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Was ist eigentlich Carry: Chancen und Risiken einfach erklärt

30.09.2026

3–5 Minuten

Dr. Marko Gränitz

Einkaufskorb mit Dollarscheinen

„Carry“ heißt so viel wie „tragen“. Es bedeutet, dass Anleger risikobehaftete Wertpapiere über die Zeit „tragen“ und dafür eine positive Rendite erwarten können. Darauf basiert so manche Anlagestrategie.

💡 Key Takeaways: Die Carry-Strategie
  • Laufende Erträge nutzen: Der Carry-Effekt beschreibt den Ertrag eines Wertpapiers über die Zeit (z. B. Dividenden oder Zinsdifferenzen) bei unveränderten Kursen.
  • Breite Anwendung: Ob Devisen-Carry-Trades (Zinsunterschiede nutzen), Aktien (Dividenden), Immobilien (Mieteinnahmen) oder Rohstoffe – Carry funktioniert in vielen Anlageklassen.
  • Prognosekraft mit Renditepuffer: Der laufende Ertrag dient als Puffer gegen Verluste und ermöglicht historisch eine vergleichsweise gute Renditeprognose.
  • Erhebliche Risiken: Starke Kurs- oder Wechselkursverluste können den Carry-Effekt schnell aufzehren; Währungs-Carry-Trades bergen zudem deutliche Crash-Risiken.

Was versteht man unter Carry?

Ein Forscherteam um Ralph Koijen schreibt im Paper „Carry“, dass die Rendite eines Wertpapiers aus drei Komponenten besteht: aus der erwarteten und der unerwarteten Kurssteigerung sowie dem Carry. Letzteres kann man vereinfacht als laufenden Ertrag eines Wertpapiers verstehen – unter der Annahme, dass die Kurse in der Zukunft gleichbleiben. Dann wäre der Carry gewissermaßen „passives Einkommen“. Bei einer Aktie ist das die Dividendenrendite abzüglich des risikolosen Zinses. Eine einfache Carry-Strategie wäre also, Aktien mit hoher Dividendenrendite zu kaufen.

Was ist der klassische Carry-Trade?

Damit ist die Carry-Strategie am Devisenmarkt gemeint. Hier leihen sich Anleger Geld in einer Währung mit niedrigem Zins und legen es in einer Währung mit hohem Zins an. Der Klassiker ist es, niedrig verzinste japanische Yen zu verkaufen und US-Dollar zu kaufen, um diese in höher verzinsliche US-Anleihen zu investieren. Der Ertrag entsteht aus der Zinsdifferenz. Allerdings können Wechselkursverluste diesen Vorteil schmälern oder sogar vollständig aufzehren.

Wie sieht es bei anderen Anlageklassen aus?

Auch bei Anleihen, Immobilien und Rohstoffen gibt es einen Carry-Effekt. Zum Beispiel kann man Unternehmensanleihen kaufen und über einen günstigen Kredit finanzieren. Die Differenz ist der laufende Ertrag. Ähnlich bei Immobilien: Wer eine Wohnung auf Kredit kauft und Mieteinnahmen erzielt, die höher sind als Zinsen und Instandhaltungskosten, verdient einen positiven Carry.

Bei Rohstoffen funktioniert es über Terminkontrakte. Bei einer Backwardation ist der Preis für eine künftige Lieferung niedriger als der aktuelle Marktpreis. Bleiben die Marktbedingungen gleich, steigt der Preis des Terminkontrakts bis zur Fälligkeit und beschert dem Anleger einen Ertrag. Es gibt aber auch Anlageklassen wie Gold oder Bitcoin, die keinen Carry-Effekt aufweisen. Hier sind Anleger ausschließlich auf Kursgewinne angewiesen, um positive Renditen zu erzielen.

Wo ist der Haken an der Sache?

Das Risiko besteht darin, dass die Kursverluste größer ausfallen als der Carry-Effekt. Hat eine Aktie zum Beispiel eine Dividendenrendite von 5 %, aber ihr Kurs fällt auf Jahressicht um 15 %, entsteht ein Verlust von 10 %. Der Kursverlust hat den Ertrag aus der Dividende (den Carry) damit mehr als aufgezehrt.

Beim klassischen Devisen-Carry-Trade kann es auch passieren, dass sich plötzlich viele Anleger zurückziehen. Das kann zu einer Kettenreaktion führen, die mit besonders hohen Verlusten einhergeht. Der Studie „Carry Trade and Currency Crash Risk“ zufolge stellen bei Währungen bis zu drei Viertel der Carry-Renditen eine Kompensation für das Crash-Risiko dar.

Ermöglicht der Carry-Effekt eine Renditeprognose?

Dem eingangs genannten Paper zufolge ermöglicht Carry in allen großen Anlageklassen eine relativ gute Prognose der später erzielten Renditen. Das hängt damit zusammen, dass die laufenden Erträge einen Renditepuffer bedeuten. Erst, wenn dieser durch Kursverluste aufgezehrt ist, entstehen per Saldo Verluste.

Interessant ist auch, dass Carry bei Aktien und Anleihen im Durchschnitt etwas höhere Gewinne vorhersagt. Wenn eine Aktie also eine Dividendenrendite von 5 % hat, kann man im Mittel damit rechnen, noch etwas mehr Rendite zu erzielen. Bei Rohstoffen ist es aber umgekehrt: Hier liegen die realisierten Renditen in der Regel etwas niedriger als durch Carry angezeigt.

Die Studie mahnt aber auch zur Vorsicht. Denn in der Vergangenheit gab es Phasen, in denen Carry-Strategien über alle Anlageklassen hinweg schlecht liefen. Die größten Verluste gab es von August 1972 bis September 1975, von März 1980 bis Juni 1982 und von August 2008 bis Februar 2009.

Zum Autor

Auf Marko Momentum bringt Dr. Marko Gränitz wissenschaftliche Studien zum Kapitalmarkt in zwei bis drei Sätzen auf den Punkt. Zudem werden ausgewählte Anlagethemen kurz und verständlich zusammengefasst.

Die Kapital Medien GmbH, der Verlag der Finanzzeitschriften AnlegerPlus, AnlegerPlus News und AnlegerLand ist eine 100-%-Tochter der SdK Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e.V.

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