Nvidia stellt für das kommende Geschäftsjahr ein Umsatzwachstum von rund 70 % in Aussicht und hat damit die Aktie deutlich nach oben getrieben. Auch Umsatz, Gewinn und der Ausblick auf das laufende Quartal übertrafen die Erwartungen. Gleichzeitig erhöhen sinkende Margen und Nvidias wachsendes finanzielles Engagement bei Kunden und Partnern die Risiken des KI-Booms.
- Starkes Umsatzplus: Der Q2-Umsatz stieg um 106 % auf 96,22 Mrd. US-Dollar, während der bereinigte Gewinn je Aktie um 120 % zulegte.
- Optimistischer Ausblick: Für das laufende Quartal peilt Nvidia 108 Mrd. US-Dollar Umsatz an; für das kommende Geschäftsjahr stellt der Konzern rund 70 % Wachstum in Aussicht.
- Margendruck durch Komponentenkosten: Die Bruttomarge fällt von 75 % im Q2 schrittweise auf voraussichtlich 71 bis 72 % im vierten Quartal.
- Wachsendes finanzielles Engagement: Neben 105 Mrd. US-Dollar an zugesagten Garantien halten die US-Amerikaner Beteiligungen von rund 99 Mrd. US-Dollar im KI-Sektor.
Der Chiphersteller Nvidia hat am Mittwoch nach Börsenschluss Zahlen zum abgelaufenen zweiten Quartal vorgelegt. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 106 % auf 96,22 Mrd. US-Dollar. Das Rechenzentren-Geschäft wuchs um 117 % auf 89,02 Mrd. US-Dollar. Damit übertraf das Unternehmen die Analystenerwartungen.
Der bereinigte verwässerte Gewinn je Aktie lag bei 2,22 US-Dollar und damit 120 % über dem Vorjahrswert.
Weniger glänzend entwickelte sich der freie Cashflow: Er brach gegenüber dem außergewöhnlich starken Vorquartal von 48,55 auf 21,34 Mrd. US-Dollar ein, lag damit aber noch 59 % über dem Vorjahreswert. Belastend wirkten unter anderem zwei US-Steuerzahlungen, der Vorratsaufbau und stark gestiegene Forderungen.
Nvidia peilt weiteres Rekordquartal an
Trotz des starken Umsatzwachstums geraten die Margen unter Druck. Während die Bruttomarge im zweiten Quartal bei 75 % lag, erwartet das Unternehmen für das laufende Quartal nur noch 74 %.
Hauptgrund sind stark gestiegene Speicher- und Komponentenkosten. Im vierten Quartal soll die Marge sogar auf 71 bis 72 % fallen und sich im kommenden Geschäftsjahr bei 72 bis 73 % stabilisieren.
Für das laufende Quartal stellt Nvidia einen Umsatz von 108 Mrd. US-Dollar in Aussicht. Umsätze mit Rechenzentrumsprozessoren in China sind darin nicht berücksichtigt. Analysten hatten laut FactSet im Schnitt 104,86 Mrd. US-Dollar erwartet.
Unmittelbar nach Veröffentlichung der Zahlen reagierte die Aktie zunächst verhalten. Erst als Finanzchefin Colette Kress im Conference Call für das kommende Geschäftsjahr rund 70 % Umsatzwachstum prognostizierte, drehte das Papier deutlich ins Plus. Nvidia bezeichnete die Prognose als angebotsbeschränkt. Nach den Bedarfsplanungen seiner Kunden könnte das Wachstum sogar noch höher ausfallen.

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Vom Chiphersteller zum KI-Finanzier
Nvidia ist mittlerweile mehr als nur ein Teilelieferant. Der Konzern hat sich zu einem der wichtigsten Dreh- und Angelpunkte des KI-Ökosystems gewandelt.
Gemeinsam mit Apollo, BlackRock, KKR und weiteren Kapitalgebern will Nvidia unabhängige Finanzierungsplattformen aufbauen, die über mehrere Jahre mehr als 500 Mrd. US-Dollar Drittkapital für KI-Infrastruktur mobilisieren sollen.
Für ein in neun Phasen geplantes Rechenzentrumsprojekt von SB Energy, dessen Mieter eine OpenAI-Tochter ist, hat Nvidia Garantien von maximal 105 Mrd. US-Dollar zugesagt. Sie werden frühestens ab dem Nvidia-Geschäftsjahr 2029 schrittweise wirksam und greifen nur bei bestimmten Zahlungsausfällen.
Laut Quartalsbericht hielt Nvidia zum Quartalsende Beteiligungen im Wert von rund 99 Mrd. US-Dollar und hatte weitere 25 Mrd. US-Dollar für Beteiligungen zugesagt. Dazu gehören Engagements bei KI-Laboren, Cloud-Anbietern und Infrastrukturfinanzierern, von denen einige wiederum Nvidia-Systeme kaufen oder nutzen.
Gegenüber einigen Cloud-Anbietern, die Nvidia-Chips kaufen, hat sich Nvidia zudem verpflichtet, Kapazitäten abzunehmen, wenn andere Kunden fehlen. Diese Abnahmeverpflichtungen belaufen sich auf rund 36 Mrd. US-Dollar.
Einige Kritiker sehen darin bereits eine zirkuläre Finanzierung. Die These, Nvidia finanziere seine Umsätze weitgehend selbst, lässt sich aus den veröffentlichten Zahlen allerdings nicht ableiten. Das Unternehmen finanziert zunehmend den Aufbau seines Ökosystems, legt aber nicht offen, welcher Umsatzanteil unmittelbar mit diesen Hilfen verbunden ist.
Rund 48,7 Mrd. US-Dollar beziehungsweise 51 % des Quartalsumsatzes entfielen auf das Hyperscaler-Geschäft. Unternehmen wie Amazon, Microsoft, Google und Meta finanzieren ihre Investitionen überwiegend aus umfangreichen eigenen Cashflows. Dieser Umsatz lässt sich deshalb nicht ohne Weiteres als zirkulär bezeichnen.
Weitere rund 40,3 Mrd. US-Dollar entfielen auf AI-Clouds, Industrie- und Unternehmenskunden. In diesem Block stecken eher die Unternehmen, bei denen sich Beteiligung, Finanzierung und Chipkäufe überschneiden können. Aber auch dort wird keineswegs jedes Geschäft von Nvidia finanziert.
Nvidia und Befürworter dieser Finanzierungsmodelle weisen den Vorwurf zirkulärer Finanzierung zurück. Die Modelle können Finanzierungshürden senken, Risiken auf mehrere Kapitalgeber verteilen und den Aufbau von Rechenzentren beschleunigen.
Geht der Boom weiter?
Investoren müssen sich deshalb vor allem die Frage stellen, wie sich die Nachfrage nach KI-Lösungen in den kommenden Monaten entwickeln wird. Setzen sich Ausbau und Monetarisierung von KI-Anwendungen fort, wird Nvidia überdurchschnittlich profitieren.
Geht die Nachfrage zurück, droht Nvidia eine Mehrfachbelastung durch weniger Chipbestellungen, die Abnahme ungenutzter Cloudkapazität, Wertverluste bei Beteiligungen, die mögliche Inanspruchnahme von Garantien sowie fortbestehende Lieferverpflichtungen gegenüber Speicher- und Chipproduzenten.
Auch hier ist das Bild zweigeteilt: Die Nutzung von KI-Anwendungen nimmt zwar zu. Ob ihre Erlöse und Produktivitätsgewinne die noch schneller wachsenden Investitionen in Recheninfrastruktur rechtfertigen, bleibt jedoch offen.
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