Ifo-Geschäftsklima steigt im Mai – doch die Erholung steht auf tönernen Füßen

Eine Person, die mit einem Winkelschleifer arbeitet.

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Mai leicht erholt. Die Unternehmen sind mit den laufenden Geschäften etwas zufriedener und blicken außerdem etwas weniger pessimistisch in die Zukunft. 

💡 Key Takeaways: Ifo-Geschäftsklima im Mai
  • Konjunktur-Lichtblick: Der Ifo-Geschäftsklimaindex steigt im Mai überraschend von 84,5 auf 84,9 Punkte und stoppt vorerst den Abwärtstrend.
  • Zweigeteilte Wirtschaft: Während der Dienstleistungssektor nach harten Rückschlägen im März und April glänzt, leidet die Industrie unter akutem Auftragsmangel.
  • Konsum- und Baukrise: Die anhaltende Kaufzurückhaltung bremst den Handel aus – das Bauhauptgewerbe rutscht als einziger Sektor im Mai weiter ab.
  • Strategie für Anleger: Da ein echter Wachstumsmotor fehlt, sind große Kurssprünge unwahrscheinlich. Der Fokus sollte aktuell auf defensiven Qualitätsaktien liegen.

Nach den heftigen Rückschlägen im März und April meldet sich die deutsche Wirtschaft mit einem ersten, wenn auch verhaltenen Lebenszeichen zurück. Wie das Münchner Ifo-Institut mitteilte, ist der vielbeachtete Geschäftsklimaindex im Mai überraschend leicht gestiegen. Der wichtigste Frühindikator für die Konjunktur in Deutschland kletterte von 84,5 Punkten im Vormonat auf nun 84,9 Punkte. An den Märkten sorgt die Nachricht für eine vorsichtige Stabilisierung, wenngleich Experten unmittelbar betonen: Die Lage bleibt fragil.

Die befragten Unternehmen zeigten sich im Mai etwas zufriedener mit ihren laufenden Geschäften. Der Pessimismus mit Blick auf die kommenden Monate hat teilweise nachgelassen. Dennoch ist der Weg zu einer echten Trendwende noch weit.

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Der Sektoren-Check: Dienstleister glänzen, Industrie sendet Warnsignale

Ein genauer Blick auf die einzelnen Wirtschaftszweige offenbart ein uneinheitliches Bild, das auch für Aktionäre und Investoren von hoher Relevanz sein dürfte:

Dienstleistungssektor erholt sich: Der Dienstleistungssektor verzeichnete das deutlichste Plus im Mai. Nach dem heftigen Einbruch der vergangenen beiden Monate erholten sich hier insbesondere die Erwartungen massiv. Auch die aktuelle Lage wurde besser bewertet. Die Stimmung in der Logistik bleibt angespannt, ist aber nicht mehr so katastrophal wie im Vormonat. Gleiches gilt für den Tourismussektor.

Verarbeitendes Gewerbe mit dicken Wermutstropfen: In der für den DAX so wichtigen Industrie hat sich das Klima zwar dank besserer Lageurteile leicht verbessert, doch die Zukunftssorgen wachsen weiter. Die Erwartungen trübten sich erneut ein – der Hauptgrund hierfür ist ein anhaltender Rückgang der Neuaufträge. Für zyklische Industrieaktien bleibt das Umfeld damit herausfordernd.

Handel leidet unter Konsumflaute: Auch im Handel zog der Index leicht an, gestützt durch eine bessere aktuelle Lagebeurteilung und abnehmenden Pessimismus für die Zukunft. Das fundamentale Problem bleibt jedoch bestehen: Die anhaltende Kaufzurückhaltung der Verbraucher lastet sowohl auf dem Groß- als auch auf dem Einzelhandel und bremst eine dynamische Erholung aus.

Bauhauptgewerbe rutscht weiter ab: Als einziger Sektor musste der Bau im Mai Federn lassen. Die Unternehmen bewerteten ihre aktuelle Geschäftslage nochmals schlechter als im April. Zwar legten die Erwartungen nach dem jüngsten Einbruch minimal zu, die Skepsis in der Baubranche bleibt jedoch dominierend.

Einschätzung für den Markt

Für die Börse liefert der Ifo-Index im Mai ein gemischtes Signal. Die Stabilisierung nimmt den Märkten vorerst die Angst vor einem unkontrollierten wirtschaftlichen Absturz nach dem schwachen Frühjahr. Dass sich der Dienstleistungssektor so robust zeigt, stützt den Markt.

Da jedoch der Wachstumsmotor Industrie wegen der schwachen Auftragslage weiter stottert und die Verbraucher ihr Geld zusammenhalten, dürften größere Kurssprünge am Aktienmarkt ausbleiben. Investoren sollten weiterhin auf Qualität und defensivere Titel setzen, da die deutsche Wirtschaft zwar den Boden gefunden haben könnte, von Dynamik aber noch keine Rede sein kann.

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