Die Zahl der Firmeninsolvenzen in Deutschland ist im Juli 2026 nahezu unverändert geblieben. Nach Angaben des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) wurden 1.689 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften registriert. Das waren ein Prozent weniger als im Juni, aber sieben Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Gegenüber dem durchschnittlichen Juli der Vor-Corona-Jahre 2016 bis 2019 lag die Zahl um 75 Prozent höher.
- Niveau bleibt extrem hoch: Mit 1.689 Firmenpleiten lag die Zahl im Juli 2026 um 75 % über dem Vorkrisen-Durchschnitt der Jahre 2016–2019.
- Branchen-Krise: Unternehmensnahe Dienstleistungen sowie Finanz- und Versicherungsdienstleister meldeten die höchsten Pleitewerte seit Januar 2020.
- Arbeitsplätze stark betroffen: In den größten 10 % der insolventen Betriebe sind über 13.000 Jobs bedroht – knapp 6.000 davon entfallen auf die Industrie.
- Keine Entwarnung: Aufgebrauchte Reserven bei KMUs und historische Höchstwerte bei den IWH-Frühindikatoren deuten auf eine anhaltende Marktbereinigung hin.
Besonders viele Insolvenzen verzeichnete das IWH bei unternehmensnahen Dienstleistungen sowie bei Finanz- und Versicherungsdienstleistungen. In beiden Bereichen wurde der höchste Wert seit Beginn der branchenspezifischen Erhebung im Januar 2020 erreicht. Im Gastgewerbe fiel die Zahl dagegen ungewöhnlich niedrig aus.
In den größten zehn Prozent der insolventen Unternehmen waren im Juli mehr als 13.000 Arbeitsplätze betroffen. Das waren sechs Prozent weniger als im Juni, jedoch 26 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Im Vergleich zum Juli-Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019 lag die Zahl um 47 Prozent höher. Auf die Industrie entfielen knapp 6.000 betroffene Stellen.
Auch in den kommenden Monaten rechnet das IWH mit sehr hohen Insolvenzzahlen. Die vom Institut erhobenen Frühindikatoren erreichten im Juli einen neuen Höchststand. Nach Einschätzung von Steffen Müller, Leiter der IWH-Insolvenzforschung, habe die lange Krise die Reserven vieler kleinerer Unternehmen aufgebraucht. Die Marktbereinigung halte deshalb unvermindert an.
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