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Ifo-Prognose: Deutsche Wirtschaft wird 2026 leicht wachsen

Eine Raffinerie bei Nacht.

Die deutsche Wirtschaft befindet sich im Spannungsfeld gegensätzlicher Kräfte: Während ein massiver Energiepreisschock infolge des Nahost-Konflikts das Wachstum spürbar ausbremst, stützt eine stark expansive Finanzpolitik die Konjunktur. Das Ifo- Institut prognostiziert für das laufende Jahr 2026 sowie für das kommende Jahr ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von jeweils 0,8 % – warnt jedoch gleichzeitig vor drastisch steigenden Staatsdefiziten und langfristigen Strukturproblemen.

💡 Key Takeaways: Ifo-Prognose für die deutsche Wirtschaft
  • Moderates Wachstum voraus: Das Ifo-Institut erwartet für 2026 und 2027 ein BIP-Wachstum von jeweils 0,8 %, das stark durch expansive Staatsausgaben gestützt wird.
  • Explodierende Haushaltsdefizite: Die Stabilisierung ist teuer erkauft. Das Staatsdefizit klettert von 2,8 % (2025) massiv auf 4,1 % in 2026 und sogar 4,9 % in 2027.
  • Kaufkraftverlust & Inflation: Der anhaltende Energiepreisschock kostet Deutschland rund 34 Mrd. Euro an Kaufkraft. Die Inflation bleibt 2026 mit 2,9 % hartnäckig.
  • Strukturelle Blockaden: Demografischer Wandel und eine schwache Produktivität bremsen das langfristige Potenzialwachstum bis Ende des Jahrzehnts auf historisch niedrige 0,1 %.

Nach den aktuellen Berechnungen der Münchener Wirtschaftsforscher wird das Bruttoinlandsprodukt in den Jahren 2026 und 2027 um jeweils 0,8 % zulegen. Die konjunkturelle Dynamik ist dabei von zwei extremen, einander entgegenwirkenden Faktoren geprägt. Der anhaltende Energiepreisschock belastet die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in beiden Jahren mit jeweils 0,4 Prozentpunkten. Demgegenüber steht eine expansive staatliche Finanzpolitik: Massive Mehrausgaben für die Infrastruktur, Klimaneutralität sowie die Verteidigung tragen je 0,5 Prozentpunkten zum Wirtschaftswachstum bei.

Im laufenden zweiten Quartal wird die Erholung, die im vergangenen Jahr einsetzte, nach Einschätzung von Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser pausieren. „Die deutsche Wirtschaft wird vorübergehend stagnieren, nicht aber in eine Rezession fallen. Ab dem dritten Quartal 2026 dürfte sich die Erholung wieder fortsetzen und zum Jahresende beschleunigen, sofern sich der Nahost-Konflikt tatsächlich entspannt.“

Teuer erkauftes Wachstum

Die Stabilisierung der Wirtschaftsleistung ist laut dem Ifo-Institut allerdings teuer erkauft und führt zu einer erheblichen Verschärfung der staatlichen Haushaltslage. Das Finanzierungsdefizit des Staates wird massiv ansteigen: von 2,8 % im Jahr 2025 auf 4,1 % im Jahr 2026 und weiter auf 4,9 % im Jahr 2027. Infolgedessen wird auch der Bruttoschuldenstand bis zum Jahr 2027 auf rund 68 % der gesamten Wirtschaftsleistung klettern.

Gleichzeitig hinterlässt der Energiepreisschock infolge des Iran-Kriegs tiefe Spuren in der Realwirtschaft. Durch die drastisch gestiegenen Preise für importierte Energie verliert Deutschland in diesem und im kommenden Jahr rund 34 Mrd. Euro an Kaufkraft. Auch die Inflation bleibt hartnäckig: Für das Jahr 2026 wird eine Inflationsrate von 2,9 % erwartet, die im Jahr 2027 nur geringfügig auf 2,7 % zurückgehen dürfte.

Ifo-Prognose: Strukturelle Bremsen dämpfen den langfristigen Ausblick

Hinsichtlich der längerfristigen Perspektiven äußern sich die Ifo-Konjunkturforscher wenig optimistisch. Der demografische Wandel und eine anhaltend schwache Produktivitätsentwicklung dämpfen das strukturelle Potenzialwachstum der Bundesrepublik bis zum Ende des aktuellen Jahrzehnts auf historisch niedrige 0,1 %.

Die gegenwärtigen staatlichen Fiskalimpulse wirken zwar kurzfristig stabilisierend, stuft das Institut jedoch als überwiegend strukturerhaltend ein. „Um das Wachstumspotenzial nachhaltig zu steigern, bedarf es tiefgreifender Reformen, die aus einer staatlich gestützten Atempause ein dauerhaftes, eigenständiges Wirtschaftswachstum machen“, sagt Wollmershäuser. 

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Risikoszenarien: Blick auf den Nahost-Konflikt und die Energiepreise

Die vorliegende Konjunkturprognose basiert auf der Kernannahme, dass sich der Nahost-Konflikt in den kommenden Wochen schrittweise entspannt und die strategisch kritische Straße von Hormus wieder geöffnet wird. Der veranschlagte Pfad der Energiepreise orientiert sich dabei an den durchschnittlichen Terminmarktnotierungen aus dem Mai 2026. Unter diesen Bedingungen sollte der Rohölpreis ab dem dritten Quartal 2026 wieder spürbar sinken und bis zum Ende des Jahres 2027 ein Niveau von knapp unter 80 Dollar erreichen.

Ein am vergangenen Wochenende geschlossenes Abkommen liefert bereits erste positive Signale: Die aktuellen Notierungen an den Terminmärkten deuten auf ein schnelleres Sinken der Energiepreise hin. Sollte sich dieser Trend verfestigen, könnte die Inflationsrate rascher zurückgehen und das Wirtschaftswachstum insgesamt höher ausfallen. Demgegenüber steht das Risiko, dass das jüngste Abkommen keinen Bestand hat und der Konflikt erneut eskaliert. In diesem Fall verblieben die Energiepreise auf einem hohen Niveau, was deutlich stärkere konjunkturelle Bremsspuren zur Folge hätte.

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Foto: © Maksym Kaharlytskyi auf Unsplash

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