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Infineon: Morgan Stanley kappt Kursziel – trägt das KI-Geschäft?
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Überzogene KI-Hoffnungen? Morgan Stanley senkt Kursziel für Infineon-Aktie

08.09.2026

3–5 Minuten

Thomas G. Wunder

Das Foto zeigt eine sorgfältige Produktkontrolle bei der Chipherstellung von Infineon.

Ein bearisher Analystenkommentar von Morgan Stanley sorgte am Dienstag für Kursverluste bei der Infineon-Aktie. Vor allem beim zuletzt starken Geschäft mit KI-Rechenzentren sehen die Experten Risiken.

💡 Key Takeaways: Infineon-Aktie unter Druck
  • Analysten-Downgrade: Morgan Stanley stuft Infineon von „Overweight“ auf „Equalweight“ ab und senkt das Kursziel deutlich von 81 Euro auf 65 Euro.
  • Skeptische KI-Prognose: Für den Bereich Power & Sensor Systems liegen die Morgan-Stanley-Schätzungen für FY27/28 um 18 % bzw. 24 % unter dem Markt-Konsens.
  • Starke operative Zahlen: Im 3. Quartal erzielte Infineon einen Rekordumsatz von 4,17 Mrd. Euro (+12,6 % YoY) und peilt für Q4 ein weiteres Plus von 13 % an.
  • Belastender Automotive-Sektor: Die Krise der deutschen Autobauer bleibt ein Risiko – das Automotive-Segment macht knapp 46 % des Gesamtumsatzes aus.

Morgan Stanley hat die Infineon-Aktie am Dienstag von „Overweight“ auf „Equalweight“ herabgestuft. Das Kursziel senkten die Analysten von 81 Euro auf 65 Euro. 

Ein wesentlicher Grund für die Abstufung ist, dass die Analysten Zweifel daran haben, dass das Geschäft mit KI-Rechenzentren schnell genug wächst, um die Kursgewinne seit Jahresbeginn zu rechtfertigen.

Für das Geschäftsjahr 2027 prognostiziert Morgan Stanley weiterhin einen Rechenzentrumsumsatz von 2,8 Milliarden Euro. Im Gegensatz zu einigen Marktbeobachtern erwarten die Analysten nicht, dass Infineon seine Prognose für diesen Geschäftsbereich auf 4 Mrd. Euro anheben wird.

Die Schätzungen von Morgan Stanley für den Umsatz im Bereich Power & Sensor Systems liegen für die Geschäftsjahre 2027 und 2028 nun 18 % beziehungsweise 24 % unter den Konsensschätzungen. Erwartet werden 6,5 Milliarden Euro beziehungsweise 7,9 Milliarden Euro.

Die Infineon-Aktie reagierte auf die Morgan-Stanley-Abstufung am Dienstag mit einem Kursverlust von 3,85 %. Seit Jahresbeginn verbleibt damit aber noch immer ein Plus von rund 55 %. 

Die Bullen

Es ist jedoch wichtig zu erwähnen, dass nicht alle Analysehäuser so pessimistisch auf das Papier blicken. 

Warburg Research stufte Infineon am Montag von „Hold“ auf „Buy“ hoch und bestätigte das Kursziel von 84 Euro. Deutsche Bank Research beließ die Einstufung auf „Buy“ mit einem Kursziel von 85 Euro.

Auch die jüngsten Zahlen sprechen für Infineon. Für das dritte Quartal berichteten die Münchner einen Rekordumsatz von 4,17 Mrd. Euro. Das entspricht einem Plus von 9,4 % zum Vorquartal und 12,6 % zum Vorjahreszeitraum.

Für das vierte Quartal stellte das Unternehmen ein weiteres Wachstum von 13 % auf 4,7 Mrd. Euro in Aussicht. Die Segmentergbnis-Marge soll um 400 Basispunkte steigen. 

Der Fluch der hohen Erwartungen

Infineon blickt damit auf ein erfolgreiches Quartal zurück und hat eine solide Prognose vorgelegt. 

Die vergangenen Monate haben jedoch gezeigt, dass es nicht mehr ausreicht, eine solide Prognose zu erreichen. Die Anleger stellen sehr hohe Ansprüche an KI-Profiteure. Ob Infineon diese Ansprüche befriedigen kann, muss sich erst noch zeigen. 

Das Unternehmen gibt zwar an, mit führenden Kunden aus dem Bereich KI-Rechenzentren mehrjährige Kapazitätsreservierungsvereinbarungen abgeschlossen zu haben oder sich in entsprechenden Verhandlungen zu befinden. 

Kundennamen, Einzelvolumina und die Aufteilung zwischen abgeschlossenen Vereinbarungen und laufenden Verhandlungen nannte Infineon bisher allerdings nicht. Das kumulierte Umsatzvolumen soll sich über mehrere Jahre im hohen einstelligen Milliarden-Euro-Bereich bewegen.

Der noch nicht abgeschlossene Teil bietet allerdings weniger Planungssicherheit. Kühlt sich der Rechenzentrumsmarkt ab, könnten Kunden laufende Verhandlungen zurückfahren und bestehende Vereinbarungen im Rahmen der vertraglich vorgesehenen Flexibilität anpassen.

Zu guter Letzt gibt es einen weiteren wichtigen Risikofaktor: die Krise der deutschen Automobilindustrie. Deutsche Hersteller und Zulieferer zählen zu den wichtigen Kunden von Infineon. Das Segment Power & Sensor Systems trug im dritten Quartal rund 35 % zum Konzernumsatz bei, Automotive rund 46 %. Selbst wenn der KI-Motor weiter brummt, könnten die Probleme der deutschen Autobauer für Gegenwind sorgen – und den Infineon-Aktionären die Stimmung verderben.

Die Kapital Medien GmbH, der Verlag der Finanzzeitschriften AnlegerPlus, AnlegerPlus News und AnlegerLand ist eine 100-%-Tochter der SdK Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e.V.

Foto: © Theme Photos auf Unsplash

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