ist nur vorübergehend besonders hoch. Wer aussichtsreiche Unternehmen finden möchte, sollte deshalb Qualität und Bewertung anhand weiterer Kennzahlen prüfen. Investitionen, Lagerabbau oder Sonderposten können einzelne Geschäftsjahre verzerren. Aussagekräftiger sind daher mehrjährige Entwicklungen und Vergleiche mit Unternehmen derselben Branche.
Kapitalrendite
Die Rendite auf das investierte Kapital (ROIC) zeigt, wie effizient ein Unternehmen mit dem eingesetzten Kapital arbeitet. Dafür wird der operative Gewinn ins Verhältnis zum betriebsnotwendigen Kapital gesetzt. Liegt die Rendite dauerhaft über den Kapitalkosten, schafft das Unternehmen Wert. Besonders interessant sind Firmen, die zusätzliches Kapital zu ähnlich hohen Renditen investieren können. Denn hohe Kapitalrenditen sind vor allem dann wertvoll, wenn genügend Raum für weiteres Wachstum besteht.
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Operative Marge
Die operative Marge setzt den Gewinn aus dem laufenden Geschäft vor Zinsen und Steuern ins Verhältnis zum Umsatz. Bei einer Marge von 20 % bleiben von jedem Euro Umsatz 20 Cent als operativer Gewinn übrig. Kosten für Verwaltung, Vertrieb und Forschung sowie Abschreibungen sind dabei bereits berücksichtigt. Eine dauerhaft hohe Marge kann auf starke Marktpositionen, Preissetzungsmacht und eine gute Kostenkontrolle hindeuten.
Nettoverschuldung zu EBITDA
Die Nettoverschuldung ergibt sich aus den Finanzschulden abzüglich der liquiden Mittel. Wird sie durch das EBITDA geteilt, lässt sich die Schuldenlast besser einordnen. Sinnvoll ist diese Kennzahl allerdings nur bei positivem EBITDA. Ein niedriger oder negativer Wert spricht grundsätzlich für eine solide Bilanz. Schließlich müssen aus den Erträgen auch Zinsen, Steuern und Investitionen finanziert werden. Je stärker die Gewinne schwanken, desto wichtiger sind geringe Schulden und ausreichend Liquidität.
Free-Cashflow-Wachstum
Der freie Cashflow (FCF) gibt den operativen Mittelzufluss nach Zinsen abzüglich Investitionen an. Sein durchschnittliches jährliches Wachstum je Aktie über drei bis fünf Jahre liefert Hinweise darauf, wie sich die finanzielle Ertragskraft entwickelt. Die Betrachtung je Aktie berücksichtigt zudem eine veränderte Aktienzahl. Bei einem Ausgangswert von null oder darunter verliert die Wachstumsrate allerdings ihre Aussagekraft. Entscheidend ist, ob sich ein positiver Trend nachhaltig fortsetzen lässt.
FCF-Rendite
Die FCF-Rendite verbindet schließlich Ertragskraft und Börsenbewertung. Sie setzt den freien Cashflow ins Verhältnis zum Börsenwert. Erzielt ein Unternehmen beispielsweise 500 Mio. Euro FCF bei einem Börsenwert von 10 Mrd. Euro, beträgt die Rendite 5 %. Zusammen mit dem FCF-Wachstum lässt sich damit die Bewertung besser einschätzen. Starkes und verlässliches Wachstum kann eine niedrigere Rendite rechtfertigen. Eine hohe Rendite kann dagegen Zweifel an der künftigen Ertragskraft widerspiegeln.
Der Kennzahlencheck liefert einen ersten Hinweis, bei welchen Aktien sich eine tiefergehende Analyse lohnt. Für Banken und Versicherungen gelten allerdings andere Maßstäbe.
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